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Aus der Tonne ins Regal

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Sofia Bystedt

leitet das ReTuna-­Einkaufszentrum für Upcycling Produkte im schwedischen Eskilstuna. Sie kommt aus dem Bereich Kommunikation und Einzelhandel und hat einen Bachelor in Verhaltensforschung von der Universität Stockholm.

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Creating Chemistry: ReTuna ist bekannt als das weltweit erste Einkaufszentrum für Gebrauchtwaren. Können Sie das Konzept erklären?

SOFIA BYSTEDT: Wir möchten, dass die Leute gern zu uns kommen und sich beim Einkaufen fühlen, als wären sie in einem Einkaufszentrum mit Designerware. So funktioniert Kreislaufwirtschaft im richtigen Leben. ReTuna wurde im Jahr 2015 von der schwedischen Gemeinde Eskilstuna gegründet, die sich für innovative Lösungen engagiert, mit denen die Umweltbelastung gesenkt und für die Gesellschaft nachhaltig Mehrwert geschaffen wird. Die Leute vor Ort geben alles ab, was sie selbst nicht mehr brauchen. Wir sortieren die Sachen dann danach, ob sie noch verwertet werden können, oder lassen sie zur Recyclinganlage der Gemeinde bringen.

 

Bei ­ReTuna sind auf einer Fläche von 5.000 Quadratmetern 13 Upcycling Geschäfte untergebracht: Die Ladeninhaber zahlen Miete und erhalten freien Zugang zu den gespendeten Waren. Es liegt dann an ihnen, kreative und gewinnbringende Wege zur Wertschöpfung zu finden. Wir sind eine Plattform, die Menschen inspirieren und der Welt zeigen will, dass es möglich ist, wiederverwendete Ware mit Gewinn zu verkaufen. Dieses Jahr eröffnet in unserem Einkaufszentrum die allererste Secondhand Filiale von Ikea.

Welche Dinge werden recycelt und was ist am beliebtesten?

Am beliebtesten ist Elektronik, gefolgt von Kleidung, Inneneinrichtungsgegenständen und Sportgeräten. Während der Covid-19-Pandemie waren Heimwerker sehr aktiv. Deshalb hatten wir eine Menge Kühlschränke, Badewannen und Bauschutt. Gemeinsam zu organisieren, was wohin kommt, war eine der größten Herausforderungen bei diesem Projekt. Aber wir haben viel gelernt!

 

Was verkauft sich am schwersten weiter?

Mit Kleidung werden wir regelrecht überschüttet. Wir veranstalten Tauschbörsen, Modenschauen und Designerwettbewerbe; es ist eine echte Herausforderung für die Sortierer und Upcycler. Dinge wie Röhrenfernseher oder Unterwäsche werden an gewerbliche Recyclingbetriebe weitergegeben. Kulturelle Vorlieben und wirtschaftliche Aspekte spielen bei Wiederverwendung und Upcycling eine wichtige Rolle – die meisten Leute hier kaufen lieber neue Unterwäsche, und sie können es sich leisten.

 

Was machen Sie sonst noch, um die Einstellung der Verbraucher zu ändern?

Wir veranstalten Konferenzen und Events, betreiben Reparaturkurse und führen Informationsveranstaltungen an Schulen durch. Im Rahmen unseres jüngsten Projekts arbeiten wir mit zehn Kindergärten zusammen, um Kindern zu vermitteln, dass Wiederverwendung und Recycling ebenso normal sind wie das tägliche Zähneputzen.

 

Wie messen Sie Ihren Erfolg?

Das Geschäftsmodell funktioniert. Im Jahr 2019 haben wir 14,9 Millionen Schwedische Kronen (etwa 1,45 Millionen €) Umsatz gemacht und über 50 Arbeitsplätze geschaffen. Im Schnitt haben wir mehr als 700 Besucher am Tag, von Einheimischen bis hin zu Touristen und Klimaschützern, die am Wochenende zu uns fahren. Wir hoffen, zur Bewertung unserer Workshops und Informationsprogramme mit dem schwedischen Umweltforschungsinstitut IVL zusammenarbeiten zu können, denn es ist sehr schwierig, Messinstrumente für die Veränderung von Einstellungen zu entwickeln.

 

Was würden Sie anderen Städten raten, die ein ähnliches System planen?

Man kann dieses Modell nicht einfach eins zu eins übertragen, sondern muss Märkte, Kultur und Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen. Außerdem braucht es eine enorme Anfangsinvestition und langfristiges Engagement zur Unterstützung. Wir sind in der Stadt jetzt eine wichtige Institution und haben den Maßstab für die Werte gesetzt, die der Gemeinde am Herzen liegen.

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