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Wirtschaften im Kreislaufmodell: Eine visionäre Strategie?

Eine Welt mit begrenzten Ressourcen benötigt neue Wirtschaftsmodelle. Die Idee des Wirtschaftens im Kreislauf (Fachbegriff: Circular Economy) gewinnt an Bedeutung. Was versteht man unter dem Begriff und wie funktioniert das Ganze?

UK DRIVENOW
Carsharing, eine Alternative zum eigenen Auto, führt zu einer intensiveren Nutzung von Fahrzeugen während ihrer Lebensdauer. Dies erfordert neue, sehr langlebige und wiederverwertbare Werkstoffe und Technologien.

Klimawandel, Bevölkerungswachstum und begrenzte Ressourcen stellen weltweit eine Herausforderung dar. Die Bioökonomie ist Teil des größeren, gesamtheitlichen Konzepts der Kreislaufwirtschaft. Diese zielt darauf ab, unsere Lebensweise so zu verändern, dass wir die Ressourcen unseres Planeten nicht erschöpfen.

Die Grundidee besteht darin, mit innovativen Geschäftsmodellen das Wachstum vom Ressourcenabbau zu entkoppeln. Eine Entwicklung weg von einer linearen Wegwerfgesellschaft hin zu einer kreislauforientierteren Herangehensweise bei Produktion und Verbrauch: Das könnte der größte wirtschaftliche Wandel seit der industriellen Revolution sein. „Das lineare Modell, das in der Vergangenheit erfolgreich Wachstum generiert hat, ist für den weiteren Fortschritt nicht länger brauchbar“, sagt Jennifer Gerholdt, Leiterin des Umweltprogramms im Corporate Citizenship Center der U. S. Chamber of Commerce Foundation. Sie geht davon aus, dass Unternehmen das Wirtschaften im Kreislaufmodell als Chance sehen, Innovation nachhaltig voranzutreiben.

Ziel des Wirtschaftens im Kreislauf ist es, durch effiziente Verfahren wie Abfallvermeidung, Wiederverwertung, Reparatur, Wiederaufarbeitung und Recycling weniger Ressourcen zu verwenden. Das Modell konzentriert sich vorwiegend auf den Materialkreislauf und stützt sich auf Energie aus erneuerbaren Quellen. Es ist auf lange Haltbarkeit ausgerichtet und stellt sicher, dass technische Erzeugnisse so lange wie nötig funktionsfähig bleiben, sich leicht instandhalten lassen und einen hohen Wiederverkaufswert haben. Zudem ist das Modell so konzipiert, dass Produkte und ihre Komponenten auseinandergebaut werden können und man sie reparieren, wiederaufbereiten und als Ausgangsmaterial für einen weiteren Herstellungsprozess einsetzen kann.

Durch „industrielle Symbiose“ werden Nebenprodukte aus einem industriellen Verfahren zum Ausgangsmaterial für ein anderes. BASF hat diese Idee seit der Geburtsstunde des Unternehmens im Jahr 1865 verinnerlicht. „Der BASF-Verbund ist auf die effiziente Nutzung von Energie und Ressourcen ausgelegt. Überschüssige Wärme in einer Produktionsanlage kann als Energie in anderen Anlagen weiterverwendet werden. Abgase oder Nebenprodukte aus einem Betrieb dienen als Rohstoff für einen anderen. So können wir Emissionen und Abfälle vermindern und gleichzeitig Ressourcen sparen“, erklärt Dr. Uwe Liebelt, President European Site and Verbund Management bei BASF.

Eine weitere Säule des Wirtschaftens im Kreislaufmodell wächst schnell: die neue „Dienstleistungsgesellschaft“, in der das Leihen und Leasen das Besitzen ersetzt und aus Verbrauchern Nutzer werden. Zum Beispiel wird die Verlagerung von individuellem Eigentum hin zum Carsharing zu einer intensiveren Nutzung von Autos während ihrer Lebensdauer führen. Dies macht neue, sehr langlebige und wiederverwertbare Werkstoffe und Technologien erforderlich. Innovationen aus der Chemie sind entscheidend, um dieses Ziel zu erreichen.

Laut Schätzung der Ellen MacArthur Foundation, die den Übergang zur Kreislaufwirtschaft unterstützen und beschleunigen will, werden durch diese Ideen bis 2025 jährlich Materialien in einem Wert von mindestens 1 Billion $ gespart. Außerdem werden durch die Wiederaufbereitung und das Recycling von Produkten neue Arbeitsplätze geschaffen.

Das Wirtschaften im Kreislaufmodell hat das strategische Potenzial, so wenig Ressourcen wie nur möglich zu verwenden und gleichzeitig das Wachstum zu fördern. Daher wird es zurzeit von einigen der weltweit führenden Unternehmen und regionalen Volkswirtschaften schnell umgesetzt. Für Gerholdt ist diese Art des Wirtschaftens im 21. Jahrhundert schlicht und ergreifend die „neue Realität“.

Innovative Initiativen im Bereich Kreislaufwirtschaft etablieren sich weltweit. Von Ananasleder bis hin zu recycelten Zigarettenstummeln, vom Leasing von Kleidung bis hin zu Mitfahrgelegenheiten für lange Autofahrten – finden Sie heraus, welchen Beitrag Unternehmen und Organisationen in verschiedenen Ländern leisten.
Klicken Sie auf die farbigen Punkte, um mehr zu erfahren.

Den Kreis schließen – Ansätze der Kreislaufwirtschaft von damals bis heute

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