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Eine ernsthafte Bedrohung für Wirtschaft, Gesundheit und Sicherheit

Die Zoll- und Grenzschutzbehörde der USA steht beim Kampf gegen Fälscher an vorderster Front. Von Washington, D.C./USA aus leitet Michael Walsh, der Direktor derAbteilung für geistiges Eigentum der Behörde, einen Mitarbeiterstab aus Spezialisten für internationalen Handel. Außerdem beaufsichtigt er die National Targeting and Analysis Group für gewerblichen Schutz und Urheberrechte mit Sitz in Los Angeles. In einem Interview beschreibt er einige der größten Herausforderungen seines Jobs.

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Bei zehn Prozent aller Arzneimittel handelt es sich Schätzungen zufolge um Fälschungen. In vielen Fällen können Imitationen nur durch chemische Analysen entdeckt werden.
Official Portrait of Michael Walsh, Office of International Affairs
Michael Walsh
Als Direktor der Abteilung IPR Policy and Programs der Handelsstelle der US­-amerikanischen Zoll­- und Grenzschutzbehörde koordiniert Michael Walsh auf nationaler Ebene den Kampf gegen den Import gefälschter Waren in die Vereinigten Staaten. Er hat 25 Jahre Erfahrung im Zollbereich und ist Absol­vent des Programms Senior Executive Fellows der John F. Kennedy School, einer akademischen Ein­richtung der Harvard Uni­versity. 2015 hat seine Abteilung mehr als 28.000 gefälschte Waren in einem Gesamtwert von über 1,3 Milliarden $ sicherge­stellt.

Creating Chemistry: Wie schwerwiegend ist das Problem mit den Fälschungen?

Michael Walsh: Es ist eine ernsthafte Bedrohung für unsere Wirtschaft, Gesundheit und Sicherheit. Wir sind sehr engagiert bei unseren Durchsetzungsmaßnahmen, um die Einfuhr so vieler gefälschter Güter wie möglich zu verhindern.

Welche Waren werden tendenziell am häufigsten gefälscht?

In den letzten fünf Jahren haben wir einen anhaltenden Trend beobachtet: Mode, Unterhaltungselektronik, Schuhe, Armbanduhren, Handtaschen und optische Speichermedien zählen zu den Produkten, von denen die meisten Kopien sichergestellt werden.

Was sind im Alltag die größten Herausforderungen?

Der stetig weiter zunehmende Strom an Waren, die das Land erreichen, und der bestmögliche Einsatz unserer Ressourcen. Die Fälscher sind inzwischen sehr raffiniert und es ist mittlerweile eine sehr große Herausforderung, festzustellen, ob man es mit einer Kopie zu tun hat.

Wie sieht der typische Tag eines Zollbeamten aus?

Die Hauptverantwortung der Beamten liegt in der Arbeit mit Reisenden an den Grenzen. Doch wenn sie im Handelsbereich arbeiten, halten sie nach allen möglichen Verstößen Ausschau. Sie stellen also sicher, dass alle unsere Abkommen zum Handels- und gewerblichen Schutz- und Urheberrecht eingehalten werden, oder schauen auf mögliche Sicherheitsgefährdungen. All das gehört zu ihrem Arbeitsalltag. Die Arbeit mit Fragen des gewerblichen Schutz- und Urheberrechts ist deshalb wichtig, weil viele Waren, die dagegen verstoßen, der US-amerikanischen Bevölkerung eventuell schaden könnten.

Wie werden die Beamten geschult und spezialisieren sie sich auf bestimmte Marktsegmente oder Produkte?

Das ist ein Dauerthema. Wir arbeiten sehr eng mit den Rechteinhabern zusammen, um unsere Mitarbeiter im Außeneinsatz kontinuierlich zu schulen. Diese treffen eine erste Einschätzung und arbeiten zur näheren Bestimmung mit Branchenspezialisten in unseren Kompetenzzentren zusammen. Es ist ein Zusammenspiel aus der getroffenen Ersteinschätzung und dem endgültigen Urteil der Spezialisten in enger Zusammenarbeit mit den Rechteinhabern. Wir versuchen, diesen Prozess so schnell wie möglich abzuwickeln, um sicherzustellen, dass wir keine ordnungsgemäßen Waren zurückhalten.
 

„Die Fälscher sind inzwischen sehr raffiniert, und es ist mittlerweile eine sehr große Herausforderung, festzustellen, ob man es mit einer Kopie zu tun hat.“

Michael Walsh, Direktor der Abteilung IPR Policy and Programs der Handelsstelleder US-amerikanischen Zoll- und Grenzschutzbehörde


Welche sind die wirksamsten Werkzeuge der Abteilung?

Ich denke, das sind Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Sie informiert uns über Problembereiche, liefert gute Anleitungen, um die Produkte zu identifizieren, und stellt sicher, dass wir uns auf sie verlassen können, wenn wir Fragen haben. Wir verfügen über viele ausgeklügelte Instrumente in unserem Labor und bei unseren Forschungsdiensten, aber die Arbeit mit der Privatwirtschaft ist entscheidend. Genau wie sich Fälschungsverfahren weiterentwickeln, wollen wir uns weiterentwickeln und geben unseren Leuten regelmäßig neue Anleitungen, wonach sie suchen sollen, wie sie danach suchen sollen und was sie unternehmen sollen.

Können Sie uns einige der un­gewöhnlicheren Maßnahmen ver­raten, die Fälscher zum Import ihrer Waren ergreifen?

Die Menschen unternehmen alle möglichen Anstrengungen. Wir haben erlebt, dass bei Handtaschen nach dem Abnehmen der Außenhülle Markennamen zum Vorschein kamen oder dass bei Turnschuhen die gefälschten Logos mit Aufnähern überdeckt werden, die man später entfernen kann. Die Leute können sehr kreativ sein.

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