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Düker: Ein Tunnel unter dem Flussbett

770 Meter lang, 2,60 Meter Durchmesser, 256 Betonröhren: Das sind die „nackten“ Zahlen zum Düker 3, der vom Kraftwerk Mitte unter dem Rhein hindurch zur Friesenheimer Insel führt. Doch wie ist es eigentlich, selbst durch den Düker zu laufen? Wir begleiten Bernd Nitschke von der Einheit  Rohrbrücken, Produkt- und Energieleitungen (ESI/EF) auf seinem Kontrollgang unter dem Rhein. 

Einmal im Monat macht sich Bernd Nitschke auf den Weg nach K 111. Hier, direkt am Ufer des Rheins, ist der Einstieg in den Düker 3. Vor der Begehung gibt es für alle „Neulinge“ eine Sicherheitsunterweisung. Außerdem kontrolliert Nitschke über ein Kontrollgerät am Einstieg den aktuellen Sauerstoffgehalt, und die Temperatur in der Dükerröhre. Die Werte sind in Ordnung, es kann losgehen.

Durch den Düker: Ein (Video-)Spaziergang unter dem Rhein

Durch das Kopfbauwerk K111 betreten wir den Düker. Wir laufen über einen Laufsteg aus Metall am Boden, auf den ersten Metern geht es steil bergab. Obwohl draußen noch kühle Wintertemperaturen herrschen, sind es im Düker warme 30 Grad. Im Sommer ist es hier unten deutlich unangenehmer, erklärt Nitschke. Dann herrschen trotz der isolierten Rohre heiße 40 Grad. Eines der Rohre ist eine 40-bar-Dampfleitung. Über sie versorgt der Düker seit Juli 2006 den Werksteil Friesenheimer Insel mit Dampf aus dem zentralen Dampfnetz des Werks Ludwigshafen. Etwa 80 bis 90 Tonnen Dampf pro Stunde durchströmen die Leitung. Die Mitarbeiter vom Kraftwerk sorgen dafür, dass der Druck und Menge dem Bedarf auf der Friesenheimer Insel entsprechen.

 

Entlang genau dieser Rohrleitung führt uns der Weg immer tiefer unter den Rhein. Nach etwa 15 Minuten bleibt Nitschke plötzlich stehen. „Haben Sie alle Ihre Pässe dabei?“, fragt er scherzhaft und erklärt uns, dass wir jetzt am tiefsten Punkt des Dükers in der Mitte des Rheins angekommen sind. Er deutet auf ein Schild und erklärt, dass wir genau an diesem Punkt auch die Grenze zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erreicht haben. Über uns sind jetzt ungefähr zehn Meter Sand und Kies, darüber nochmal drei bis vier Meter Wasser – je nach Wasserstand des Rheins.

770

Meter ist die Betonröhre lang, die zwei Werksteile und zwei Bundesländer unter dem Fluss miteinander verbindet.

Seit 2006 ist der Düker in Betrieb. Im Sommer 2005 wurden die Röhren von der Friesenheimer Insel aus Stück für Stück durch Sand und Kies unter der Wasseroberfläche bis zum Werk Ludwigshafen geschoben.

Drei Monate brauchte der Bohrkopf, um der 770 Meter langen Betonröhre unter dem Rhein den Weg nach Ludwigshafen zu bahnen. Alle drei Jahre, so erfahren wir, wird die Überdeckung des Dükers gemessen, das heißt: die Höhe von Sand und Kies, die den Düker bedecken. Sollte die Menge nicht mehr reichen, müssen Sand und Kies nachgeschüttet werden.

Nach der Landesgrenze wird der Weg anstrengender: Es bleibt sehr warm, und es geht jetzt stetig bergauf. Über uns ist mittlerweile kein Wasser mehr, sondern Erde, denn nur etwa ein Drittel des Dükers liegt unter Wasser. 45 Minuten sind wir schon unterwegs auf unserem Kontrollgang, als wir das Ende des langen Tunnels erreichen – das Kopfbauwerk auf der Mannheimer Rheinseite Bernd Nitschke führt uns über 40 Treppenstufen im Kopfbauwerk FA315 hinauf ans Tageslicht. Von hier ist es jetzt kaum noch vorstellbar, dass wir vor wenigen Minuten tief unter dem Wasser den Fluss durchquert haben.