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Ludwigshafen

Porträt Trickster Orchestra

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Trickster Orchestra ©Silke Weinsheimer 

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Amphiphilie ©Diesner

Porträt Trickster Orchestra

Das Spiel mit Identitäten ist die Spezialität von sogenannten Trickstern – mythologischen Gestaltenwechslern, die in vielen Kulturen überliefert sind. Sie missachten konventionelle Regeln, stören die universelle Ordnung und bewirken eben dadurch sozialen Wandel. In diesem Sinne forschet das Trickster Orchestra nach einer neuen Klangsprache und spürt der Frage nach wie eine zeitgenössische Musik klingen könnte, die der Diversität der Gesellschaft gerecht wird.

Mit einer großen Lust am Unbekannten vereint das Berliner Ensemble, das mit herausragenden Solistinnen und Solisten aus verschiedensten musikalischen Welten extrem divers besetzt ist und in stetig wechselnden Besetzungen auftritt, europäische, west-, zentral- und ostasiatische Einflüsse mit Improvisation und Elektronik zu einer transtraditionellen Musik.

„Bei der Arbeit mit diesem Orchester treten Ketan und ich aus unserer musikalischen Komfortzone heraus – wir probieren Neues aus, gehen Wege, die es noch zu entdecken gilt“, sagt Cymin Samawatie, in Braunschweig als Tochter iranischer Einwanderer geborene Coleiterin des Orchesters. „Das sind zwanzig Welten, die hier aufeinandertreffen, weil zwanzig Persönlichkeiten zusammenkommen. Ich habe auch schon R'n’B gemacht und Blues und Gospel und lateinamerikanische Musik – ich liebe die Musik grundsätzlich.“

Gerade aus den so unterschiedlichen Biografien der Musikerinnen und Musiker ergeben sich immer wieder neue spannende Kombinationen, die ihre Energie sowohl aus unerwarteten Gemeinsamkeiten, aber auch aus offensichtlichen Reibungsflächen schöpfen. Es geht jedoch nicht darum, „die verschiedenen Traditionen gegenseitig auszustellen, sondern in der Interaktion eine gemeinsame neue Sprache zu finden“, so Samawatie. Das Ergebnis ist ein aus vielen Kulturen gespeistes, horizonterweiterndes Klangerlebnis, das sich fernab von Exotismus und althergebrachter Klischees jedem traditionellen Genrebegriff entzieht.

Zum Auftakt seiner einwöchigen Residenz in Ludwigshafen stellt sich das Trickster Orchestra in einem Porträtkonzert vor. Das Programm beinhaltet einerseits Werke aus dem von der Fachpresse gefeierten ECM-Debütalbum, dem die Wochenzeitung DIE ZEIT „eine funkelnde Beschwörungskraft“ zuschrieb, „die ihresgleichen sucht“. Das Publikum erwartet aber auch eine echte Premiere. Mit dem Stück „Absorption“ präsentiert das Kollektiv ein neues Werk mit Tönen, Stimmen, Videoaufnahmen und Field-Recordings aus der Rhein-Neckar-Region – eine multimediale Landschaft, in der das Trickster Orchestra klanglich mit Ludwigshafener Orten und Communities verschmilzt. 

 

„Wie geht das neue WIR?“, lautet in der Saison 2022/23 die Fragestellung von Tor 4, mit der sich Kreative verschiedener Kunstsparten auseinandersetzen. In einer experimentellen Podiumsdiskussion, angesiedelt zwischen Gespräch und Soundperformance erkunden Künstlerinnen und Künstler, die sich an der aktuellen Tor 4-Ausschreibung beteiligt haben, gemeinsam mit Mitgliedern des Trickster Orchestra Wege, Formen und Wesen dieses neuen Wir. Die „Limitinage“ bewegt sich im Grenzbereich zwischen gesprochenem Wort und Musik, mal lautstark, mal ganz ohne Worte. Im Anschluss lädt Cymin Samawatie zu einem konzertanten Ausklang ein und präsentiert mit dem nach ihr benannten Quartett Cyminology eine berührende Synthese aus persischer Lyrik und kammermusikalischen Jazz.

Zum Finale seiner Residenz vereint sich das Trickster Orchestra mit Musikerinnen und Musikern aus verschiedenen Ensembles der Region. Im Mittelpunkt des Abschlusskonzerts steht die Uraufführung des gemeinsam erarbeiteten Auftragswerks „Amphiphilie“. Der Eigenschaft amphiphiler Substanzen folgend, sowohl wasserliebend als auch fettliebend zu sein, lösen sich in diesem Stück bekannte Ensembles, Genres und Stilistiken in einem neuen Gesamtklang aus Improvisation und kollektiver Komposition auf.

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