14. Oktober 2026

Medien

Farbe bekennen

Vom morgendlichen Blick aufs Smartphone bis zur Feierabend-Serie: Displays begleiten uns durch den ganzen Tag. Für scharfe Bilder braucht es Licht, Farbe – und ausgeklügelte Chemie. Dr. Richard Frantz und sein Team bei BASF haben eine Innovation entwickelt, die leuchtende Farben mit nachhaltigeren Materialien ermöglicht. Im Interview erklärt er, wie die neuen organischen QDYES™-Moleküle funktionieren.

Hier hören Sie den Podcast zum Thema.

Portrait von  Dr. Richard Frantz, der seit 2022 BASFs Forschung und Entwicklung im Bereich Displays leitet.
Dr. Richard Frantz leitet seit 2022 BASFs Forschung und Entwicklung im Bereich Displays.

Wie funktioniert ein Display?

Dr. Richard Frantz: Licht kann unterschiedliche Wellenlängen haben, die wir als unterschiedliche Farben wahrnehmen. Herkömmliche LED-Systeme filtern die Anteile des Lichts heraus, die für eine bestimmte Farbe nicht gebraucht werden. Doch dieses blockierte Licht geht verloren – und damit auch Energie. Eine Alternative sind sogenannte Quantenpunkte, auf Englisch „quantum dots“. Die winzigen Nanokristalle nehmen Licht auf und geben es in der Farbe wieder ab, die das Display benötigt – das nennt man Farbkonversion. Statt unerwünschtes Licht einfach herauszufiltern, machen sie daraus also nutzbare Farbe. 

Warum hat BASF nach einer neuen Lösung gesucht?

Viele Quantenpunkte enthalten Schwermetalle wie Cadmium. Diese Rohstoffe sind nur begrenzt verfügbar. Zudem sind sie nicht biologisch abbaubar und können sich in der Umwelt anreichern, wenn sie in die Natur gelangen. Deshalb haben wir eine innovative Lösung entwickelt: Auch unsere QDYES-Moleküle erzeugen Farben durch Farbkonversion. Anders als Quantenpunkte bestehen sie jedoch vollständig aus organischen Materialien und sind recycelbar. Sie liefern hochwertige Farben, ohne auf Schwermetalle angewiesen zu sein. Damit eröffnet sich der Displayindustrie eine neue Technologie, die hohe Leistung mit einer nachhaltigeren Materialbasis verbindet.

 

QDYES bieten eine innovative und nachhaltigere Methode der Farberzeugung.
QDYES bieten eine innovative und nachhaltigere Methode der Farberzeugung. 
Frau vor einem farbigen Computerbildschirm.

Werden Verbraucher überhaupt einen Unterschied bemerken?

Sie sehen vor allem das Ergebnis: ein brillantes Bild. Die Chemie dahinter soll unsichtbar bleiben.

Entscheidend ist jedoch, dass sich die Farben auf dem Bildschirm mit einer anderen Art von Material erzeugen lassen. Verbraucher haben das gleiche Seherlebnis, während die Technologie dahinter ohne Schwermetalle auskommt und nachhaltiger ist.

Das klingt nach einem klaren Erfolg. Warum hat es trotzdem fünf Jahre bis zur Marktreife gedauert?

Weil ein vielversprechendes Molekül noch lange kein fertiges Produkt ist. Im Labor wussten wir, dass unsere Lösung großes Potenzial hat. Doch die Kunden fragten sich, ob die neue Technologie bei Helligkeit und gleichmäßiger Farbwiedergabe mit etablierten Quantenpunkten mithalten kann.

Also tüftelten wir noch einmal an der Chemie. Wir entwickelten die Moleküle weiter, steigerten ihre Leuchtkraft und sorgten für eine gleichmäßigere Farbwiedergabe. Anschließend baten wir die Kunden, die neuen Muster erneut zu testen.

BASF-Mitarbeiter prüfen einen farbigen Monitor im Labor.
Die Teams in den Laboren haben unermüdlich am Erfolg der QDYES gearbeitet. 
Frau schaut auf ihr Smartphone.
Displays sind in unserem Alltag allgegenwärtig.  

Zahlt sich diese Ausdauer jetzt aus?

Ja. Ein Produkt auf Basis unserer QDYES-Technologie wurde inzwischen von einem Kunden freigegeben. Die Serienproduktion ist angelaufen, und erste Produkte mit dieser Technologie dürften bald auf den Markt kommen.

Für das Team ist das ein wichtiger Meilenstein. Er zeigt, dass unsere QDYES zu einer praxistauglichen Alternative für eine nachhaltigere Displaytechnologie werden.

Dr. Richard Frantz leitet seit 2022 BASFs Forschung und Entwicklung im Bereich Displays. Er promovierte 2001 in Chemie an der Universität Montpellier/Frankreich. Nach Forschungsstationen an der ETH Zürich und der Universität Genf in der Schweiz wechselte Frantz als Wissenschaftler in die Industrie. 2012 trat er dem Schweizer Display‑Start‑up Rolic Technologies bei, das 2017 von BASF übernommen wurde.