Salzkristalle in der Nahaufnahme
16. April 2026

Medien

Salzspeicher für Sonnenschein

Erneuerbare Energie ist großartig – aber was ist, wenn keine Brise weht oder eine Anlage nachts Energie braucht? Die Industrie kann nicht auf Pause drücken, wenn Sonne oder Wind ausbleiben. Eine vielversprechende Antwort: Salz. Geschmolzene Nitratsalze können erneuerbaren Strom als Wärme speichern – und diese bei Bedarf wieder abgeben. Wir haben mit Dr. Nils Born, Experte für Nitratsalze bei BASF, über diesen innovativen Ansatz gesprochen. Hier können Sie das Interview als Podcast hören.  

Was macht Nitratsalze so besonders?

Bei einigen sinkt der Schmelzpunkt der Mischung drastisch, wenn man zwei oder mehr Salze miteinander kombiniert – so stark, dass Wissenschaftler sie als „geschmolzene Salze“ bezeichnen, weil sie sich so leicht verflüssigen lassen. Der niedrige Schmelzpunkt ermöglicht es, die Salzmischungen in flüssigem Zustand zu lagern und zu nutzen.

Nils-Olof Born, Salz-Experte bei BASF
Dr. Nils-Olof Born ist Salz-Experte bei BASF. 
Flügel einer Windkraftanlage
Ohne Wind steht der Flügel der Windkraftanlage still. 

Welchen Vorteil bringt das?

Geschmolzene Salze können viel Wärme speichern, ohne viel Platz zu brauchen. In flüssiger Form lassen sie sich pumpen und so in hocheffizienten Wärmetauschern einsetzen. Das macht sie ideal, um erneuerbare Energie als Wärme zu speichern – ein entscheidender Vorteil für Zeiten, in denen die Sonne nicht scheint oder kein Wind weht. 

Können Sie ein Projektbeispiel nennen?

Im Herbst 2025 stellte BASF die Salzmischung für das weltweit erste industrielle, salzbasierte Wärmespeichersystem bereit – den sogenannten Heatcube. Er wurde von der Kyoto Group nahe Budapest in Ungarn gebaut, um eine Anlage zur Maisverarbeitung mit Wärme zu versorgen.

Wie funktionier das?

Der Heatcube funktioniert wie eine Batterie, die in geschmolzenem Salz Energie speichert – allerdings nicht als Strom, sondern als Hochtemperaturwärme. Die Salzmischung wird durch einen elektrischen Heizer auf über 400 Grad erhitzt, sobald viel günstiger, erneuerbarer Strom im Netz verfügbar ist. Die entstehende Wärme kann zur direkten Dampferzeugung genutzt oder für Zeiten gespeichert werden, in denen nur wenig erneuerbare Energie verfügbar ist oder die Preise hoch sind.

Der Heatcube in Ungarn ist das weltweit größte industrielle Wärmespeichersystem.
Der Heatcube in Ungarn ist das weltweit größte industrielle Wärmespeichersystem. 
Dampf in der Nahaufnahme
Dampf hält viele Industrien am Laufen. 

Warum ist Dampf so wichtig?

Industrien benötigen sehr viel Dampf für ihre Prozesse – ob in der Chemie, der Lebensmittelindustrie oder in anderen Bereichen. Wird dieser Dampf mit fossiler Energie erzeugt, entstehen erhebliche CO2-Emissionen. CO2-freie Dampftechnologien sind daher ein wichtiger Schritt zur Dekarbonisierung der Industrie. Der Heatcube in Ungarn wird zum Beispiel jährlich mehr als 30 GWh saubere Prozesswärme für Dampf liefern, Erdgas ersetzen und die CO2-Emissionen um bis zu 8.000 Tonnen pro Jahr senken.

Wird BASF diese Technologie auch selbst nutzen?  

BASF prüft den Einsatz insbesondere an kleineren Standorten mit direktem Anschluss an erneuerbare Energiequellen und wird ab 2028/2029 beginnen, ihre Investitionen in Power-to-Heat-Technologien zu skalieren. Technologien mit Wärmespeicherung in geschmolzenem Salz sind Teil dieser Bewertung.

Sind weitere Projekte geplant?  

Ja, wir sehen eine wachsende Projektpipeline für Energiespeicher mit geschmolzenem Salz und stehen mit mehreren Unternehmen in Kontakt, die in diesem Bereich insbesondere in Europa Projekte entwickeln. Außerdem arbeiten wir mit akademischen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zusammen, um den Einsatz unserer Salze in dieser Anwendung zu optimieren.

Salz auf einem Holzspachtel.
Es gibt mehr und mehr Projekte für Energiespeicher mit geschmolzenem Salz.

Dr. Nils-Olof Born ist seit 2022 globaler Marketing- und Produkt-Manager für anorganische Salze bei BASF. Er studierte von 2007 bis 2013 Chemie an der Johannes‑Gutenberg‑Universität Mainz, der Universtität von Toronto/Kanada und am Max-Planck-Institut Dresden. Anschließend promovierte er von 2014 bis 2017 bei BASF und leitete danach eine Laborgruppe für anorganische Materialien.