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Geschichte

1865 - 1885

Am Anfang war die Farbe

Im Jahre 1897 konnte das aufstrebende Handelshaus Jebsen & Co. einen großen Erfolg für sich verbuchen. Es war gerade zwei Jahre her, dass die Vettern zweiten Grades Jacob Jebsen und Heinrich Jessen in Hongkong ihre gemeinsame Firma gegründet hatten.

Werksansicht der BASF in Ludwigshafen im Jahr 1881 auf einem Gemälde von Robert Friedrich Stieler (1847–1908). 16 Jahre nach seiner Gründung erwirtschaftete das Unternehmen bereits einen Umsatz von knapp 18 Millionen Reichsmark. (Foto: BASF-Archiv)

60.000 Goldmark aus eigenem und geliehenem Kapital waren von ihnen investiert worden. Beide stammten aus alteingesessenen Seefahrerfamilien, ihre Vorfahren waren Kapitäne, Reeder und Schiffseigner aus der Stadt Apenrade, die zum Zeitpunkt der Firmengründung im Deutschen Reich in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein lag. Jacob Jebsen war 27, sein Vetter Heinrich 32 Jahre alt, als es ihnen gelang, sich die Vertretung der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik für Hongkong und Südchina zu sichern.

Die Partnerschaft zwischen der BASF und Jebsen & Co. sollte über 80 Jahre dauern und beiden Seiten Gewinn bringen.

Das Vertretungsgebiet von Jebsen & Co. umfasste ganz Südchina, einschließlich der Provinz 云南Yunnan; der nördlichste Handelsplatz war Amoy (厦门Xiamen) in der Provinz 福建Fujian. Um den Vertrieb der BASF-Erzeugnisse, vor allem Anilinfarben, anzukurbeln, war der Aufbau einer Absatzorganisation notwendig. Für den chinesischen Markt musste das Geschäftsmodell allerdings angepasst werden: Kauften französische, britische, nordamerikanische oder deutsche Textilverarbeiter BASF-Farbstoffe in größeren Chargen, stand im agrarisch geprägten China der Kleinmengenverkauf im Mittelpunkt.

Hauptabnehmer waren kleine Färbereibetriebe und Papiermanufakturen; größere Textilfabriken gab es in Südchina seinerzeit noch nicht. Es war ein mühsames Geschäft, die Ware aus Ludwigshafen an Klein- und Kleinstverbraucher auch in abgelegenen und schwer erreichbaren Orten zu bringen. Die BASF-Farbstoffe wurden in Südchina fast ausschließlich in Kleinpackungen angeboten. Die Lieferung der Farbstoffe erfolgte in Kisten, die Dosen enthielten.

Aus diesen Dosen heraus verkaufte der chinesische Händler den Farbstoff löffelweise, und der Käufer nahm das Pigmentpulver dann säuberlich in Bambuspapier verpackt mit nach Hause. Die ungeheure Vielzahl dieser kleinen Verbraucher führte aber insgesamt zu einem hohen Absatz.

Die Präsentation der neuen Produkte spielte eine zentrale Rolle. Etiketten mussten bunt sein und für Aufmerksamkeit sorgen. Die Käufer, viele davon leseunkundig, sollten ihre bevorzugte Produkt-Marke mit Hilfe von Farben und Symbolen wiedererkennen.

Insgesamt gewann das Geschäft mit China nach der Jahrhundertwende deutlich an Dynamik. Hatte der Umsatz mit dem asiatischen Land 1904 einen Anteil von 5,6 Prozent am Gesamtumsatz der BASF in Höhe von gut 51 Millionen Mark, stieg dieser Wert bis zum Jahr 1913 auf rund 14 Prozent des BASF-Umsatzes von knapp 120 Millionen Mark. Synthetisches Indigo aus Ludwigshafen hatte daran einen wichtigen Anteil.

„Es gibt kein Land der Erde, das überhaupt Anspruch auf Kultur machen kann, in welchem nicht ein Verkäufer sich befindet, der die Erzeugnisse der Fabrik anbietet.“

Lothar Brunck, 1923
BASF-Vorstandsmitglied