22. Januar 2026

Medien

Neue Ansätze für eine durstige Tradition

Reis ist das Grundnahrungsmittel für mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung und spielt eine wesentliche Rolle für die globale Ernährungssicherheit. Doch sein traditioneller Anbau verbraucht enorme Mengen an Wasser und trägt zu rund 10 Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen bei. Um diese Herausforderungen anzugehen, entwickelt BASF Technologien für klimafreundlichen Reisanbau.

Von Sushi bis Risotto – Reis ist weltweit beliebt und wird in entsprechend großen Mengen angebaut. In vielen Entwicklungsländern ist er die Lebensgrundlage der Bevölkerung und macht rund 70 Prozent der täglichen Kalorienaufnahme aus.

Der traditionelle Reisanbau ist jedoch äußerst wasserintensiv und beruht häufig auf einer permanenten Überflutung der Felder. In vielen Reisanbaugebieten waren stabile Wasservorräte lange Zeit selbstverständlich. Doch zunehmende Wasserknappheit, Klimaschwankungen und der Wettbewerb um Süßwasserressourcen haben die Situation verändert. Daher ist es entscheidend, den Wasserbedarf der Reisproduktion in Zukunft zu verringern.

Für Marko Grozdanovic, Senior Vice President mit Verantwortung für Global Strategic Marketing & Sustainability bei BASF Agricultural Solutions, bringt die Situation sowohl Verantwortung als auch Chancen mit sich. „Wenn eine Pflanze so viele Menschen ernährt, können schon kleine Verbesserungen Auswirkungen auf das gesamte Ernährungssystem haben“, sagt er. „Reis ist eine dieser Kulturen, bei denen Veränderungen wirklich etwas bewirken.“

Global Carbon Field Trial Report 2025 (Edition 2: Rice): Advancing Reliable Climate-Smart Solutions for Farmers & Food Systems

Alte Kultur, ungewöhnliches System

Seit 2023 arbeitet BASF mit dem International Rice Research Institute auf den Philippinen zusammen, um Lösungen für den Reisanbau im Rahmen des BASF Global Carbon Field Trial Program zu testen. Die Versuche messen Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch und Ertrag unter praxisnahen Bedingungen. 

Die Ergebnisse sind vielversprechend: Bei Reis können die Treibhausgase um rund 30 Prozent verringert werden, und neue Praktiken haben sich als wirksam erwiesen, um Emissionen und Wasserverbrauch zu senken – ohne Ertragsminderung.

"Reis ist ziemlich einzigartig“, sagt Ligia Azevedo, Senior Sustainability Manager bei BASF Agricultural Solutions. „Bauern bauen ihn seit Tausenden von Jahren im Wesentlichen auf die gleiche Weise an – in kleinen Feldern unter Wasser.“

Warum die Felder geflutet werden? „Es ist nicht so, dass Reis ständig Wasser braucht“, erklärt Azevedo. „Es geht vor allem um die Unkrautkontrolle. Die Überflutung war eine der wirksamsten Methoden, um Unkräuter zu unterdrücken, die mit dem Reis um Sonnenlicht und Nährstoffe konkurrieren.“ Das Wasser ermöglicht es dem Reis zu wachsen und hält gleichzeitig konkurrierende Pflanzen fern.

Mehr als 90 Prozent des weltweiten Reises wächst in der Region Asien‑Pazifik, aber er spielt auch in Europa und in Lateinamerika eine zentrale Rolle.
Überflutetes Reisfeld in Piemont, Italien.

Eine durstige Tradition

Im globalen Maßstab wird dieses System zur Herausforderung. Der Reisanbau gehört zu den wasserintensivsten landwirtschaftlichen Produktionsverfahren. Für die Herstellung von einem Kilogramm Reis werden oft mehr als 1.400 Liter Wasser benötigt, und Reis beansprucht über 30 Prozent des weltweit eingesetzten Bewässerungswassers.

„Auch wenn ein Reisfeld nur von wenigen Zentimetern Wasser bedeckt ist, summiert sich das schon auf mehrere Tonnen Wasser pro Hektar“, sagt Grozdanovic. „Und weil die Felder ständig Wasser verlieren, ist es, als würde man versuchen, ein undichtes Schwimmbecken gefüllt zu halten.“

Die Überflutung hat auch Auswirkungen unter der Oberfläche. Sauerstoffarme Böden begünstigen methanbildende Bakterien. Dadurch ist der Reisanbau für 48 Prozent der Methanemissionen aus landwirtschaftlich genutzten Flächen verantwortlich – Methan ist ein Treibhausgas, das etwa 27-mal stärker wirkt als CO₂. Das ist einer der Gründe, warum diese Kulturpflanze allein zu 10 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen beiträgt.
 

BASF verbessert Reisanbau

Wie kann man die Situation verbessern? Ein zentraler Hebel im Global Carbon Field Trial Program von BASF sind Reissorten mit Herbizid-toleranten Eigenschaften. Sie ermöglichen es, dass die Felder nicht mehr permanent geflutet werden, sondern zwischendurch trocknen können. 

„Wenn Wasser nicht mehr das einzige Mittel zur Unkrautkontrolle ist, verändert sich alles“, erklärt Azevedo. „Das eröffnet den Landwirten Spielraum, den tatsächlichen Wasserbedarf flexibler anzupassen.“ 

Die Ergebnisse der Studie wurden im  BASF Global Carbon Field Trials Report veröffentlicht. Er zeigt, wie verschiedene Ansätze des Wasser- und Unkrautmanagements unter realen landwirtschaftlichen Bedingungen abschneiden.

Ligia Azevedo, Senior Sustainability Manager bei BASF Agricultural Solutions, auf einem philippinischen Reisfeld.
Landwirt beim Reisanbau auf den Philippinen.

Veränderung ohne Kompromisse

Die Frage ist nicht, ob der Reisanbau sich verändern muss – sondern wie. „Für Landwirte ist der Ertrag am wichtigsten“, betont Azevedo. „Eine Verringerung des Wasserverbrauchs darf niemals zulasten des Einkommens der Betriebe gehen. Jede Lösung muss sowohl agronomisch als auch wirtschaftlich funktionieren.“

Für Grozdanovic prägt diese Realität den Ansatz von BASF Agricultural Solutions: „Wir sind überzeugt, dass echter Fortschritt nur möglich ist, wenn wir gemeinsam mit den Landwirten arbeiten – zuhören, uns anpassen und Lösungen entwickeln, die ihre lokalen Herausforderungen adressieren. Durch Erkenntnisse aus einem engen und kontinuierlichen Dialog entwickeln wir Lösungen, die dort wirken, wo sie am wichtigsten sind – auf dem Feld.“

Ressourcen klüger nutzen

„Um eine Tonne Reis zu produzieren, benötigen wir je nach Anbaumethode ungefähr zwischen 1.000 und 5.000 Liter Wasser. Wenn man sieht, wie viel Wasser in die Lebensmittelproduktion fließt, beginnt man, sowohl Lebensmittel als auch Wasser ganz anders wertzuschätzen“, sagt Azevedo.

Für Grozdanovic ist dieser Perspektivwechsel entscheidend. „Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht“, sagt er. „Es geht darum, Ressourcen klüger zu nutzen – deshalb entwickeln wir Lösungen, die Landwirte dabei unterstützen, die Unkrautkontrolle zu verbessern, das Ertragspotenzial zu sichern und Anbautechniken zu etablieren, die den sich wandelnden Anforderungen der Landwirtschaft und des Klimas gerecht werden.“

Marko Grozdanovic, Senior Vice President responsible for Global Strategic Marketing & Sustainability at BASF Agricultural Solutions