Image of an already existing Vattenfall wind farm. (Vattenfall)
19. März 2026

Medien

Was tut BASF gegen den Klimawandel?

Dr. Christoph Jäkel ist Vice President Corporate Sustainability bei BASF. In unserem Interview erklärt er, wie BASF CO2-Emissionen reduziert, auf erneuerbare Energien setzt und gemeinsam mit Kunden neue Wege hin zu einer Kreislaufwirtschaft geht. Hier können Sie das Interview als Podcast hören.   

Was bedeutet die grüne Transformation für BASF

Unser Ziel ist es, das bevorzugte Chemieunternehmen zu sein, um die grüne Transformation unserer Kunden zu ermöglichen und uns auf Lösungen zu konzentrieren, die den größten Mehrwert schaffen. BASF hat sich auf dem Weg zur Klimaneutralität ambitionierte Ziele gesetzt und will bis 2050 Netto‑Null‑Emissionen erreichen.

Christoph Jäkel ist Vice President Corporate Sustainability bei BASF.
Christoph Jäkel ist Vice President Corporate Sustainability bei BASF.
Image of an already existing Vattenfall wind farm. (Vattenfall)
Offshore-Windkraftanlagen

Wie reduziert BASF ihre CO2-Emissionen? 

Wir sehen dafür drei zentrale Hebel:  

  1. Den Einsatz grüner Energie,  
  2. die Nutzung alternativer Rohstoffe in der Produktion, und  
  3. die Verbesserung von Produktionsprozessen.

Es ist entscheidend, für alle Technologien offen zu sein – darunter auch die CO2-Abscheidung und ‑Speicherung – um bestehende Anlagen zu dekarbonisieren.

BASF nimmt gerade einen neuen Verbundstandort in Zhanjiang/China in Betrieb. Wie sieht es dort mit den CO2-Emissionen aus?

Der neue Standort in Zhanjiang ist ein weltweites Vorbild für die chemische Produktion. Durch den Einsatz von 100 Prozent erneuerbarer Energie und innovativen Technologien konnten wir die CO‑Emissionen um 50  Prozent reduzieren. Ein Beispiel sind die Kompressoren unseres Steamcrackers: Sie verdichten das Gas, das nach dem Cracken von Naphtha entsteht. Konventionelle Kompressoren werden durch die Verbrennung fossiler Energieträger angetrieben. In Zhanjiang setzen wir elektrische Motoren ein, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Dadurch lassen sich die CO‑Emissionen im Vergleich zu einem herkömmlichen Cracker um rund 25  Prozent senken.

Wie trägt das Verbundsystem zur Reduktion von CO2 bei?

Verbund bedeutet, dass die einzelnen Anlagen eines Standorts miteinander vernetzt sind. Nebenprodukte, Abwärme oder Dampf aus einem Prozess werden für die Herstellung von Produkten in anderen Prozessen genutzt. Das spart Rohstoffe und Energie, vermeidet Emissionen, senkt Logistikkosten und schafft Synergien – und all das führt letztlich auch zu einer Reduktion von CO.

Luftaufnahme des neuen BASF-Verbundstandorts in Zhanjiang/China.  
Holzpellets
Biomasse wie Holzpellets setzt weniger CO2 frei als fossile Rohstoffe.

Welche Rolle spielen Rohstoffe?

Öl und Gas bleiben wichtige Rohstoffe für die chemische Produktion, können aber heute schrittweise durch Biomasse ersetzt werden – etwa aus Holz, Stroh oder organischen Abfällen. Das macht einen großen Unterschied: Bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe wird in kurzer Zeit eine große Menge CO2 freigesetzt, die über Millionen von Jahren gespeichert war. Biomasse dagegen setzt nur so viel CO2 frei, wie kurz zuvor im natürlichen Kreislauf gebunden wurde.

Können Sie ein Produktbeispiel nennen?  

Die Outdoorspezialisten von VAUDE haben für einen neuen Fahrradrucksack ein innovatives Material von BASF verwendet: Für unseren Polyamid-Kunststoff Ultramid® ZeroPCF nutzen wir Strom aus Windkraft und ersetzen in der Produktion Erdöl durch Frittenöl sowie Erdgas durch Biomethan. Wir haben eine Methode entwickelt, mit der wir genau berechnen können, wie viele von den umwelt­freundlichen Stoffen benötigt und somit auch am Anfang unserer Wertschöpfungs­kette eingespeist werden: Das nennt man Massenbilanz und ist von externen Partnern zertifiziert. Das Polyamid 6, das so entsteht, hat einen Product Carbon Footprint (PCF) von Null: Von der Rohstoff­gewinnung bis zum fertigen Produkt, das die Werkstore verlässt (Cradle-to-Gate).

Frank Reil, Marcel Schmitt (beide BASF) und René Bethmann (VAUDE) mit dem neuen Rucksack TRAILCONTROL ZERO 20+.
Frank Reil, Marcel Schmitt (beide BASF) und René Bethmann (VAUDE) mit dem neuen Rucksack TRAILCONTROL ZERO 20+. 

Nachhaltige Produkte haben ihren Preis. Wie reagieren Kunden und Verbraucher?

Die unbequeme Realität ist: Derzeit gibt es kaum einen Preisaufschlag für grüne Produkte wie CO2‑arme, biobasierte oder zirkuläre Lösungen – zumindest nicht in der Breite der Märkte, die wir benötigen, um größere Dekarbonisierungsprojekte im Upstream‑Bereich zu unterstützen.

Wie jedes andere Unternehmen kann sich auch BASF nur dann für Umwelt und Gesellschaft engagieren, wenn es wirtschaftlich erfolgreich ist. Eine Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft ist nur möglich, wenn wir gemeinsam mit Partnern aus unterschiedlichen Branchen neue ökonomische Systeme etablieren. Dafür brauchen wir ein neues Mindset – weg vom Denken in Wertschöpfungsketten hin zum Handeln in Wertschöpfungskreisläufen.

Was denken Sie: Wie wird es mit der grünen Transformation weitergehen?

Wir müssen die richtige Balance finden. Von nachhaltigen Lösungen zu träumen, die weder umsetzbar noch wirtschaftlich sind, hilft ebenso wenig wie so zu tun, als würde der Klimawandel uns nicht betreffen. Wir brauchen einen pragmatischen Ansatz für die Herausforderungen, vor denen wir stehen, und den Mut, innovative Technologien und Ansätze auszuprobieren. Unsere Aufgabe ist es, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte in Einklang zu bringen – und sicherzustellen, dass das „Dringende“ nicht immer das „Wichtige“ verdrängt. Eines ist klar: Wir müssen die grüne Transformation vorantreiben.

Baumkronen aus der Froschperspektive

Wie reduzieren Sie privat CO2-Emissionen?

Es gibt viele Ansatzpunkte, um sich zu verbessern. Was ich als Beispiel nennen kann: Seit 3 Jahren haben wir Solarpanels auf dem Dach, und ich versuche, für meinen Arbeitsweg auf Benzin zu verzichten. Ich fahre ein Plug‑in‑Hybridfahrzeug (noch kein vollelektrisches Auto) mit einer elektrischen Reichweite von 100 Kilometern – mehr als genug für meinen 20‑Kilometer‑Arbeitsweg. Ich kann zu Hause laden und fahre damit praktisch vollständig mit Solarstrom.

Christoph Jäkel ist seit 2019 Vice President Corporate Sustainability bei BASF.  Er studierte Chemie und promovierte an der Universität Bonn. Nach seiner Zeit als Postdoc an der Stanford University begann er 2002 bei BASF. Dort durchlief er verschiedene Stationen in strategischer Planung, Geschäftsentwicklung und Vertrieb im In- und Ausland.