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3 Fragen an Dr. Nikolaus Raupp

Seit 2013 bietet BASF ihren Kunden die Möglichkeit, gezielt in ihrem Verbundsystem fossile durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen. Wie das TÜV-SÜD-zertifizierte Biomassenbilanz-Verfahren funktioniert, erklärt BASF-Projektleiter Dr. Nikolaus Raupp.

Das Interesse an der Verwendung nachwachsender Rohstoffe steigt – auch in der chemischen Industrie. Welchen Beitrag kann hier der Biomassenbilanz-Ansatz von BASF leisten?

Nikolaus Raupp: Mit diesem Verfahren können wir in unserem bestehenden Produktionsverbund nachwachsende Rohstoffe einsetzen und einzelnen Produkten rechnerisch zuordnen. Das Prinzip dabei ist ähnlich wie beim Ökostromtarif, bei dem der an die Steckdose gelieferte Strom nicht zwingend aus regenerativer Energie stammt. Entscheidend ist also, dass die Menge nachwachsender Rohstoffe im System insgesamt stimmt. Zudem hat diese Lösung den Vorteil, dass das Produkt verlässlich die gewohnte Qualität bietet. Die Besonderheit dabei ist, dass die für die Fertigung erforderliche Menge an fossilen Rohstoffen durch nachwachsende ersetzt wird.

Je nach Kundenwunsch können bis zu 100 Prozent der eigentlich benötigten fossilen durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden. Wie können Sie das nachweisen?

Wir können die Rohstoffkette im Produktionsverbund komplett zurückberechnen. Hier am Standort in Ludwigshafen haben wir auf einer Fläche von zehn Quadratkilometern rund 200 miteinander verbundene Anlagen. Und wir können genau berechnen, was in jeder einzelnen Anlage an verschiedenen Rohstoffen rein- und wieder rausgeht. Kauft ein Kunde eine Tonne massenbilanziertes Produkt, ersetzen wir die entsprechende Menge fossiler durch nachwachsende Rohstoffe. Der TÜV SÜD kontrolliert diese Berechnungen streng. Das Interesse an unserem Biomassenbilanz-Ansatz ist trotz der höheren Rohstoffpreise groß – vor allem im Baubereich, der Möbelindustrie und bei Herstellern von Hygieneprodukten: Mittlerweile sind schon über 40 BASF-Produkte wie Kunststoffe oder aber Superabsorber für Babywindeln nach unserem An­satz zertifiziert. Und es werden immer mehr. Ein aktuelles Beispiel ist der Einsatz in Bindemitteln der Marke Acronal®, auf deren Basis der Farbenhersteller DAW neue Caparolund Alpina-Innenfarben in den Markt eingeführt hat.

Nachwachsende Rohstoffe sind ja nicht per se nachhaltig. Welche Standards werden zugrunde gelegt?

Der hier verwendete Standard des TÜV SÜD erfordert, in dem Verfahren nur solche Rohstoffe einzusetzen, die zertifizierte Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen. BASF ist es wichtig, dass ein möglichst hoher Anteil der hier verwendeten Rohstoffe aus organischen Abfällen – etwa aus der Landwirtschaft – gewonnen wird.

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