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Drei Fragen an Michael Heinz

„Dem Rhein geht das Wasser aus“ titelten Zeitungen im Herbst 2018. Das extreme Niedrigwasser hatte deutliche Folgen für die Binnenschifffahrt, aber auch für viele Unternehmen entlang des Rheins. Wie abhängig sind Unternehmen wie BASF vom Rhein und welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit er in Zukunft sicher befahrbar bleibt? Das wollte BASF information von Standortleiter und Vorstands-mitglied Michael Heinz wissen.

BASF wurde 1865 nicht ohne Grund am Rhein gegründet. Die Möglichkeiten der Logistik haben sich seitdem aber sehr verändert. Wie abhängig sind Unternehmen wie BASF heute überhaupt noch vom Rhein? 

Für die chemische Industrie sind Binnenschiffe und Eisenbahnen die bevorzugten Transportmittel. Am Standort Ludwigshafen zum Beispiel werden 40 Prozent aller Rohstoffe und Waren über Binnenschiffe an- und abtransportiert. Das sind vor allem Naphtha und Gas, die von den Häfen Rotterdam und Antwerpen nach Ludwigshafen verschifft werden. Aber auch Container mit unseren Produkten, die per Schiff nach Antwerpen und Rotterdam transportiert werden. Auch zum Kühlen unserer Anlagen ist der Rhein immens wichtig. Das zeigt die Bedeutung, die der Rhein trotz aller anderen Möglichkeiten bis heute für die Industrie hat. Das hat uns auch das Niedrigwasser im vergangenen Jahr nochmal eindrucksvoll vor Augen geführt, denn der finanzielle Folgeschaden war für uns besonders im vierten Quartal immens und betrug insgesamt €250 Millionen, durch Produktionsausfall und höhere alternative Frachtkosten.  ­

Michael Heinz
Michael Heinz
BASF-Vorstandsmitglied und Standortleiter Ludwigshafen

Niedrigwasser ist mit Blick auf den Rhein sicher eine Herausforderung. Was wird uns in Zukunft noch beschäftigen?

Deutschland lebt bei der Verkehrsinfrastruktur in weiten Teilen von der Substanz. Und fehlende Investitionen bleiben auch am Rhein nicht ohne Konsequenzen: Brücken sind gesperrt, Kanäle und Schleusen nicht betriebsfähig und die Verbindungen zwischen Seehäfen und dem Binnenland entsprechen nicht den Anforderungen des steigenden Exportverkehrs. Hier muss sehr schnell sehr viel aufgeholt werden! Laut einer Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Güterverkehr bei Binnenschiffen von 2010 bis 2030 um 23 Prozent zunehmen. Darauf ist die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland laut Institut der deutschen Wirtschaft nicht vorbereitet. Wir sind aber darauf angewiesen, dass der Rhein verlässlich befahrbar ist. 

Michael Heinz
Michael Heinz
BASF-Vorstandsmitglied und Standortleiter Ludwigshafen

Was braucht es dazu?

Aus BASF-Sicht wäre die schnelle Umsetzung des Projekts „Sicherung der Schiffbarkeit des Rheins von Basel nach Rotterdam“ sehr wichtig. Ziel des Projekts ist es, die Fahrrinne zwischen Mainz und St. Goar von 1,90 Meter auf 2,10 Meter Tiefe zu erweitern. Und zwar nicht durch eine Vertiefung, sondern durch eine naturverträgliche Verengung der Fahrrinne. Damit könnten deutlich mehr Güter per Binnenschiff transportiert werden, das ist wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll. Das Projekt ist genehmigt und soll vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) bis 2030 umgesetzt sein. Allerdings ist es schon jetzt in Verzug, denn dem WSA fehlt Personal. Hier ist die Politik gefragt. Unsere Forderung: Das WSA muss besser ausgestattet werden.

Außerdem müssen mehr finanzielle Mittel für die Sanierung von Brücken und Wasserbauwerken bereitgestellt werden.

Und auch bei der Planung muss nachgebessert werden: Wir brauchen eine Investitionsplanung mit klaren verkehrspolitischen Zielen, sozusagen ein verkehrspolitisches Gesamtkonzept. Und dabei sollte der Fokus darauf liegen, Verkehre über Digitalisierung intelligent miteinander zu verknüpfen und über Modellierung weiter zu optimieren. 

Michael Heinz
Michael Heinz
BASF-Vorstandsmitglied und Standortleiter Ludwigshafen