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Material Standortfaktoren

Von der Gründung der BASF bis zur Globalisierung

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BASF - Gründung und Standortwahl

Friedrich Engelhorn, der Gründer der BASF, betrieb seit 1848 eine Leuchtgasfabrik. Dabei entstand Teer als Abfall. Der Engländer William Henry Perkin hatte gezeigt, wie aus Teer „Anilinfarben“, also künstlich hergestellte organische Farbstoffe, hergestellt werden können. Der Wunsch, solche Farben für die Textilindustrie herzustellen, bewog Friedrich Engelhorn, die BASF zu gründen.

Engelhorn war Mannheimer Bürger und gründete die Firma in seinem Heimatort, damals Teil des Großherzogtums Baden. Dies ist auch im Gründungsnamen „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“ ausgedrückt. Dass die BASF dann allerdings sogleich ans andere Rheinufer in die bayerische Rheinpfalz wechselte, hing mit einem „harten“ Standortfaktor zusammen: Mannheim wollte die neue Fabrik nicht. Furcht vor Konkurrenz und Schmutz veranlasste Mannheim, kein Fabrikgelände auszuweisen. In Ludwigshafen fand sich dagegen eine geeignete Fläche, die groß genug war, die für die Farbenproduktion notwendigen Fabriken und Lagergebäude zu beherbergen. Bahnanschluss und Schifffahrt waren weitere Argumente, die für den Standort in Ludwigshafen sprachen.

Auf der linksrheinischen, rheinpfälzischen Seite (sie gehörte seinerzeit zum Königreich Bayern) war die Bereitschaft groß, eine Industrieansiedlung zu genehmigen, wie dem königlich-bayerischen Gründungsschreiben vom 27. April 1865 zu entnehmen ist. Der bayerische König Maximilian II. galt als ein an Naturwissenschaften interessierter Monarch.

Schutz der Forschung

Zu Beginn der Industrialisierung war die Meinung weit verbreitet, dass Patente den Wohlstand gefährden. Es gab daher keinen Patentschutz im Deutschen Reich, was es Friedrich Engelhorn erlaubte, die technischen Entwicklungen von Henry Perkin (er entdeckte 1856 den Farbstoff Mauvein) in seiner Heimatstadt umzusetzen. 1877, im gleichen Jahr, als das deutsche Patentgesetz verabschiedet wurde, erhielt die BASF das erste deutsche Patent für einen Teerfarbstoff (Methylenblau).

Global statt lokal 

Die Standortbedingungen haben sich verändert – heute sieht die Suche nach einem geeigneten Standort ganz anders aus als im 19. Jahrhundert. Wachstum und Globalisierung rücken neue Marktfaktoren ins Blickfeld: Nähe zu den Kunden, die Suche nach den „besten Köpfen“, Umweltbewusstsein, Produktionskosten und staatliche Subventionen werden entscheidende Marktfaktoren.

Kontinuierlich ändern und erweitern Unternehmen strategisch ihre Produktpalette, um Abhängigkeiten zu minimieren und auf kurzfristige Konjunkturschwankungen flexibel reagieren zu können. Auch die möglichen Standorte für die Niederlassung eines Unternehmens sind nahezu unerschöpflich – und es stellt sich die Frage: in Deutschland bleiben, nach Asien gehen oder nach Südamerika? Wie hat sich die BASF an diese neuen Bedingungen angepasst?  

Strategischer Ausbau: von Ludwigshafen in die Welt

In den 60er Jahren entwickelte sich die BASF zu einem transnationalen Unternehmen, und zwar durch Akquisitionen, die Erweiterung vorhandener Produktionsstätten zu großen (Verbund-)Standorten und die Planung neuer Werke. Schwerpunkte waren Europa, die USA, Lateinamerika und Ostasien. Heute betreibt die BASF etwa 380 Produktionsstandorte weltweit. Auch die Produktpalette der BASF hat sich erweitert: von Öl und Gas, über Chemikalien und Kunststoffe bis hin zu Spezialitäten, wie etwa Pflanzenschutzmittel. Die Kunden und Partner der BASF finden sich in fast allen Ländern der Welt – trotzdem wird etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes immer noch in Europa erzielt.

Verbund 

Durch ihren sogenannten Verbund kann die BASF Ressourcen effizient nutzen. Was bedeutet das?

An großen Standorten sind die Produktionsanlagen eng miteinander verknüpft. Dadurch können zum Beispiel die Nebenprodukte eines Fabrikationsbetriebes einem anderen Betrieb als Einsatzstoff dienen. Damit muss die BASF diese Stoffe nicht mehr zukaufen, sie spart Energie, minimiert Emissionen, senkt die Logistikkosten und nutzt Synergien in der Infrastruktur. Die BASF betreibt insgesamt sechs Verbundstandorte. Dieser weltweite Produktionsverbund bildet die Grundlage, um in allen Regionen wettbewerbsfähig sein zu können.

Die Verfügbarkeit von Rohstoffen 

Jede weiterverarbeitende Industrie benötigt Rohstoffe, aus denen die gewünschten Produkte, aber auch Fabrikbauten und Maschinen hergestellt werden können. In der Frühzeit der BASF waren dies Kohle und Wasser.

Schwarze Kohle und blauer Indigo

Kohle wurde nicht nur zum Betreiben von Dampfmaschinen, sondern vor allem auch als Ausgangsstoff für die Farbenproduktion eingesetzt. Aus der Kohle wurde durch Kohlevergasung Stadtgas für die Beleuchtung von Mannheim gewonnen. Einer der dabei entstehenden Abfallstoffe war Teer, dessen Bestandteil Anilin wiederum Voraussetzung für die Herstellung der Anilinfarben (Teerfarben) war. Indigo ist solch ein Anilinfarbstoff. Indigo liefert einen Farbton, der auch als „Königsblau“ bekannt ist und ab 1897 von der BASF kommerziell produziert wurde. Durch die Möglichkeit der synthetischen Herstellung gingen gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Importe natürlichen Indigos zurück, bis sie letztlich bedeutungslos wurden. Der Export synthetischen Indigos nahm gleichzeitig zu.

Ein ,,Comeback" erlebte der Indigo, als ein zwanzigjähriger Kaufmann aus Bayern, Levi Strauss, nach San Francisco auswanderte, um für die Goldgräber strapazierfähige Kleidung zu entwickeln, die mit Indigo gefärbt wurden. Der Name dieser Kleidung ist allseits bekannt – es handelt sich um die heute vielgeschätzte Jeans. Ende der 70er Jahre setzte ein regelrechter Jeansboom ein; mit dem Tragen der Jeans wurde eine moderne Lebensart ausgedrückt. Heute ist die Bedeutung von Indigo nicht mehr ganz so hoch, da er hauptsächlich nur noch zum Färben von Jeans verwendet wird.

Wasser in der Produktion

Wasser war als Rohstoff für die Farbenproduktion ebenfalls von großer Bedeutung, da viele Farben in großen Holzbottichen in Wasser angerührt wurden. Von der Bedeutung des Wassers für die Färberei zeugt das hier abgebildete Warenetikett, mit dem in der Gründungszeit BASF-Lieferungen versehen wurden.

Sicherer Zugang zu Rohstoffen und Energie 

Ohne Energie keine Produktion. Zur Absicherung der Energieversorgung baute die BASF am Standort Ludwigshafen 1913 ein erstes eigenes Kohlekraftwerk. Die Chemieproduktion ist zunehmend von Erdgas und Erdöl abhängig. Der Erwerb der Wintershall AG im Jahr 1969 sicherte der BASF den Zugang zu wichtigen petrochemischen Grundstoffen. Daneben garantierte er eine Absicherung gegen Preisschwankungen auf dem Rohstoffmarkt.

Energieerzeugung bei der BASF heute

Um ihre Produktionsstandorte mit Energie zu versorgen, setzt die BASF auf Gas- und Dampfturbinen (GuD) in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Rund 75 % des Strombedarfs der BASF werden auf diese Weise gedeckt. Durch die umweltfreundliche Technologie der Kraft-Wärme-Kopplung spart die BASF weltweit jährlich fast 1 Million Tonnen Rohöläquivalent ein, was die Umwelt um rund 2,2 Millionen Tonnen CO2 entlastet.

Für ihre Energieversorgung setzt die BASF auf einen nachhaltigen Einsatz konventioneller Energieträger. Davon nimmt das emissionsarme Erdgas mit 85 % den Hauptanteil ein. BASF prüft auch den Einsatz erneuerbarer Energien. Sie werden erst dann einen relevanten Anteil an ihrem Energiemix einnehmen, wenn sie im Hinblick auf Kosten und Versorgungssicherheit wettbewerbsfähig sind.

Bei der Auswahl von Rohstoffen identifiziert das Unternehmen die jeweils besten Ressourcen in Bezug auf Nachhaltigkeit, um diese so effizient wie möglich einzusetzen. So ersetzt BASF bei einigen Anwendungen fossile durch nachwachsende Rohstoffe, wenn sie ökologisch und ökonomisch Vorteile bieten.

Rohstoffe der chemischen Industrie

Wenige Rohstoffe, wie Erdgas, Erdöl, Erze und Mineralien, werden in der BASF zu etwa 200 wichtigen Grund- und Zwischenprodukten höherveredelt. Diese sogenannten „Unsterblichen“ der Chemie bilden die Basis der rund 8.000 Verkaufsprodukte der BASF. Die Produktpalette ist demnach vergleichbar mit einem Baum, aus dessen Stamm sich Äste und Zweige entwickeln, dem „Chemis-tree“.

Infrastruktur und Transportwege

Für den Transport großer Gütermengen in der Frühzeit der Industrialisierung kamen Schienen- und Wasserwege in Betracht. Die Verbesserung der Dampfmaschine durch James Watt im Jahr 1769 erlaubte den Einsatz von mit Kohle betriebenen Schiffen und Lokomotiven.

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So waren für den Transport der Rohstoffe und fertigen Produkte Wasser und Schiene auch Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ansiedlung der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik. Das Bild aus der Gründungszeit der BASF (1866) bietet einen Blick vom Rhein nach Westen hinüber zu den Hängen der Haardt und dem Donnersberg (Pfälzer Wald). Es zeigt, dass schon für die ersten Fabrikationsanlagen an eine Anbindung an Rheinschifffahrt und Eisenbahn gedacht worden war.

Die Schiffbarmachung des Rheins und der Bau einer Eisenbahnlinie in der bayerischen Rheinpfalz (Pfälzische Ludwigsbahn) lagen folglich vor der Gründung der BASF.

Die für die BASF maßgebliche Eisenbahnlinie begann in der damaligen bayerisch-preußischen Grenzstadt Bexbach (heute Saarland) und endete an dem der Stadt Mannheim gegenüberliegenden Rheinufer, der sogenannten Rheinschanze (heute Stadt Ludwigshafen). Sie wurde unter der Leitung von Paul Camille von Denis ab 1845 gebaut und diente vor allem als Transportmittel für Saarkohle. Benannt wurde die Strecke nach dem bayerischen König Ludwig. Nach ihm wurde 1865 die „Rheinschanze” in Ludwigshafen umbenannt. Mit den Jahren siedelten sich auch viele Mitarbeiter der BASF in den Ortschaften entlang der Eisenbahnlinie an.

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Die Schiffbarmachung des Rheins und seiner großen Nebenflüsse 

Die Rheinbegradigung (Friesenheimer Durchstich), an der später die BASF angesiedelt wurde, wurde im Jahr 1826 begonnen und 1862 beendet. Auf der Zeichnung ist der Bogen des Altrheins zu erkennen, die sogenannte Friesenheimer Insel. Der Name erinnert daran, dass das Gelände vor der Rheinbegradigung zu Friesenheim gehörte. Friesenheim ist heute ein Stadtteil von Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz), die Friesenheimer Insel dagegen ist Teil der Stadt Mannheim (Baden-Württemberg). Von Südosten her fließt der Neckar heran. Er mündet gegenüber dem BASF-Werk in den Rhein. Die BASF erstreckt sich auf einer Länge von fast sechs Kilometern am Westufer des Rheins entlang. Am nördlichen Ende des BASF-Werksgeländes liegt der Nordhafen. Der Hauptteil der BASF-Anlagen befindet sich links des Rheins. Auf der Friesenheimer Insel sind nur wenige BASF-Anlagen angesiedelt. Diese sind mit dem Ludwigshafener Stammwerk durch unter dem Fluss durchführende Düker-Leitungen verbunden.

Infrastruktur und Transportwege heute

Ein wichtiger Faktor der Infrastruktur sind heute zum einen die Erschließung und Förderung von Energiequellen, zum anderen das Nutzbarmachen schneller und effizienter Transportwege. Drei ausgewählte Beispiele aus Deutschland zeigen, wie die BASF mit den neuen Voraussetzungen und Herausforderungen heutiger Infrastrukturfragen umgeht.

Ostsee-Pipeline

Der Bau einer neuen Erdgaspipeline durch die Ostsee ist derzeit in vollem Gange. Die Pipeline „Nord Stream“ wird Russland und die Europäische Union durch die Ostsee verbinden, um Unternehmen und Privathaushalte zukünftig mit Erdgas zu versorgen. Die neue Pipeline nimmt damit eine wichtige Rolle bei der Sicherung der europäischen Energieversorgung ein. In der Nord Stream AG haben sich fünf Unternehmen zusammengeschlossen, darunter die BASF SE mit ihrer Tochter Wintershall Holding GmbH.

Die Nord-Stream-Pipeline wird aus zwei jeweils etwa 1.220 Kilometer langen, parallelen Pipelinesträngen bestehen. Der erste Strang wird Ende 2011 fertiggestellt und mit einer Transportkapazität von rund 27,5 Milliarden Kubikmetern Erdgas pro Jahr in Betrieb gehen. Wenn der zweite Pipelinestrang fertiggestellt ist, können rechnerisch mehr als 25 Millionen europäische Haushalte mit Energie versorgt werden.

Landeshafen Nord

Mit Zunahme des Schiffsverkehrs wurden Umschlag- und Liegeplätze am Rhein knapp. Mit dem Bau des BASF-Landeshafens Nord wurde der Warenumschlag in ruhiges Hafengewässer gelegt. Er ist bereits seit Mitte der achtziger Jahre in Ludwigshafen Umschlagplatz für brennbare Flüssigkeiten wie Naphtha, Methanol und unter Druck verflüssigte Gase. Jährlich legen hier rund 2.500 Tankschiffe an, und es werden annähernd 2,8 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen.

Für den BASF-Standort Ludwigshafen ist dieser Hafen von zentraler Bedeutung: Insgesamt wickelt das Unternehmen rund 42 % des Gesamtumschlags über Binnenschiffe ab. Der Hafen dient der BASF hauptsächlich zur Rohstoffversorgung: Rund 88 % der Umschlagmenge sind Einsatzstoffe, die von Schiffen angeliefert werden. Insgesamt sind im Landeshafen Nord rund 20 Mitarbeiter beschäftigt. Der Hafen ist für zwölf Schiffsumschlagplätze ausgelegt, von denen derzeit sieben ausgebaut sind.

Kombiverkehrsterminal

Von der Straße auf die Schiene und umgekehrt – das Kombiverkehrsterminal der BASF ermöglicht es, die Transportmittel Lkw und Bahn umweltschonend und kostengünstig zu verknüpfen. Denn die BASF braucht gute Transportverbindungen zu ihren Kunden, zum Beispiel nach Italien, Frankreich und in die stark wachsenden Märkte Osteuropas.

Durch das Kombiverkehrsterminal können mehr und mehr Güter auf die Schiene verlagert werden – und die Innenstädte von Ludwigshafen und Mannheim werden jährlich um 81.000 Lkw-Durchfahrten (BASF-Anteil) entlastet. Dadurch reduziert sich der Kohlendioxidausstoß auf Grund von Abgasen um etwa 30.000 Tonnen (BASF-Anteil) pro Jahr. Das seit dem Jahr 2000 bestehende Terminal im Norden des Werks wurde ab Mai 2010 erweitert.

Arbeitskräftepotenzial 

Vor den Bismarck’schen Sozialgesetzen waren soziale Leistungen (medizinische Versorgung und Erholung, Wohnmöglichkeiten, Kultur- und Freizeitangebote) vor allem für die Arbeiterschaft nicht gegeben, so dass expandierende Unternehmen darauf angewiesen waren, das Heft selbst in die Hand zu nehmen, um Arbeitskräfte dauerhaft an sich zu binden und möglicher Streikbereitschaft aus dem Weg zu gehen. So stieg die Zahl der BASF-Mitarbeiter von rund 30 im Gründungsjahr 1865 auf über 10.000 im Jahr 1913.

Viele Arbeiter wollten nur im Winter in der Fabrik arbeiten. Im Sommer zog es sie wieder aufs Land zurück. Um dieser Fluktuation abzuhelfen, baute BASF Werkswohnungen und behielt diese Maßnahme über viele Jahrzehnte bei. Vier Mietparteien fanden in einem der Häuser Platz (Bild von 1880). Gebaut wurden die Siedlungen dicht an das Werksgelände. Bedenkt man, dass die durchschnittliche Familie damals aus vier Personen bestand, vielleicht noch ein weiterer Verwandter mit in der Wohnung lebte und um das Haus herum Nutztiere gehalten wurden, lässt sich ausmalen, wie eng und lebendig es in den Häusern zuging.  

Da mit den Jahren neuer Bauplatz um die BASF herum (Hemshof) unerschwinglich wurde, wurden neue Werkswohnungen an der Bahnlinie (Pfälzische Ludwigsbahn) in Limburgerhof gebaut. Später folgte dort auch der Bau der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt der BASF, die ebenfalls viel Fläche benötigte. Viele der ersten Werkswohnungen der BASF wurden im Laufe der Jahre modernisiert und werden heute noch bewohnt.  

Neben dem Bau von Werkswohnungen hatten Gesundheitsfürsorge und Arbeitsschutz Priorität. Das Bild zeigt die Freiluftterrasse (Liegehalle) des BASF-Erholungshauses in der Donnersberg-Gemeinde Dannenfels im Jahre 1916. Auf der Ansichtskarte ist die Freiluftterrasse noch sehr gut zu erkennen. Zu dieser Zeit wurde die Einrichtung allerdings nicht mehr zu Erholungs-, sondern zu Studienzwecken genutzt.

Gesellschaftshaus und Feierabendhaus – in Werksnähe errichtet – dienten dem Kultur- und Freizeitangebot. Das Gesellschaftshaus (auch Casino der BASF genannt) enthielt mehrere Restaurants der gehobenen Klasse. Nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut, dient es nach wie vor seinem ursprünglichen Zweck als Restaurant für Geschäftsessen und Ort festlicher Gastronomie.  

Im Feierabendhaus war mit seinem 600 Personen fassenden Festsaal die Aufführung von Konzerten möglich. Lange wurde das Haus auch für die jährlich stattfindende BASF-Hauptversammlung genutzt.  

Daneben wurde die materielle Absicherung gegen die Folgen von Alter, Krankheit und Invalidität durch die Einrichtung von Fonds und Versicherungen verbessert. Im Jahr 1871 eröffnete die BASF einen Arbeiterpensionsfonds, 1875 eine Krankenunterstützungskasse. Nach Inkrafttreten der Bismarck’schen Sozialgesetze wurden diese Einrichtungen 1884 in eine Betriebskrankenkasse und 1888 in eine Pensionskasse umgewandelt, die beide von den Versicherten verwaltet wurden.

Arbeitskräftepotenial im 21. Jahrhundert

Die Bedeutung des Standortfaktors „Arbeitskräftepotenzial“ hat sich ebenfalls gewandelt. Standen früher Gesundheitsfürsorge und Arbeitsschutz im Mittelpunkt, gelten diese Faktoren für die Mitarbeiter heute als selbstverständlich, und es werden zusätzliche Ansprüche an das Unternehmen gestellt: Der Arbeitgeber muss gesellschaftliche und ökologische Verantwortung zeigen und seinen Mitarbeitern Anreize in Form von Arbeitszeitmodellen und anderem bieten. Auch für die BASF haben ihre Mitarbeiter oberste Priorität.

Die unten stehende Grafik zeigt die Entwicklung der Mitarbeiterzahl von 1865 bis nach der Jahrtausendwende.

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Corporate Social Responsibility

Für die BASF ist nicht nur der wirtschaftliche Erfolg wichtig, sondern sie setzt sich auch für Umweltschutz und soziale Themen in der Gesellschaft ein. Dieses Engagement bzw. diese Verpflichtung, die sich das Unternehmen selbst auferlegt, wird unter dem Begriff Nachhaltigkeit zusammengefasst.

Darunter fallen zum Beispiel Spenden nach Naturkatastrophen. In der langfristigen Wiederaufbauhilfe unterstützt die Sozialstiftung der BASF derzeit ein Hilfsprojekt für Flutopfer in Indien und Nepal sowie ein Großprojekt auf den Philippinen. Ein weiteres Beispiel ist die Förderung von Bildungsprojekten in der Nachbarschaft, zum Beispiel die „Offensive Bildung“, bei der die BASF insgesamt über 15.000 Kinder und etwa 1.200 pädagogische Fachkräfte in der Metropolregion Rhein-Neckar fördert.

Im Bereich Umwelt arbeitet die BASF ständig daran, den Ausstoß von Treibhausgasen in der Produktion zu senken. Dazu hat sie sich zum Beispiel zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die Emissionen von Treibhausgasen pro Tonne Verkaufsprodukt um 25 % gegenüber dem Jahr 2002 zu senken. Am Standort Antwerpen hat die BASF ein neues Konzept zur effizienteren Wasserversorgung erarbeitet.

Global Compact

Die BASF engagiert sich auch international und nimmt an der Initiative „Global Compact“ teil, die vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan gegründet wurde. Hier arbeiten Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen, internationale Wirtschafts- und Arbeitnehmervertretungen sowie Wissenschaft und Politik zusammen. Das Ziel: eine Weltwirtschaft, die nachhaltig ist. Dazu gehören Prinzipien wie der Schutz der Menschenrechte, der Einsatz gegen Korruption, Kinderarbeit und andere Formen der Zwangsarbeit oder auch die Beseitigung von Diskriminierung im Beruf.

Diversity

Die BASF setzt auf die Vielfalt ihrer Mitarbeiter. Diversity (Vielfalt) bedeutet für BASF, die unterschiedlichen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter wertzuschätzen, zu fördern und vorteilhaft einzusetzen. Daher sieht das Unternehmen Mitarbeiter mit unterschiedlicher sozialer und fachlicher Kompetenz sowie verschiedenen kulturellen Hintergründen als Bereicherung und Chance. Eine vielfältige Belegschaft hilft außerdem auch, auf veränderte Märkte eingehen und neue Kunden erreichen zu können. Als Arbeitgeber setzt sich die BASF ebenfalls für die Chancengleichheit aller Mitarbeiter und die Gleichstellung von Frauen und Männern ein.

Plus-Aktienprogramm

Ein weiterer Anreiz für die BASF-Mitarbeiter: das Plus-Aktienprogramm. Darunter versteht man ein Kapitalbeteiligungsprogramm für Mitarbeiter. BASF-Mitarbeiter können dabei sogenannte Incentive-Aktien erwerben. Das sind Aktien, welche die Mitarbeiter kostenlos erhalten, wenn sie weitere BASF-Aktien über einen längeren Zeitraum hinweg halten. Das Programm macht die BASF zu einem attraktiven Arbeitgeber, denn: Es kommt den Mitarbeitern für ihr privates Vermögen zugute, und im Gegenzug ist es im Sinne der BASF, die Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden. So entwickeln die Mitarbeiter auch ein Interesse am Erfolg „ihres“ Unternehmens und an dessen Weiterentwicklung.

Letzte Aktualisierung 28. November 2019