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Den Wissensdurst stillen

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Bildung ist eine wesentliche Voraussetzung nachhaltiger Entwicklung und gilt offiziell als Menschenrecht. Trotzdem können Millionen Kinder ihre Fähigkeiten nicht voll entfalten, weil sie ohne adäquate Schulbildung aufwachsen. Die japanische Sängerin und Songschreiberin Ai Kawashima hilft, diese Situation zu verbessern: Sie lässt dort Schulen errichten, wo sie gebraucht werden. 

Ai Kawashimas Biografie ist bemerkenswert. Trotz tragischer Ereignisse in ihrer Kindheit hat die 28-jährige Musikerin aus Japan den Durchbruch als Popstar geschafft. Sie hat zudem eine Nichtregierungsorganisation (NGO) gegründet, mit dem Ziel, für lernwillige Kinder ohne Zugang zu Bildungseinrichtungen weltweit 100 Schulen zu bauen.

Ai wurde mit drei Jahren zum Waisenkind: Ihre alleinerziehende Mutter starb, nachdem sich ihre Gesundheit nach der Geburt ihrer Tochter rapide verschlechtert hatte. Ai kam in ein Waisenhaus in ihrer Heimatstadt Fukuoka, wurde aber nach kurzer Zeit von der Familie Kawashima adoptiert. Sie hat schon immer gerne gesungen und Musik gemacht – ein Talent, das ihre Adoptiveltern förderten: Bereits mit zehn Jahren sang sie ein japanisches Volkslied auf der Bühne der New Yorker Carnegie Hall.

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In Laos baut Ai Kawashima derzeit ihre achte Schule, um den Kindern Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Doch Krankheiten führten dazu, dass sie innerhalb weniger Jahre auch ihre Adoptiveltern verlor und mit 16 Jahren erneut zur Waise wurde. Deshalb in Selbstmitleid zu versinken, ließ sie jedoch nicht zu. Stattdessen entschied sie sich, den Traum ihrer Mutter zu verwirklichen und professionelle Musikerin zu werden. Noch als Teenager ging sie nach Tokio, um Karriere zu machen.

Das war kein leichter Weg. Erste Erfahrungen sammelte sie bei Live- Konzerten auf den Straßen des Einkaufsviertels Shibuya. Dort wurden nach und nach immer mehr Passanten auf sie aufmerksam. Sie bekam den Spitznamen „Engel der Straße“. Um bekannter zu werden, setzte sie sich das Ziel, 1.000 Straßenkonzerte zu geben.

„Diese Auftritte waren das Sprungbrett für mein Debüt und einer der entscheidenden Ausgangspunkte für meine Karriere“, sagt sie. So wurden auch die Vertreter der Plattenfirma, die sie letztlich unter Vertrag nahm, auf sie aufmerksam. 2003, im Alter von nur 17 Jahren, schaffte sie den Durchbruch. Ihre erste Single, Door to Tomorrow, wurde ein Hit und verkaufte sich über 900.000-mal.  Die Beziehungen, die sie in dieser Zeit zu ihrem Team aufbaute, halfen ihr, im Leben wieder Fuß zu fassen. „Sie haben sich um mich gekümmert und mich nach Kräften unterstützt“, sagt sie. „Dank ihrer Wärme und Herzlichkeit habe ich es geschafft, Schritt für Schritt wieder ins Leben zu finden.“

Ein weiteres Herzensprojekt angehen

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Ai Kawashima: Trotz tragischer Ereignisse in ihrer Kindheit hat die 28-jährige Musikerin aus Japan den Durchbruch als Popstar geschafft.

2005 hatte sie ihr Ziel erreicht: das tausendste Straßenkonzert. Ihre Musikkarriere lief zu dieser Zeit schon gut. Als Sängerin und Songschreiberin brachte sie mehrere Soloalben und Singles heraus, die auch in Videospielen und Animes (Zeichentrickfilmen) zu hören waren.

Der Erfolg erlaubte ihr, ein weiteres Herzensprojekt anzugehen. Als Teenager war sie auf die schlimmen Umstände aufmerksam geworden, denen Kinder in Afrika gegenüberstehen. Das beschäftigte sie sehr. Mit 19 begann sie, sich für gemeinnützige Bildungsprojekte einzusetzen. „Ich beschloss, zu helfen, indem ich Schulen baue“, sagt sie. „Durch Mitarbeiter von Freiwilligenorganisationen habe ich gelernt, was Bildung bewirken kann: Durch den Schulbesuch können sich Kinder geistig entwickeln und haben später bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“

Ihre erste Schule wurde 2006 in Burkina Faso gebaut. Dort werden heute rund 300 Schüler unterrichtet. Eine weitere Schule wurde 2008 in Kambodscha fertiggestellt. In Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort und durch die Einnahme von Spenden im Rahmen einer japanischen Reality-TV-Serie entstanden weitere Schulgebäude in Liberia, Osttimor, Bangladesch und Indien.

Kawashima hat jetzt ein neues ehrgeiziges Ziel. „Nachdem ich mir 1.000 Straßenkonzerte vorgenommen hatte, dachte ich mir: Okay, jetzt bauen wir 100 Schulen!“, sagt sie. „Sieben stehen bereits, und gerade kommt in Laos die achte dazu.“  

Die Baukosten für die Schulen trägt Kawashima zu 80 % selbst, ihr Team steuert weitere 10 % bei. Für die restlichen Kosten bittet sie ihre Fans um Unterstützung. Vor Beginn der Bauarbeiten setzen sich Kawashima und ihr Team mit fachkundigen Mitarbeitern von NGOs zusammen. Mit deren Hilfe wählen sie für jedes Projekt den richtigen Ort aus. Kawashima sorgt für die Finanzierung, während die NGOs als Bauherren fungieren und die Schule verwalten.

Einsatz für gemeinnützige Bildungsprojekte

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Sieben Schulen wurden bisher gebaut. Ai Kawashima ist immer persönlich dabei, wenn eine neue Schule eröffnet wird.

Die Berichte, mit denen die NGOs Kawashima über die Lebensumstände der Kinder informieren, stoßen bei ihr auf großes persönliches Interesse. Sie möchte ihre gemeinnützige Arbeit gründlich erledigen. „Ich glaube, von Erfolg kann man nur sprechen, wenn unsere Schule ihre Tore nie schließen muss und ihr Bestand gesichert ist. Mit dem eigentlichen Bau des Gebäudes werden dafür nur die Grundlagen geschaffen“, sagt sie.

Wenn eine neue Schule eröffnet wird, ist Kawashima immer persönlich dabei und gerührt vom Empfang, der ihr bereitet wird. „Ich werde von den Kindern und Mitarbeitern mit unglaublicher Wärme und Herzlichkeit empfangen. Die Kinder erzählen mir von ihren Träumen. Das sind Momente, die ich nie vergesse“, betont sie.

Als Musikerin feiert Kawashima einen Erfolg nach dem anderen – als Nächstes peilt sie einen Auftritt im Nippon Budōkan an, einer riesigen Arena in Tokio. Die Ziele für ihre gemeinnützige Arbeit sind nicht weniger ehrgeizig. „Ich möchte weiter für Bildung kämpfen und mithelfen, dass überall auf der Welt neue Schulen entstehen. Wahrscheinlich nehme ich mir demnächst vor, 1.000 Schulen zu bauen“, sagt sie. „Egal wie klein der Beitrag auch ist, solange ich damit etwas verändern kann, tue ich alles, um zu helfen.“ 

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