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Bio trifft Hightech

Naturkosmetik gleich Öko-Nische? Das war einmal. Heute steht natürliche Kosmetik für pflanzliche Inhaltsstoffe, wissenschaftliche Innovationen und hohe Wachstumsraten. Aber heißt pflanzlich auch bio? Und wie gelingt Nachhaltigkeit?

Die Natur bahnt sich im Cremetiegel den Weg in die Badezimmer von Millionen Menschen. Immer mehr Verbraucher legen Wert auf einen nachhaltigen Lebensstil und schauen sich dabei auch ihre Hautpflege genauer an. Knapp zwei Drittel der befragten Frauen weltweit bevorzugen laut Statista, einem der führenden deutschen Statistikportale, natürliche Inhaltsstoffe. Und die Hälfte der Befragten legt Wert darauf, dass diese Bestandteile aus der Natur zusätzlich vegan sind. Nachhaltige Pflegeprodukte haben sich zum Wachstumsmotor entwickelt: „Der Markt für natürliche und biologische Kosmetik wächst fast doppelt so schnell wie der gesamte Kosmetikmarkt“, heißt es im Statista-Dossie zur Naturkosmetik. Ein Ende des Booms ist nicht abzusehen, im Gegenteil. Mit einem steigenden Umweltbewusstsein steigt auch die Nachfrage massiv. Die Unternehmen reagieren – in den Regalen reiht sich Bio- und Naturkosmetik an Clean-Beauty-Produkte und Cremes, die mit veganen Inhaltsstoffen werben.

Draufsicht zweier Glasschalen: in der linken befindet Granatapfelöl und in der rechten mit Wasser angerührte Tonerde.

Granatapfelöl und Tonerde sind häufige Inhaltsstoffe von Naturkosmetika.

Garantiert natürlich?

Dabei lässt sich die Frage, welche Kosmetik wirklich natürlich ist, gar nicht so einfach beantworten. Das Problem: Begriffe wie naturnahe und grüne Kosmetik sind nicht gesetzlich geschützt und werden teilweise recht beliebig verwendet. Wer Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs bevorzugt, sollte sich an Gütesiegeln und Zertifizierungen orientieren. Meereswellen, Blätter und eine Sonne: So sah das weltweit erste Siegel für kontrollierte Naturkosmetik aus. Von Naturkosmetikherstellern in Deutschland 1997 entwickelt, konnte es sich aber international nicht durchsetzen. Am weitesten verbreitet ist heute der COSMOS-Standard, ein Zusammenschluss von fünf europäischen Organisationen. In Europa und Südamerika ist zudem das Siegel der internationalen Non-Profit-Organisation NATRUE vertreten und in Nordamerika ein von der Natural Products Association vergebenes Siegel. Zusammengefasst lässt sich sagen: Nur bei zertifizierter Naturkosmetik ist festgelegt, was als natürlich gilt. Alle Inhaltsstoffe müssen auf pflanzlicher oder anorganisch-mineralischer Basis hergestellt sein und können, was viele Nutzer nicht wissen, auch tierischen Ursprungs sein. Bio ist Kosmetik aus der Natur deswegen noch lange nicht. Dafür gibt es eigene Zertifikate. Hier müssen die Inhaltsstoffe zu bis zu 100 Prozent aus kontrolliert biologischem Anbau und Zusatzstoffe wie Farb- oder Duftstoffe umwelt- und ressourcenschonend hergestellt sein.

 

Während zertifizierte Natur- oder Biokosmetik genau definiert, welche Inhaltsstoffe enthalten sein dürfen, ist es bei Clean Beauty andersherum: Hier geht es darum, was nicht drin ist. Clean-Beauty Hersteller lassen in der Kritik stehende Inhaltsstoffe oft außen vor, verwenden aber für ihre Produkte neben natürlichen Rohstoffen durchaus auch synthetische. „Frei von …“ kann vieles bedeuten. So vermeidet der eine Hersteller Silikone und Parabene, der nächste Laktose oder Gluten – auch Mineralöle und synthetische Duftstoffe sind oft tabu.

Alles wird gebraucht

Rambu-was? In der westlichen Welt eher unbekannt, hat der immergrüne Rambutan-Baum in Asien viele Fans – die Frucht ist reich an Antioxidantien und schmeckt lecker. In der Kosmetik lassen sich auch Nebenprodukte des Baums nachhaltig und wirksam verwenden, wie das biozertifizierte BASF-Rambutan-Programm zeigt. Auch aus der stacheligen Fruchtschale lassen sich wertvolle Kosmetik-Inhaltsstoffe extrahieren: Nephydrat™ unterstützt die optimale Funktion der Hautbarriere und erhöht messbar die Hautfeuchtigkeit.

Illustration des Rambutan- Baums

Die promovierte Chemikerin und Beauty Bloggerin Michelle Wong aus Australien stört, dass bei Clean Beauty bislang klare Standards fehlen und viel Halbwissen im Umlauf ist: „Oftmals wird nicht beachtet, dass viele Inhaltsstoffe in einer definierten Größenordnung vollkommen sicher in ihrer Anwendung sind und jeder Inhaltsstoff schädlich sein kann, wenn er im Übermaß eingesetzt wird“, stellt Wong, die im Netz wissenschaftlich fundiert Beauty Mythen unter die Lupe nimmt, nüchtern fest.

Begriffe wie naturnahe und grüne Kosmetik sind gesetzlich nicht geschützt.

Draufsicht auf natürlichen Verpackungsarten und Pflegeprodukten: Papier aus Zuckerrohr, feste Seifen, natürliche Öle aus Oliven oder Elemente der Aloe-Vera-Pflanze.

Papier aus Zuckerrohr, feste Seifen, natürliche Öle aus Oliven oder Teile der Aloe ­Vera-­Pflanze – bei nachhaltiger Kosmetik kommt es auf Verpackung und Inhaltsstoffe an.

Dass Mikroplastik in Kosmetik – und vor allem in der Umwelt – nichts zu suchen hat, darüber sind sich überzeugte Clean-Beauty- und Naturkosmetik Hersteller einig. Als Mikroplastik werden feste und nicht lösliche synthetische Kunststoffe mit unter 5 Millimeter Durchmesser bezeichnet. In mehreren Staaten der Europäischen Union, wie Schweden, Frankreich oder Italien, sind Mikroperlen aus Kunststoff, die in Peelings oder Reinigungsprodukten verwendet werden, bereits verboten. Vielfach geht die Kritik weiter und schließt lösliche Polymere mit ein, die zwar kein Plastik sind, sich aber in der Umwelt ebenfalls nicht abbauen. Hersteller bieten zunehmend Alternativen an. Dazu zählt das Biopolymer Hydagen® Clean von BASF. Es wirkt sofort kühlend und eignet sich dadurch gut für Augenpads, die Schwellungen lindern sollen. Wie alle BASF-Biopolymere ist Hydagen Clean gut biologisch abbaubar und stammt zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen. Es wird aus der Knolle der in Südwestchina heimischen Konjakpflanze gewonnen.

Fotografie von natürlichen Verpackungformen: Glastiegeln mit Holzdeckeln, Korkdosen, Papier aus Zuckerrohr.

Keine Nachhaltigkeit ohne die richtige Verpackung: Die Alternativen reichen von Glastiegeln mit Holzdeckeln über Korkdosen bis hin zu Papier aus Zuckerrohr.

Bewährte Techniken

Schon immer hat sich der Mensch zur Hautpflege aus der Natur bedient. In Korea werden seit Jahrhunderten Inhaltsstoffe aus Wurzeln, Samen und Blüten in ausgefeilten Schönheitsritualen eingesetzt. Ein Trend, der unter dem Namen K-Beauty inzwischen weltweit an Bekanntheit gewinnt. Einer der Vertreter: der koreanische Kosmetikhersteller Whamisa, der auf zertifizierte Naturkosmetik gepaart mit innovativen Formulierungen setzt. Bei der Suche nach mehr Nachhaltigkeit im Kosmetiksegment entdeckte der Whamisa Vorstandsvorsitzende Ryan Park eine uralte Methode neu: Fermentation, die mikrobielle oder enzymatische Umwandlung organischer Stoffe in Säure, Gase oder Alkohol. „Fermentation ist der Kreislauf des Lebens – es ist eine wirklich attraktive Methode, bei der man nichts wegwerfen muss“, sagt Park, der auch die Forschung bei Whamisa leitet. „Durch die Fermentation werden schädliche Bakterien während des Gärungsprozesses abgetötet, gleichzeitig entstehen für die Haut nützliche Nährstoffe wie Vitamine und Mineralien.“

 

Natürliche Inhaltsstoffe finden besonders in China großen Anklang bei den Konsumenten. 2020 lag der Umsatz mit Natur- und Biokosmetik dort bei rund 2 Milliarden US-Dollar. Damit liegt das Reich der Mitte vor Nordamerika mit einem Umsatz von rund 1,3 Milliarden US-Dollar. Im kommenden Jahr könnte China sogar die 3-Milliarden-Schwelle reißen.

Unsere Haut: Worin wir stecken

Unser größtes und schwerstes Organ erfüllt lebenswichtige Aufgaben und wird doch gerne unterschätzt. Wir zeigen, was der Grenzposten zwischen innen und außen alles für uns tut.

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Natürlich wirksam

Die weltweit steigende Nachfrage nach natürlicher Kosmetik und Körperpflege – globale Marktprognosen von Premium Beauty Media etwa sagen bis 2027 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 5,2 Prozent auf 54,5 Milliarden US-Dollar Umsatz voraus – ist für die Branche einer der wichtigsten Treiber für Innovationen geworden. Das ist auch bei BASF Care Creations® deutlich zu spüren. „Unser Ziel ist es, Formulierungen zu schaffen, die auf natürlich gewonnenen Inhaltsstoffen basieren, ohne dabei an Leistung einzubüßen“, sagt Dr. Philippe Moussou, zuständig für Projekte der globalen Forschung und Entwicklung zu kosmetischen Wirkstoffen bei BASF. Dazu gehören hochwirksame Peptide als natürliche Waffe im Kampf gegen die alternde Haut. Diese kleinen Eiweißbausteine können die Haut widerstandsfähiger und kräftiger machen – und sogar stille Entzündungen lindern, die lange unbemerkt in manchem Körper schwelen.

 

Moussou und sein Team setzten Künstliche Intelligenz ein, um herauszufinden, welche der Abermillionen möglicher Peptidkombinationen am vielversprechendsten sind. Heraus kam der neue Wirkstoff PeptAlde™ 4.0. Sein Rohstoff: Reis aus biologischem Anbau. „Ohne Künstliche Intelligenz hätte das Aufspüren geeigneter Peptide deutlich länger gedauert – oder man wäre auf einen Zufallsfund angewiesen“, sagt der Wissenschaftler. Nicht nur die Entwicklung, auch das Testen steht für nachhaltiges Denken im Sinne von Bio trifft Hightech: BASF Forschende haben dafür mithilfe von Bio Printing zusammen mit CTIBiotech aus Frankreich Hautmodelle aus dem 3D-Drucker erschaffen. „Wir können so kosmetische Inhaltsstoffe viel effektiver testen, um zu sehen, wie wirksam und verträglich sie sind“, sagt Moussou.

Alte Schönheitsgeheimnisse

Pflegende Kosmetik aus der Natur ist so alt wie die Menschheit. Überliefert ist etwa das Schönheitsritual der ägyptischen Pharaonin Kleopatra, die vor mehr als 2.000 Jahren in Eselsmilch gebadet haben soll. Aber auch andere alte Rezep­turen sind heute noch faszinierend. Klicken Sie auf das Pluszeichen, um noch mehr zu erfahren.

Vereinfachte Illustration einer Rose.
Vereinfachte Illustration von Tonerde.
Illustration einer vereinfachen Aloe Vera in einem Kreis

Ohne Wasser

In den Regalen und in der Werbung sind sie kaum zu übersehen: Körperpflege-, Gesichtsreinigungsprodukte oder Shampoos in fester Blockform, die wenig Verpackung brauchen. Wasserfreie Kosmetik ist ein ressourcenschonender, natürlicher Kosmetik-Trend mit Zukunftspotenzial: „Dieser Trend ist gekommen, um zu bleiben“, ist sich die australische Beauty-Bloggerin Michelle Wong sicher. Wasserfrei kann dabei aber trotzdem flüssig sein: Kosmetikhersteller wie Whamisa verwenden Pflanzenwasser oder Extrakte anstelle von Wasser. „Dank dieser konzentrierteren Rezeptur reichen für die tägliche Pflege der Haut viel geringere Mengen des Produkts“, sagt Ryan Park.

Wasserfreie Kosmetik – dieser Trend ist gekommen, um zu bleiben.“
Porträt von Michelle Wong

Michelle Wong

Beauty-Bloggerin

Auch wenn wasserfreie Kosmetik weniger Verpackung benötigt, ganz ohne geht es nicht. Schließlich müssen Inhaltsstoffe sauber bleiben und Zusammensetzungen lange stabil. Aus Verantwortung für die Umwelt verwenden immer mehr Hersteller Verpackungen mit hohem Recycling Anteil. Beim koreanischen Biokosmetikhersteller Whamisa setzt man unter anderem auf wiederverwertbares Papier aus Zuckerrohrzellstoff und biologisch abbaubare Oxo-Kunststofftuben sowie Verschlusskappen aus wiederverwertetem Holz. Bedruckt werden die Verpackungen mit biologisch abbaubarer Sojatinte.

Rohstoffe aus der Natur, biologisch angebaut, wasserfrei, verpackt in wiederverwertbaren oder biologisch abbaubaren Materialien – das alles beruhigt erst einmal das ökologische Gewissen der Verbraucher. Allerdings ist es nicht einfach, den Durchblick zu behalten. „Wer wirklich natürlich und nachhaltig cremen will, muss am Ende genau hinschauen“, so Bloggerin Michelle Wong.

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