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Standards kontrollieren: Evaluierung und Auditierung von Lonmin

Lonmin ist an den Börsen in London und Johannesburg notiert. Das Unternehmen ist im Bereich des Auffindens, der Gewinnung, Verfeinerung und Vermarktung von Platingruppenelementen (PGE) tätig und ist einer der weltweit größten Rohstoff-Produzenten von PGE. Die Kernaktivitäten von Lonmin befinden sich in Südafrika.

In den vergangenen 30 Jahren belieferte Lonmin den Geschäftsbereich Precious Metals Services (Dienstleistungen für Edelmetall) der BASF und das Edelmetallgeschäft von Engelhard – ein Unternehmen, das BASF im Jahr 2006 übernommen hat – mit PGE.

Die Metalle von Lonmin – Platin, Palladium und Rhodium – kommen bei BASF hauptsächlich bei der Herstellung von Abgaskatalysatoren für Fahrzeuge zum Einsatz. Sie nehmen die Schadstoffe aus den Motorabgasen auf, bevor diese in die Atmosphäre gelangen. Dies hilft Automobilherstellern, die zunehmend strengeren weltweiten Abgasvorschriften einzuhalten.

Über die gesamte Geschäftsbeziehung hinweg war BASF regelmäßig mit den operativen und kaufmännischen Einheiten sowie dem Führungsteam von Lonmin in Kontakt. Um ein besseres Verständnis für deren Prozesse zu bekommen und beurteilen zu können, ob diese den Anforderungen der BASF an Umwelt- und Sozialstandards gerecht werden, führte BASF bei Lonmin zudem regelmäßige Standortbesuche durch.

Marikana-Konflikt, Bericht des Farlam-Untersuchungsausschusses

Während eines länger andauernden Streiks in einer Mine in Marikana/Südafrika im August 2012, an dem Minenarbeiter von Lonmin beteiligt waren, eskalierte der Konflikt und endete in einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Minenarbeitern und der bewaffneten südafrikanischen Polizei. Dabei kamen innerhalb einer Woche 44 Menschen zu Tode, hauptsächlich Minenarbeiter von Lonmin.

BASF war und ist von den Ereignissen und der Gewalt in Marikana 2012 schockiert und verurteilt diese Gewalt. Das Unternehmen spricht allen Betroffenen sein tiefstes Mitgefühl aus.

Direkt nach dem gewaltsamen Konflikt in Marikana begann die südafrikanische Regierung mit der offiziellen Untersuchung des Vorfalls. Dazu setzte sie einen Untersuchungsausschuss ein, die so genannte „Farlam Commission of Inquiry”, um Ermittlungen durchzuführen.

Neben dem Farlam-Untersuchungsausschuss führte Lonmin eine eigene Ursachenanalyse des tragischen Marikana-Vorfalls durch. Das Unternehmen setzte eine neue Führung ein und unternahm verschiedene Aktivitäten, um das Verhältnis zu den Minenarbeitern zu verbessern.

Im Juni 2015 wurde der Bericht des Farlam-Untersuchungsausschusses veröffentlicht. Demnach war das Handeln der südafrikanischen Polizeikräfte und der streikenden Minenarbeiter der Hauptgrund für die gewalttätigen Auseinandersetzungen. Außerdem wurde Lonmin in dem Bericht vorgeworfen, nicht alles in seiner Macht Stehende getan zu haben, um die Tragödie zu verhindern.

Reaktion von BASF auf den Bericht des Farlam-Untersuchungsausschusses

Nach der Veröffentlichung des Farlam-Berichts führte BASF eine sorgfältige Bewertung aller Sachverhalte durch und unternahm eine Reihe von Schritten, um sicherzustellen, dass Lonmin den BASF-Verhaltenskodex für Lieferanten in vollem Umfang erfüllt und die Grundsätze bei den Menschenrechten, Arbeits- und Sozialstandards sowie beim Umweltschutz einhält.

Die Bewertung wurde in Einklang mit der Initiative “Together for Sustainability” (TfS) zur weltweiten Vereinheitlichung von Bewertungen und Audits von Lieferanten durchgeführt, die mehrere führende Chemieunternehmen – darunter auch BASF – 2011 gegründet haben. TfS hat weltweit gültige Standards zur Bewertung und Auditierung von Lieferanten festgelegt, um eine nachhaltige Beschaffungspraxis zu fördern.

Ab Juli 2015 fanden auf Initiative von BASF eine Reihe von Treffen von BASF-Führungskräften aus den Bereichen Einkauf und Nachhaltigkeit mit leitenden Führungskräften von Lonmin statt, um zu verstehen, welche Maßnahmen Lonmin eingeleitet hatte, um sein Nachhaltigkeitsmanagement zu verbessern und die Ergebnisse des Farlam-Untersuchungsausschusses zu adressieren.

Zwischen September und November 2015 bereitete BASF eine intensive Auditierung von Lonmin vor. Sie schloss einen Vertrag mit ERM (Environmental Resources Management), einer führenden Auditierungsgesellschaft der TfS-Initiative, ab, um eine detaillierte Nachhaltigkeitsbewertung des Lieferanten durchzuführen.

Ende November 2015 wurde das externe ERM-Audit von zwei südafrikanischen unabhängigen Auditoren, die zuvor von der TfS geprüft und anerkannt wurden, durchgeführt.

Zu den Hauptkategorien des Audits gehörten: Umwelt, Gesundheit und Sicherheit; Arbeits- und Menschenrechte; Unternehmensführung und Corporate Governance. Während die Auditierung vor allem in den Bereichen Umwelt und Sicherheit Verbesserungspotenzial ergab, wurden weder kritische Feststellungen bei der Unternehmensführung, bei der Respektierung von Menschenrechten oder Arbeitsbedingungen von Lonmin gemacht, noch irgendwelche anderen Verstöße festgestellt, die dagegensprachen, dass BASF die Geschäftsbeziehung mit Lonmin fortführt.

Anknüpfend an die Ergebnisse des Audits unternahm BASF weitere Schritte, um ihr Wissen mit Lonmin in Bereichen zu teilen, die mit der chemischen Industrie vergleichbar sind. Zum Beispiel unterstützt BASF das Bergbauunternehmen dabei, seine Brandbekämpfung zu verbessern. Darüber hinaus teilt BASF mit Lonmin Best Practices bezüglich der Verbesserung von Prozessen bei Nachbarschaftsbeschwerden.

In der Zusammenarbeit mit Lonmin setzt BASF darauf, das Unternehmen bei der langfristigen Lösung und Überwindung von Problemen zu unterstützen. Diese Zusammenarbeit basiert auf klaren Zielen und unserer Erwartung, dass messbare Fortschritte auf Seiten Lonmins erzielt werden und diese nachvollziehbar sowie dokumentiert sind.

Ergebnisse nachhalten: Folgeaudit 2017

Im Januar 2017 haben wir von unabhängigen Auditoren ein Folgeaudit bei Lonmin durchführen lassen. Dabei wurde überprüft, inwieweit Lonmin die beim Audit 2015 identifizierten Schwächen beseitigt hat. Außerdem wurden die Arbeitsbedingungen unter Tage, die Sozial- und Arbeitspläne, Lonmins Austausch mit lokalen Interessensgruppen und Betroffenen sowie die Fortschritte beim Bau von Mitarbeiterwohnungen begutachtet. Unser Vorgehen im Rahmen des Audits entspricht Standards, die auch die Sicht von Arbeitern einbeziehen. So wurden bei dem Audit von Lonmin auch Arbeiter nach den Arbeitsbedingungen gefragt.

Aus dem Engagement vor Ort und den Diskussionen mit unterschiedlichsten Interessensvertretern wie NGOs, Bergbaufirmen, Menschenrechtsexperten sowie der südafrikanischen Chamber of Mines, identifizierte BASF Themen, die bei diesem Folgeaudit 2017 schwerpunktmäßig untersucht wurden. Rund 90 minenspezifische Fragen, die im TfS-Fragebogen nicht oder nur teilweise abgedeckt sind, wurden im Katalog dieses Folgeaudits ergänzt. Diese Ergänzung erfolgte in Zusammenarbeit mit international anerkannten Menschenrechtsexperten, der Audit-Firma ERM und basierend auf dem Fragenkatalog der Initiative for Responsible Mining Assurance (IRMA).

Dieses Nachfolgeaudit hat in mehreren Bereichen ein positives Ergebnis ergeben. Lonmin kann hohe Arbeitsstandards vorweisen. Insbesondere unter Tage hat das Thema Arbeitssicherheit für Lonmin einen hohen Stellenwert.

Jedoch identifizierte das Audit auch Lücken, die Lonmin noch schließen musste:

  • Lonmin sollte Schritte unternehmen, um besser zu erkennen, wie sich der Minenbetrieb auf die lokalen Gemeinden auswirkt und welche Maßnahmen daraus abzuleiten sind.
  • Weiterhin sollte Lonmin verstärkt und systematisch Dialogformen mit verschiedenen Interessensgruppen in den Gemeinden etablieren und kontinuierlich durchführen.
  • Ein weiteres Thema war der Beschwerdemechanismus. Zwar hatte Lonmin ein neues System entwickelt. Dieses musste jedoch noch umfassender eingeführt und kommuniziert werden.

Bislang haben wir bei allen gefundenen Mängeln eine große Bereitschaft von Lonmin gesehen, die Situation zu verbessern. Unser Bestreben ist es, Lonmin bei seinen Bemühungen zu unterstützen. Wir stehen dazu mit Lonmin in einem kontinuierlichen und intensiven Dialog. Lonmin unterstützt die Untersuchungen und Bewertungen durch BASF und die Auditoren und nimmt an den nötigen Folgebewertungen weiter teil.

In den letzten Jahren haben wir mit Lonmin sehr intensiv über den Wohnungsbau gesprochen und uns dafür eingesetzt, dass Lonmin an einer Verbesserung der Wohnsituation der Mitarbeiter arbeitet. Wir waren uns bewusst, dass Lonmins Pläne in der Vergangenheit 5.500 Wohneinheiten vorsahen. Dies wurde nicht erfüllt. Wir sahen zu dem Zeitpunkt aber Fortschritte beim Bau der damals bis Ende 2018 geplanten 1240 Wohnungen.

Fortschritt in 2018/2019

In den vergangenen Jahren hat das Management von BASF mit Lonmin sehr intensiv über die Wohnsituation der Mitarbeiter gesprochen und sich dafür eingesetzt, dass der Platinhersteller an einer Verbesserung arbeitet. Das Management der BASF war im Dezember 2017 und im November 2018 bei Lonmin wieder vor Ort und hat sich auch die Wohnungen in Marikana angesehen. Ende 2018 hat Lonmin bestätigt, dass alle geplanten 1240 Wohnungen fertiggestellt waren. Lonmin veröffentlichte einen Bericht zu 2017/18, der die Aktivitäten und Fortschritte von Lonmin in den Gemeinden beschreibt.

Die BASF erkennt an, dass Lonmin Fortschritte im Dialog mit verschiedenen Interessengruppen in den Gemeinden gemacht hat. Lonmin hat Schritte unternommen, um die Auswirkungen des Bergbaus auf die lokale Bevölkerung besser zu verstehen und daraus entsprechende Maßnahmen abgeleitet. Im Jahr 2018 befragte Lonmin die lokalen Gemeinden, um Prioritäten für das weitere Vorgehen zu definieren. Diese Umfrage wurde gemeinsam mit den Gemeinden durchgeführt und ein Stakeholder Development Plan (SEP) wurde erstellt. Lonmin schlug auch eine neue Strategie für die Verbesserung der Lebens- und Wohnbedingungen vor, die bedarfsorientiert ausgerichtet ist und die Bildung von Wohneigentum fördern soll.

Ein effektiver und fruchtbarer Stakeholder-Dialog ist entscheidend, um die Situation rund um die Minenstandorte zu verbessern. Daher plant BASF mit Lonmin weitere Schritte dazu, nicht zuletzt im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative der International Platinum Group Metals Association (IPA). Diese Initiative fördert Nachhaltigkeitsaudits in Minen und den Austausch zwischen Bergbauunternehmen sowie deren Kunden über Best-Practices, um die Situation im Platingürtel zu verbessern.

Im April 2018 führte Lonmin den Beschwerdemechanismus in der Gemeinde ein, um die Kommunikation und die Lösung von Beschwerden in den Bereichen, in denen Lonmin tätig ist, zu verbessern. Lonmin hat eine umfassende Kampagne organisiert, um die Menschen rund um die Minenstandorte über die neuen Möglichkeiten zu informieren, wie sie ihre Beschwerden an eine unabhängige Organisation richten können. Seit dem Start des Beschwerdemechanismus hat Lonmin über 100 Beschwerden erhalten und diese entsprechend seines Beschwerdeverfahrens gelöst. Dies zeigt, dass der Beschwerdemechanismus gut aufgenommen und genutzt wird. 

Im Dezember 2018 teilte Lonmin seinen internen Auditbericht über die noch offenen Punkte. Die meisten Mängel wurden behoben. Die einzigen verbliebenen Lücken sind das zu verstärkende Stakeholder-Engagement, um Risiken zu identifizieren und zu bewältigen, sowie der neue Social Labor Plan für 2019-23, der zurzeit beim Department of Minerals Resources (DMR) zu Bestätigung liegt. Zu beiden Themen steht BASF weiterhin aktiv in Kontakt mit Lonmin. Ein Folge-Audit ist für 2019 vorgesehen.

Dies sind für uns hoffnungsvolle Signale für eine positive Entwicklung, die uns darin bestärken, Lonmin in seinem Verbesserungsprozess weiterhin zu unterstützen. BASF erwartet von ihren Lieferanten, allen anwendbaren Gesetzen in vollem Umfang gerecht zu werden und die international anerkannten Umwelt-, Sozial- und Corporate Governance-Standards einzuhalten. Darüber hinaus verlangt BASF von ihren Lieferanten, dieselben Standards auch auf ihre Subkontraktoren und Lieferanten entlang der Wertschöpfungskette zu übertragen und sicherzustellen.

Unser grundsätzlicher Ansatz gegenüber allen unseren Lieferanten ist, dass wir verantwortungsvoll agieren und wir darauf angewiesen sind, dass auch unsere Partner Verantwortung übernehmen. Außerdem bieten wir unseren Partnern Unterstützung bei ihren Anstrengungen an, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Wir führen Überprüfungen auf der Grundlage von Bewertungen des Nachhaltigkeitsrisikos durch. Wann immer wir Verstöße erkennen, drängen wir darauf, diese zu beenden. Gegebenenfalls unterstützen wir unsere Partner, die Zivilgesellschaft oder industrieübergreifende Initiativen dabei, damit verbundene Herausforderungen gemeinsam mit weiteren Interessengruppen anzugehen. In anderen Fällen entscheiden wir uns möglicherweise für Geschäftsalternativen und behalten uns das Recht vor, Geschäftsbeziehungen zu beenden.

Für den Fall, dass die Marikana Mine in den Besitz von Sibanye Stillwater übergehen wird und Sibanye Lieferant der BASF wird, wird BASF von diesem Lieferanten das Gleiche erwarten wie von Lonmin. Sibanye ist Mitglied und Unterstützer der von uns mitinitiierten IPA-Nachhaltigkeitsinitiative, die Nachhaltigkeitsaudits und den Austausch über Best-Practices fördert, um die Situation im Platingürtel zu verbessern. IPA ist die International Platinum Group Metals Association (IPA).

Weitere Informationen über unseren grundsätzlichen Ansatz gegenüber unseren Lieferanten finden Sie hier.