Global
Produkte

Ein Dämmstoff als Designobjekt

Über die Bestimmung eines Materials hinauszugehen, bedeutet für Designer, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und Anwendungsideen außerhalb der unmittelbaren Machbarkeit zu entwickeln. Der Ideenwettbewerb zum Hochleistungsdämmstoff SLENTITE® gab 150 internationalen Studenten Raum zur Erarbeitung neuer Perspektiven.

Designer, Architekten und Innenarchitekten ticken anders als Chemiker oder Ingenieure. Ihre Sichtweise auf Materialien und Produkte ist von ganz anderen Erfordernissen geprägt. Spannend wird es, wenn ein Chemieunternehmen zukünftige Innenarchitekten und Designer zum Dialog über ein neues Produkt einlädt. Genau das hat BASF jetzt getan und gemeinsam mit der Hochschule für Technik in Stuttgart zu einem internationalen Ideenwettbewerb für das neue Hochleistungsprodukt SLENTITE® eingeladen. 

1: Professor Klaus-Peter Goebel ist Leiter des Fachbereichs Innenarchitektur an der HFT Stuttgart und gibt kreative Denkanstöße, wenn die Studenten unsicher sind oder nicht weiter wissen.
2: Startschuss für den Wettbewerb war im Hauptstandort von BASF, in Ludwigshafen.

1. Die Ausgangssituation

150 Studenten aus unterschiedlichen Ländern hatten die Gelegenheit, sich in einem Workshop mit dem Material auseinanderzusetzen, Ideen für zukünftige Anwendungen zu entwickeln und diese dreidimensional zu gestalten. Eine Woche hatten die Teilnehmer Zeit, die Besonderheiten des Polyurethans, seine Eigenschaften und die Verarbeitbarkeit hautnah zu testen und das Potenzial des Werkstoffes zu erkunden. Um die Dimension des Dämmstoffes genauer zu verstehen, gab es zum Auftakt der Veranstaltung eine ausführliche Präsentation über die Chemie und die Besonderheiten des neuartigen Aerogels. Dr. Marc Fricke, der gemeinsam mit seinem Team SLENTITE® entwickelt hat und das Gesamtprojekt derzeit in der Pilotphase leitet, stellte den Werkstoff in der BASF Designfabrik in Ludwigshafen vor. „Wir haben uns über viele Jahre mit dem Produkt beschäftigt, aber sicher noch nicht alle Anwendungsmöglichkeiten und Potenziale identifiziert“, berichtet er. „Deshalb ist es für BASF umso spannender, hier auf einer interdisziplinären Ebene neue und vielleicht auch unkonventionelle Denkanstöße zu bekommen.“ Dann lief der Countdown. Vier Tage hatten die Studenten Zeit, um in Kleingruppen zu planen, zu entwerfen und zu gestalten. Am letzten Tag der Projektwoche sollten alle Ergebnisse präsentiert und bewertet werden.

Vor den Studenten liegt eine Woche voller kreativer Höhen und Tiefen – es gilt, SLENTITE® aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Die Designfabrik in Ludwigshafen bietet ein kreatives Umfeld für den ersten Kontakt mit dem Hochleistungsdämmstoff.
Das Gespräch mit dem Chemiker Dr. Marc Fricke ermöglichte den Studenten einen ersten Einblick in die Welt der Hochleistungsdämmstoffe.

2. Die Strategie

Für die Teilnehmer war es eine intensive und harte Woche. „Wichtig für die Studenten ist es zu wissen, dass der Prozess offen ist”, betont Professor Klaus-Peter Goebel, Leiter des Fachbereichs Innenarchtiektur und Initiator des Projektes an der HFT Stuttgart. Soll heißen: Denkansätze und kreative Ideen müssen in den Kleingruppen immer wieder hinterfragt und Alternativen durchgespielt werden, um zu einem präsentablen Ergebnis zu kommen.

SLENTITE® ist ein völlig neuartiges Hochleistungsprodukt, das in wenigen Jahren auf den Markt kommt. Produziert wird es als stabile Platte, die sich wie konventionelle Materialien verarbeiten lässt. „Die Aufgabe schien am Anfang sehr schwer“, erzählt eine Studentin während des ersten Workshop-Tages. „Das Material ist völlig unbekannt, aber die Funktion ist klar definiert, wodurch traditionelle Ideen bereits vorgegeben sind.“ Gefragt waren mehr denn je Kreativität und Teamwork, denn, so Klaus-Peter Goebel: „Als Gestalter muss man auch lernen, interdisziplinär zu denken und zu kommunizieren und über anfängliche Grenzen hinausgehen.“ Um weitere Impulse zu liefern, gab es in der Mitte der Veranstaltung einen Vortrag des französischen Philosophen und Kunstkritikers Jean-Louis Poitevin, der ebenfalls mit einer Gruppe von Studenten aus Paris an dem Designprojekt teilnahm. Poitevin beleuchtete auf unterschiedlichen Ebenen den Zusammenhang von Haut und Wand und lieferte eine faszinierende Analyse, die die psychologischen, ästhetischen und ethischen Aspekte des Begriffs der Wand verdeutlichte. Viel Stoff zum Nachdenken für die Teilnehmer und eine Menge Anregungen für weitere Gestaltungsideen. Ob in der Werkstatt der Hochschule, am Zeichenbrett oder am Computer, die Studenten nutzten alle Möglichkeiten, um ihre Ideenwelt rund um SLENTITE® zu entwickeln.

1: Nachdem die Studenten SLENTITE® am Montag kennenlernen konnten, stand am Dienstag die Themenfindung im Fokus.
2: 150 Studenten aus verschiedenen Ländern nahmen an dem semesterübergreifenden Wettbewerb teil.
3: Das Hauptaugenmerk lag auf der Beschaffenheit des Materials, das im Vergleich zu herkömmlichen Dämmstoffen platzsparend eingesetzt werden kann und besonders ästhetische Raumlösungen ermöglicht.
4: In den Gruppen wurden zahlreiche Skizzen angefertigt, um darauf aufbauend Modelle zu entwickeln.

Eine wunderbare Woche geht zu Ende, die Studenten haben ihr Letztes gegeben, die Professoren gehen auf dem Zahnfleisch – so soll es sein! In der Zusammenarbeit mit BASF hat alles wunderbar funktioniert.

Klaus-Peter Goebel
Leiter des Fachbereichs Innenarchitektur an der HFT Stuttgart

3. Das Ergebnis

Die Spannung am Ende der Woche war riesengroß. Die Beteiligten arbeiteten auf Hochtouren, um die Entwürfe fristgerecht fertigzustellen und Betreuer und Gäste warteten gespannt und neugierig auf die Ergebnisse. Viel Überraschendes war dabei, witzige Ideen, interessante Gestaltungen und spannende Denkansätze. Die Vorschläge reichten von einem Fahrradanhänger, der zugleich als mobiles Heim nutzbar ist, über eine multikulturelle Bushaltestelle bis zu einer tragbaren Wärmebox. Mit Bezug zur aktuellen Flüchtlingssituation wurde SLENTITE® zudem als modulare clip+click-Einheit für Notunterkünfte vorgestellt, von den Studenten als „temporary connections“ bezeichnet. Auch auf Details wurde großer Wert gelegt. Wie lassen sich die Platten am besten verbinden? Welche optischen Möglichkeiten bietet das Material, welche Oberflächenstrukturen lassen sich andenken und wie sieht es mit der Kombination mit anderen Materialien aus? Vielleicht lassen sich die SLENTITE®-Paneele ja günstig zusammenfalten und eignen sich als leichtes, schlankes Material für Umkleidekabinen oder als tragbare Sportbox, die man selbst im Büro aufstellen kann. Interessante Möglichkeiten könnten sich durch die „zip-it“-Idee ergeben, bei der SLENTITE®-Elemente wie mit einem Reißverschluss verbunden werden und zeltartig schnell auf- und abbaubar sind. Das Rennen machten schließlich zwei Entwürfe. Das Projekt „Pentaglue“ ging besonders auf die Produkteigenschaften ein und verband fünfeckige Platten zu modernen Iglus in Pentagon-Struktur. Nutzbar als Pop-up-Store, Schutzhütte oder Ausstellungsraum. Der zweite Gewinner-Entwurf hatte das geometrische Formenspiel der Raumarchitektur noch weiter entwickelt, was in einem Entwurf mit zwei unterschiedlichen Kuppeln und Domen mündete. Dieses phantasievolle Design garantiert hohe Aufmerksamkeit bei öffentlichen Präsentationen aller Art. Rückblickend sind Teilnehmer wie Initiatoren von den Impulsen begeistert, die aus der intensiven Beschäftigung mit dem Material und dem gegenseitigen Austausch entstanden sind. Was beweist, dass es sich nicht nur lohnt, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen, sondern dass daraus ganz neue Blickwinkel entstehen können.

Teil der Aufgabe: Die Entwicklung von Ideen über den eigentlichen Zweck als Dämmstoff hinaus.
Der Wettbewerb macht es möglich, das einzigartige PU-Aerogel außerhalb seines eigentlichen Anwendungsgebietes einzusetzen.
Könnte SLENTITE® zum Bau moderner Iglus verwendet werden?
BASF war von den vielen Ideen der Studenten begeistert.


 

Dämmung trifft Design. Studenten experimentieren mit SLENTITE®

Beim Studentenwettbewerb rund um das innovative Material SLENTITE® hatten die Studenten eine Woche Zeit, ihre Ideen zu entwickeln und zu präsentieren. Klaus-Peter Goebel, Leiter des Fachbereichs Innenarchitektur an der Hochschule für Technik in Stuttgart und Initiator des Projekts, blickt auf die verschiedenen Stationen, die Entwicklungsschritte, den kreativen Prozess und die damit verbundenen Emotionen zurück.

CORPUS: Vor welcher Herausforderung standen die Studenten in der Arbeit mit SLENTITE®?

KLAUS-PETER GOEBEL: In der Beschaffenheit als Dämmstoff fordert das Material uns als Designer besonders durch seine reduzierte Aussagekraft. Darin besteht auch die Qualität des Wettbewerbs, denn das Produkt ist noch nicht auf dem Markt und es gilt, neue Lösungen oder Anwendungsgebiete zu finden und diese eben auch dreidimensional darzustellen und zu präsentieren. Man kann also sagen, dass der Weg ein Teil unseres Ziels ist.

CORPUS: Wie haben Sie den Prozess erlebt und wie konnten Sie die Studenten als Professor unterstützen?

KLAUS-PETER GOEBEL: Für uns alle ist das eine interdisziplinäre Lehreinheit, denn wir sind Designer und Gestalter, keine Chemiker. Aber das macht die Sache umso spannender – die Zusammenarbeit mit BASF verlief wunderbar. Wir Professoren fordern die Studierenden immer wieder. Es ist wirklich ein starker Prozess der Kreativität, in dem wir versuchen die Studenten zu steuern und ihnen dabei helfen, herauszufinden, wo die Reise hingehen soll. Die Fachsprache unter den interkulturellen Studenten ist Englisch – und wenn die sprachlichen Grenzen erreicht sind, zeichnen sie oder bauen ein Modell von dem, was sie meinen.

Der erste Schritt auf dem Weg zum fertigen Design: Die Studenten auf dem BASF-Gelände in Ludwigshafen.

CORPUS: Sie haben die Studenten den Wettbewerb über begleitet. Wie verlief die Woche?

KLAUS-PETER GOEBEL: Die kreative Woche, die wir jetzt hinter uns haben, hat sehr viel Spaß gemacht. Kick-off war ja in Ludwigshafen bei BASF, mit dem Vortrag von Herrn Fricke – wir nennen ihn den Erfinder, er hat unsere Gedanken geöffnet. Im Laufe der Woche gab es dann eine Zwischenpräsentation der Studenten. Hier konnten sie zeigen, wo ihr Forschungsgebiet liegt und welche Ideen sie umsetzen wollen. Gleichzeitig bedeutete der Mittwoch das Tal der Tränen, denn nun konnten die Teams auch die Themen der anderen sehen, vorher haben die Gruppen getrennt voneinander gearbeitet. Aber am Freitag bei der Abschlusspräsentation waren alle glücklich und die Gewinner freuten sich über ihr Zertifikat. Nach der Siegerehrung gab es natürlich noch eine Abschiedsparty in den Werkstätten der Universität, um die Luft nach getaner Arbeit rauszulassen und die erfolgreiche Woche gemeinsam abzuschließen.

CORPUS: Professor Goebel, wir bedanken uns für das Gespräch.

Kurzbiografie
In den 70er Jahren studierte Klaus-Peter Goebel an der Fachhochschule Kaiserslautern Innenarchitektur und Design, um sich im Anschluss von 1978 bis 1982 seinem Innenarchitekturstudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zu widmen. Mit zwei Abschlüssen in der Tasche gründete er 1982 eine Bürogemeinschaft. Seit 1997 lehrt er als Professor an Fakultät Architektur und Gestaltung der Hochschule für Technik Stuttgart und ist dort seit 2005 Studiendekan im Bachelor-Studiengang Innenarchitektur.

Vorgestellte Produkte

SLENTITE®

Wärmedämmung ist ein entscheidender Faktor, um Ressourcen zu schonen – ganz gleich ob am Gebäude oder in der Kühlkette. Denn eine gute Dämmung senkt Energiekosten und wirkt sich positiv auf die CO2-Bilanz aus. Als robuste Platte kombiniert SLENTITE® eine geringe Wärmeleitfähigkeit mit einer offenporigen Struktur – ein Dämmstoff sowohl für den Neubau als auch für die Renovierung.

Verwandte Artikel

Ideas and solutions

SLENTITE® im Einsatz: Altbauvilla mit neuem Wohnkomfort

Energetische Altbausanierung ohne den Verlust denkmalgeschützter Raumelemente? Was der Einsatz des Hochleistungsdämmstoffs SLENTITE® möglich macht, zeigt das aktuelle Praxisbeispiel einer Hamburger Altbauvilla. CORPUS begleitet die Sanierungs- und Renovierungsarbeiten.

Ideas and solutions

Ein 360°-Blick auf das Wohnen von morgen

Unsere Städte wachsen kontinuierlich. 2050 werden sie zwei Drittel der Weltbevölkerung beheimaten. Vielerorts herrscht ein regelrechter Bauboom. Wir bauen unsere Zukunft. Welche Trends zeichnen sich in dieser Entwicklung ab? Gibt es Materialien, die die Visionen von heute für das Bauen von morgen ermöglichen? Bestandsaufnahme in 360°.

Ideas and solutions

Solid air

Nach vielen Jahren der Forschung hat BASF eine neue Chemie des Dämmens entwickelt: SLENTITE® ist ein Hochleistungsdämmstoff auf Basis eines organischen Aerogels, der aus 90 Prozent Luft besteht. CORPUS hat den Chemiker und Entwickler Dr. Marc Fricke von Beginn an begleitet.