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Ludwigshafen

Interview mit Peter Bernstein

"Den Instinkt kultivieren"

Das Enjoy Jazz Festival ist ein langjähriger Kooperationspartner des BASF-Konzertprogramms. Hochkarätige Stars der Jazzszene aus aller Welt kamen anlässlich des Festivals nach Ludwigshafen. So auch der Gitarrist Peter Bernstein, der im November im BASF-Gesellschaftshaus spielen wird. Ariadne Daphne Chalkias und Klaus Gasteiger haben vorab mit ihm gesprochen.

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Peter Bernstein ©Jimmy Katz

PETER BERNSTEIN, DEIN NEUES ALBUM "WHAT COMES NEXT" ERSCHIEN VERGANGENES JAHR IM OKTOBER. WAS HAT DICH INMITTEN DER CORONA-KRISE DAZU INSPIRIERT?

Im Juni 2020 durften Studios in New York City wahrend der Pandemie kurzzeitig wieder öffnen und Paul Stache von "Smoke Session Records" kam auf mich zu und fragte, ob ich nicht auch Lust auf eine Session hätte. Natürlich habe ich die Chance gleich ergriffen, um meine musikalischen Ideen aus den ersten Monaten der Pandemie umzusetzen. Mir war es wichtig, meine neuen Kompositionen aufzunehmen. Das mag vielleicht vermessen klingen, aber die waren so frisch, die wollte ich bei der erstbesten Gelegenheit festhalten.


WARUM STEHT DER ALBUMTITEL "WHAT COMES NEXT" OHNE FRAGEZEICHEN?

Wenn man den Titel nicht als Frage, sondern als Aussage auffasst, tritt die breitgefächerte Sinnhaftigkeit des Satzes hervor und öffnet damit unterschiedliche Interpretationsansätze. In meinen Augen können wir "What comes next" nicht kontrollieren, denn in seiner Bedeutung kommt das Nächste auf UNS zu. Deshalb richten wir unsere Entscheidungen darauf aus, ob aus individueller oder kollektiver Motivation. Oder einfacher gesagt: Unsere Rollen in "What comes next" werden im Grunde davon bestimmt, was unsere Entscheidungen fur unsere Umwelt bedeuten.


WAR DAS KOMPONIEREN IM LOCKDOWN ANDERS ALS FRÜHER, DA DU WENIGER MIT KOLLEGEN UNTERWEGS UND AUF TOUR WARST?

Um ehrlich zu sein, arbeite ich meistens allein an meinen Ideen. Normalerweise teile ich die allerdings recht schnell mit meinen Bandkollegen, und wir kommen ins Gespräch. Letztes Jahr hatte ich viel Leerlauf, um mich bewusst mit meinen Entscheidungsprozessen auseinanderzusetzen: Was kann ich dem Song hinzufügen, was will ich der Interpretation meiner Band überlassen? Ziel ist es, dass die Melodie ihre eigene charakteristische Note beibehält und sich dennoch den unterschiedlichen Spielweisen verschiedener Musiker anpasst. Das ist die Balance, die ich in meinen Kompositionen suche.


AUF DEM ALBUM SPIELST DU MIT CALYPSO "NEWARK NEWS" AUCH EINEN BISHER UNVERÖFFENTLICHTEN TITEL VON SONNY ROLLINS. DU DURFTEST  IHN PERSÖNLICH KENNENLERNEN …

Ja, ganz genau, ich habe 2011 mit ihm spielen dürfen, darunter war auch ein Gig in Ludwigshafen. Zu der Zeit suchten wir nach einem neuen Drummer. Das Auswahlverfahren lief, bis der Drummer mittendrin fragte, ob er die Snare Drum offen oder geschlossen lassen solle. Rollins hat eine sehr lange Pause gemacht, überlegt und schließlich geantwortet: "Das weis ich nicht! DU bist hier, um Entscheidungen zu treffen und diese durchzuziehen. Wenn sich deine Entscheidung gut anfühlt, dann ist sie auch gut für die Musik." Wenn ihr mich fragt, kann man als Musiker in keiner besseren, privilegierteren Situation sein, als selbst beim kreativen Entstehungsprozess mitwirken zu können. Im Jazz Entscheidungen zu treffen bedeutet, dass man einen Instinkt kultiviert, der auf Erfahrungen basiert. Das war für mich ein augenöffnender Moment.

Preiskategorie K: Karten zu 26 Euro sind nur im Webshop erhältlich.

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