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Offensive Bildung

Erzählwerkstatt

Mit „Erzählwerkstatt“ findet eine alte, neu entdeckte Kulturtechnik Eingang in die Pädagogik der Kindertagesstätten. Das lebendige Erzählen von Geschichten aus eigenen und fremden Kulturen fasziniert Kinder und hilft ihnen, die eigene Lebenswelt und fremde Kulturen besser zu verstehen.

Das Projekt „Erzählwerkstatt“ zielt auf eine nachhaltige Förderung der Erzählkultur im Rahmen eines interkulturellen Kontextes. Die Kunst des freien Erzählens wird durch fachliche Begleitung der haupt- und ehrenamtlichen Kräfte nachhaltig in den Kita verankert und damit eine Erzählkultur im Lebensnetzwerk der Kinder gefördert. Erzählen wird ebenso als Instrument im Kontext des interkulturellen Lernens eingesetzt.

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Erzählen als Methode ist eine alte Kulturtechnik, die in den letzten Jahren in verschiedensten Bereichen neu entdeckt und für den pädagogischen und interkulturellen Bereich weiterentwickelt wurde. Sprache soll als Mittel der Kommunikation und Zuwendung entdeckt und erfahren werden. Durch das Erzählen von Geschichten wird Sprache in all ihren Facetten und Möglichkeiten unmittelbar erlebt.

Uneingeschränkte Zuwendung, Zuhören können, Achtsamkeit, Partizipation – all das geschieht im Moment des Erzählens. Dabei ermöglicht das freie Erzählen das kreative Erlernen und Aneignen narrativer Muster. Das freie Spiel mit Phantasie und Wörtern fördert die Lust am eigenen Fabulieren. Der Hunger nach „noch mehr Geschichten!“ ist wie eine Eintrittskarte in die große Welt der Literatur. Deshalb stellt das Erzählen ein wichtiges Instrument zur Sprachentwicklung und -förderung von Kindern dar. Darüber hinaus unterstützt das Erleben von erzählten Geschichten die Identitäts- und Persönlichkeitsbildung und fördert sozio-emotionale Fähigkeiten, Partizipation, Integration sowie die Entwicklung kultureller Intelligenz.

Das professionelle Erzählen folgt bestimmten methodischen Regeln und lebt von den vielfältigen Möglichkeiten der Inszenierung einer Geschichte, in der neben der Sprache auch Gestik und Mimik eingesetzt werden. Es ist eine Methode, mit der explizites, aber vor allem implizites Wissen in Form von Metaphern weitergegeben wird.

Da Kinder Geschichten lieben und Spaß beim Zuhören haben, schafft das Erzählen optimale Voraussetzungen, um Lerninhalte zu vermitteln und die Kinder zu motivieren.

Im Rahmen des Projektes wird gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften eine Erzählwerkstatt in der Kindertagesstätte etabliert. Diese ermöglicht es kleinen wie großen Menschen, mit dem Erzählen von Geschichten in Berührung zu kommen. Es geht darum, Geschichten in der Einrichtung einen Platz zu erobern und eine Erzählkultur zu fördern.

In Qualifizierungsmaßnahmen werden den pädagogischen Fachkräften die praktischen Grundlagen des Erzählens vermittelt. Es wird aufgezeigt, wie das Erzählen und Erleben von Geschichten fester Bestandteil des pädagogischen Alltags werden kann. Die pädagogischen Fachkräfte werden bei der praktischen Umsetzung unterstützt.

Das Projekt wird von erfahrenen Erzählkünstlern begleitet und bietet den Teilnehmenden vielfältige Möglichkeiten, das theoretisch Erlernte praktisch auszuprobieren.

Die beiden Projekte („Erzählwerkstatt“ und „Vom Klein-Sein zum Einstein“) können mittlerweile deutschlandweit von Mitgliedsunternehmen der Wissensfabrik in Kindertagesstätten umgesetzt werden.

Die „Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e.V.“ ist eine Initiative von Unternehmen und Stiftungen, die sich für Bildung von Kindern und Jugendlichen sowie Unternehmertum in Deutschland engagiert. Das bundesweite Netzwerk der deutschen Wirtschaft zählt mehr als 140 Mitglieder aller Branchen und Größen. Ziel ist es, den Austausch zwischen Wirtschaft, Bildungseinrichtungen und Wissenschaft zu fördern, um so die Innovationsfähigkeit Deutschlands zu stärken. In rund 2.900 Bildungspartnerschaften engagiert sich der gemeinnützige Verein mit Sitz in Ludwigshafen für Wissenstransfer und Kompetenzentwicklung in Naturwissenschaften, Technik sowie wirtschaftlichem Denken und Handeln. Ein Schwerpunkt sind Bildungsprojekte für Kindergärten und Grundschulen, die gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern entwickelt wurden. Außerdem begleitet die Wissensfabrik junge Unternehmer bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen mit einem Mentoringprogramm und mit der Gründerinitiative WECONOMY. Die Wissensfabrik ist eine besonders wirkungsvoll arbeitende Organisation: Für ihr Technik-Projekt KiTec hat sie das Phineo Wirkt-Siegel erhalten. 

Kita-Fachkräfte

„Ich habe es geschafft, den Zuhörern das Gefühl zu geben, dass ich einen besonderen Schatz habe und es sich lohnt, an meinen Lippen zu hängen.“

„Ich erzähl‘ jetzt grundlegend anders, achte darauf, dass Bilder entstehen, dass die Kinder was zum Mitmachen haben.“

„Geschichten hast du dann irgendwann im Repertoire im Kopf, und dann kannst du einfach loslegen und bist jederzeit einsatzbereit, ohne einen größeren Aufwand irgendwie betreiben zu müssen. Das sind eigentlich die Dinge, die mir entgegenkommen.“

„Dass man auch in den Methoden und Formen variieren kann. Ob mit Puppen, mit Liedern oder das mit den Trommeln: Das hat ja noch einmal eine ganz andere Wirkung und Ausstrahlung auf die Kinder.“

„Die Erzählkultur bei den Kindern hat sich verändert in der Form, dass sie auch viel fantasievoller sind mittlerweile, auch wirklich Geschichten aufgreifen.“

„Ja, es wirkt sich positiv aus. Auf alles: auf das zusammenhängende Sprechen, auf den Wortschatz, die Kinder sprechen viel, viel mehr. Die sprechen auch untereinander viel mehr. Also die Defizite werden geringer.“

„Viele Eltern waren begeistert davon.“

„Ich sag´: Jetzt gehen wir in den Erzählraum. Und dann flüstern sie so: Ja, wir gehen leise und langsam. Dann setzen sie sich: Du musst die Kerze anmachen, sonst können wir nicht beginnen. Es hat schon fast was Mystisches in dem Moment, muss ich sagen.“

Das Erzählzelt zeigt, was für ein Erlebnis die Kinder hatten, welche Eindrücke, und die haben sie nach Hause gebracht und die Eltern dadurch praktisch motiviert und aufgeweckt: Ja, Erzählzelt ist ja nicht nur für die Kinder da!“

„Nach dem Erzählnachmittag mit den Eltern sagten mehrere, dass sie das auch zu Hause ausprobieren wollen.“

„Wir haben uns als Team dann auf den Weg gemacht … Und das lief alles sehr rund, und wir haben halt gemerkt in dieser Woche, da ist unheimlich viel passiert. Wir sind sehr eng zusammengerückt, auch von den Kollegen her, das ging alles Hand in Hand.“

 

Eltern

„Danke, dass es diese Möglichkeit gibt. Mein Sohn hat selbst angefangen, sich eigene Geschichten auszudenken.“

„Ich sehe unsere Erzieherin jetzt mit anderen Augen.“

„Erzählwerkstatt“ wurde 2005 im Rahmen der „Offensive Bildung“ in enger Zusammenarbeit zwischen dem Heinrich Pesch Haus und dem Caritasverband der Diözese Speyer konzipiert, trägerübergreifend in Piloteinrichtungen unter Einbeziehung von Trägervertretern und Kita-Leitungen erprobt und von der Akademie Remscheid wissenschaftlich evaluiert.

Das Gesamtbild des Projektes „Erzählwerkstatt“ lässt sich auf die Formel bringen: ein Projekt, das die Erwartungen der Fachkräfte voll erfüllte und sie begeisterten konnte. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung erweisen sich im Vergleich der beiden Staffeln und der unterschiedlichen Perspektiven von Fachkräften, Kinder und Eltern als valide. Die Evaluationsergebnisse haben zudem einen hohen Stellenwert für das Erzählen im pädagogischen Bereich. Die Erzählwerkstatt in Ludwigshafen ist bislang eines der umfangreichsten Projekte, in denen das Erzählen als Methode für den frühkindlichen Bereich eingesetzt wurde. Zugleich gibt es bislang kaum vergleichbare wissenschaftliche Studien, die über einen Zeitraum von vier Jahren die Wirkungen des Erzählens auf Fachkräfte und die Zielgruppe von Kindern untersuchen konnten.

Evaluationsbericht

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Sprechen Sie uns an:

Heinrich Pesch Haus
Katholische Akademie Rhein-Neckar
Ulrike Gentner
Frankenthaler Str. 229
67059 Ludwigshafen
0621 5999-172

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