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Recycling technischer Kunststoffe erfordert einen Technologiemix
- Das passende Recyclingverfahren hängt von der Zusammensetzung des Kunststoffabfalls ab
- Viele Technologien funktionieren, werden aber noch nicht im industriellen Maßstab eingesetzt
- Recycling hält Rohstoffe im Kreislauf und ersetzt fossile Ressourcen
Damit eine große Bandbreite an Kunststoffen wiederverwertet werden kann, sind verschiedene Recyclingtechnologien notwendig. Während sich Kunststoffe für Massenanwendungen, wie etwa Polyolefine für Verpackungen, häufig mit etablierten Verfahren recyceln lassen, benötigen Spezialkunststoffe oft Recyclinglösungen, die auf ihre spezifischen Eigenschaften und Anwendungen zugeschnitten sind. Dies betrifft beispielsweise Kunststoffmischungen, die neben Polyolefinen, Polyurethanen oder Polyamiden noch zahlreiche Zusatzstoffe wie Additive oder Farbstoffe enthalten. Diese Materialien werden für anspruchsvolle Anwendungen entwickelt, etwa im Automobilbereich, wo Standardkunststoffe die erforderlichen Leistungsmerkmale häufig nicht erfüllen. Das schreiben Forscherinnen und Forscher von BASF in einem aktuellen Fachbeitrag in der renommierten US-Zeitschrift Accounts of Materials Research.
Um Kunststoffe aus heterogenen Abfallströmen im Kreislauf zu halten, sind zwei Voraussetzungen entscheidend: leistungsfähige Sortierverfahren im industriellen Maßstab und ein breites Spektrum an Recyclingtechnologien. Welche Recyclinglösung geeignet ist, hängt sowohl vom jeweiligen Material als auch von der Zusammensetzung des Abfallstroms ab. „Es gibt nicht die eine Standardtechnologie für die Wiederverwertung technischer Kunststoffe“, betont Erstautor Dr. Bernhard von Vacano, Leiter des Forschungsprogramms Plastics Circularity bei BASF. „Entscheidend ist vielmehr ein intelligenter Mix verschiedener, sich ergänzender Technologien, die zu den jeweiligen Kunststoffabfällen passen. Das Ziel ist, hochwertige Recyclingmaterialien herzustellen und technische Kunststoffe dauerhaft im Kreislauf zu behalten.“
Unterschiedliche Wege des Kunststoffrecyclings
Am weitesten verbreitet ist das mechanische Recycling: Kunststoffe werden sortiert, zerkleinert und eingeschmolzen. Dieses Verfahren ist energieeffizient, funktioniert aber nicht mit allen Kunststoffen und nur bei sauberen und sortenreinen Abfällen. Das mechanische Recycling eignet sich besonders für Verpackungsabfälle, bei denen große Mengen relativ sortenreiner Kunststoffe mit nur wenigen Zusatzstoffen anfallen. Allerdings können hohe Qualitäts- und Hygieneanforderungen den Einsatz mechanisch recycelter Materialien in neuen Verpackungen einschränken. Bei Kunststoffen für technisch anspruchsvolle Anwendungen stößt das mechanische Recycling häufig an seine Grenzen, da geeignete Abfallströme oft nur begrenzt verfügbar sind und die Produkte meist aus komplexen Polymer-zusammensetzungen bestehen.
Im Gegensatz dazu eignet sich das lösemittelbasierte Recycling für komplexere Kunststoffabfälle. Dabei wird eine spezielle Kunststoffsorte mit einem Lösungsmittel selektiv aufgelöst, getrennt und aufgereinigt. So lassen sich etwa Polyamide aus Fahrzeugschrott zurückgewinnen und wieder zu Bauteilen verarbeiten.
Eine weitere wichtige Recyclingtechnologie ist die Depolymerisation. Hier werden Kunststoffe in ihre Grundbausteine zerlegt und wieder neu zusammengebaut. Mit loopamid® haben Forscherinnen und Forscher von BASF ein innovatives Verfahren entwickelt, das das zirkuläre Textil-zu-Textil-Recycling von Polyamid 6 ermöglicht. Aus Textilabfällen können dadurch wieder Polyamidfasern hergestellt werden, die genauso hochwertig sind wie herkömmliches Polyamid 6. Anfang 2025 hat BASF am Standort Caojing, Schanghai/China, die erste kommerzielle loopamid-Produktionsanlage in Betrieb genommen.
Kunststoffe aus stark gemischten Abfällen, die bislang überwiegend in der Müllverbrennung landen, können in thermochemischen Verfahren wie der Pyrolyse und der Gasifizierung zurückgewonnen werden. Diese Technologien benötigen viel Energie. Bei der Pyrolyse zerfallen die langkettigen Polymere der Kunststoffe in kurze Kohlenwasserstoffketten, die als Pyrolyseöl wieder als Rohstoff eingesetzt werden können. Bei der Gasifizierung entsteht Synthesegas, das als chemischer Ausgangsstoff in der Produktion dient.
Großflächige Umsetzung erfordert unterstützende regulatorische Rahmenbedingungen
Zahlreiche Pilotprojekte von BASF zeigen, dass viele Recyclingverfahren für Polyurethane und Polyamide technisch funktionieren und aus Kunststoffabfällen Rohstoffe in Neuware-Qualität zurückgewonnen werden können. „Uns fehlen aber noch zwei entscheidende Bausteine, damit wir diese Technologien im industriellen Maßstab einsetzen können und tragfähige Geschäftsmodelle für große Investitionen möglich sind: Zum einen benötigen wir ein passendes Abfallmanagement, damit wir die Kunststoffe überhaupt dauerhaft im Kreislauf führen können. Zudem muss die Politik klare und verlässliche Rahmenbedingungen für das Recycling festlegen“, sagt Dr. Jens Hamprecht, Mitautor der Publikation und Vice President im BASF-Unternehmensbereich Performance Materials.
Recycling ist ein wichtiger Baustein der Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Es hält Materialien im Kreislauf, verringert die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen und schont Ressourcen. Klare und verlässliche politische Rahmenbedingungen stärken Deutschland und Europa als Innovationsstandorte und fördern technologischen Fortschritt sowie nachhaltiges Wachstum in der Chemie- und Fertigungsindustrie. BASF forscht deshalb entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um Recyclingverfahren und Materialkreisläufe gezielt weiterzuentwickeln.
Weitere Informationen, wie Kunststoffe im Kreislauf gehalten werden können, gibt es hier:
RECYCLE - Potentiale durch komplementäre Recyclingtechnologien.
Über BASF
BASF steht für Chemie für eine nachhaltige Zukunft. Unser Anspruch: Wir wollen das bevorzugte Chemieunternehmen sein, um die grüne Transformation unserer Kunden zu ermöglichen. Wir verbinden wirtschaftlichen Erfolg mit dem Schutz der Umwelt und gesellschaftlicher Verantwortung. Rund 95.000 Mitarbeitende in der BASF-Gruppe tragen zum Erfolg unserer Kunden aus nahezu allen Branchen und in fast allen Ländern der Welt bei. Unser Portfolio umfasst als Core Businesses die Segmente Chemicals, Materials, Industrial Solutions und Nutrition & Care; die Standalone Businesses sind in den Segmenten Surface Technologies und Agricultural Solutions gebündelt. BASF erzielte 2025 weltweit einen Umsatz von rund 60 Milliarden €. BASF-Aktien werden an der Börse in Frankfurt (BAS) sowie als American Depositary Receipts (BASFY) in den USA gehandelt. Weitere Informationen unter www.basf.com.
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