Ludwigshafen

"Auf Flügeln des Gesanges"

Ton Koopman und Amsterdam Baroque Orchestra & Choir ©Foppe Schut

„Auf Flügeln des Gesanges“

Sie ist das älteste Musikinstrument überhaupt: die Stimme. Von Anbeginn der Menschheitsgeschichte begleitet der Gesang alle Kulturen dieser Welt, vom eisigen Nordpol bis zur abgelegenen Südseeinsel – als Ausdruck von Freude und Gemeinschaft, Trauer oder Trost. Der legendäre Geiger Yehudi Menuhin hat den Gesang einmal als die eigentliche Muttersprache des Menschen bezeichnet. Aber Singen ist weit mehr als eine kulturelle Tradition. Es wirkt sich erwiesenermaßen positiv auf Körper und Geist aus und trägt zu einem ganzheitlichen Wohlbefinden bei. Singen ist sozusagen die natürlichste und günstigste Ressource für Gesundheit und Lebensqualität.

Wer singt, atmet bewusster, tiefer und langsamer. Die Form der Atmung beim Singen ähnelt den Atemtechniken aus der Meditation. Wer singt, stärkt das Immunsystem. Insbesondere beim gemeinsamen Singen produziert der Körper vermehrt Immunglobuline und andere Botenstoffe, die die Abwehrkräfte unterstützen. Wer singt, trainiert Sprachfähigkeit, Gedächtnis und Konzentration. Wer singt, hat gute Laune. Denn beim Singen werden Glückshormone ausgeschüttet. Und das Allerwichtigste: Wer singt, ist nicht allein. Das Singen in Gruppen schafft Verbundenheit. Gemeinsam erlebte Rhythmen und Harmonien führen nicht nur Stimmen zusammen, sondern synchronisieren auch Herzfrequenzen und Gefühle. Singen ist das beste Gegenmittel gegen Einsamkeit.

Was sich heute wissenschaftlich belegen lässt, wird schon seit vielen Jahrhunderten aktiv gelebt. Deutschland verfügt über eine der vielfältigsten Chorlandschaften weltweit. Rund 60.000 Chöre sind hierzulande aktiv. Millionen Menschen singen regelmäßig, oft ehrenamtlich und mit großem Engagement, von der Laiengruppe bis zum professionellen Ensemble, vom Kinderchor bis zum Männergesangverein. Viele Chöre arbeiten zudem inklusiv, interkulturell und generationenübergreifend und beweisen damit, wie Musik Teilhabe ermöglicht und Räume für Begegnung schafft. In dieser Hinsicht ist die Chorlandschaft auch ein Spiegel der Zivilgesellschaft und der Chorgesang gelebte Demokratie. Jeder bringt sich ein, keiner dominiert, jede Stimme zählt, jede Stimme trägt und gemeinsam entsteht etwas Großes. Im Rahmen des Schwerpunkts „Auf Flügeln des Gesanges“ feiern wir eine Saison lang die menschliche Stimme in den unterschiedlichsten Facetten.

Dabei sind im Feierabendhaus drei große chorsinfonische Werke zu erleben, die inhaltlich verbunden sind in ihrem Streben nach Freiheit, Frieden und Menschlichkeit. Neben zwei der beliebtesten und bekanntesten Stücke klassischer Musik, dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach und der neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven, steht mit der „Friedensmesse“ des walisischen Komponisten Karl Jenkins ein dezidiertes Antikriegsstück auf dem Programm, das als Beitrag zum achtsamen Miteinander sowie als Aufruf zum interreligiösen Dialog verstanden werden soll. „The Armed Man: A Mass for Peace“, so der offizielle Titel des Werks, wurde 2000 in der Royal Albert Hall in London uraufgeführt. Jenkins nutzt darin die traditionelle katholische Messliturgie als Grundgerüst für eine Collage von religiösen und weltlichen Texten, darunter Zitate aus der Bibel, dem Koran und dem altindischen Epos Mahābhārata. Ein muslimischer Gebetsaufruf steht neben christlichen Gesängen, ein französisches Soldatenlied neben einem Text des japanischen Dichters Tōge Sankichi, der den Atombombenabwurf über Hiroshima überlebte. Das musikalische Spektrum reicht dabei von der Gregorianik bis zur Popmusik. Im Feierabendhaus wird die „Friedensmesse“ als Kooperationsprojekt von mehreren Institutionen aus der Metropolregion Rhein-Neckar realisiert. Beteiligt sind Sängerinnen und Sänger des BASF Gesangvereins, des Cäcilienchors Ludwigshafen, des Deutschen Rotary Chors sowie Musikerinnen und Musiker der Städtische Musikschule Ludwigshafen und das zum Teil aus Mitarbeitenden der BASF bestehende Orchester Die LUfoniker.

Eine weitere Besonderheit neben der einzigartigen Chorlandschaft, ist ein in dieser Ausprägung nur in Deutschland anzutreffendes Kulturgut, das Volkslied. Volkslieder wurden über Generationen hinweg weitergegeben und haben sich tief ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt. Sie sind Ausdruck kollektiver Erfahrungen, regionaler Identität und Vielfalt. Heute erlebt das Volkslied eine Renaissance, nicht zuletzt als musiktherapeutisches Mittel in der Demenzarbeit. Oder in Projekten, die alte Lieder neu interpretieren und mit modernen Elementen verbinden. Ein solches Projekt hat die BASF Kulturfabrik initiiert und das angesagte A-cappella-Ensemble Maybebop mit VokalGenial, einem Pop-Jazz-Chor aus der Pfalz, zusammengebracht. Gemeinsam entwickeln sie ein Programm mit traditionellen deutschen Volksliedern in raffinierten Arrangements und mitunter neuen Texten.

Dass es neben der Pflege des traditionellen Liedguts ebenso wichtig ist, dem bestehenden Kanon auch immer wieder neue Lieder hinzuzufügen, zeigt der Erfolg von Ida Barleben. Die Musikpädagogin und Chorleiterin, die sich als Singfluencerin bezeichnet, bringt mit ihren selbst komponierten Liedern seit einigen Jahren Bewegung in den Alltag vieler Kinder und Familien. Schließlich lassen sich alle denkbaren Situationen mit Liedern beschreiben und begleiten: Aufstehen, Wickeln, Kochen, Wetterbeobachtungen oder Geburtstagsfeiern. Dass Musik dabei helfen kann, die kleinen und großen Herausforderungen des Lebens voller Selbstvertrauen anzugehen, alltägliche Konflikte zu lösen und Gefühle zu verstehen, stellt Ida im Liederkasten mit ihrem Programm „Ein guter Tag“ im Feierabendhaus unter Beweis. Interessierte Pädagoginnen und Pädagogen von Grundschulen in Ludwigshafen haben zudem die Möglichkeit, im Vorfeld des Konzerts an einem kostenlosen Workshop von Ida Barleben teilzunehmen. Darin gibt sie praktische Tipps und kreative Spielanleitungen für die musikalische Umsetzung der Lieder in der Schule und stellt darüber hinaus Lied- und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung.

Die einfachste Art und Weise, die Kraft des gemeinsamen Singens am eigenen Leib zu verspüren, ohne gleich in einen Chor eintreten zu müssen, bietet sich bei unseren Sing-alongs. Auch in dieser Saison gibt es wieder zwei Ausgaben des beliebten Mitsingevents im Feierabendhaus. Dabei darf nach Lust und Laune, gerne laut und manchmal schräg, geschmettert werden, was die Stimmbänder hergeben. Die Texte werden auf eine Leinwand projiziert. Musikalische Unterstützung gibt es von der Fire Evening House Band und dem ein oder anderen Überraschungsgast. Neben dem schon traditionellen Weihnachtskonzert wird es auch einen Abend mit „Evergreens“ geben. Wer den immergrünen Hits vergangener Jahrzehnte neues Leben einhauchen möchte, von „Griechischer Wein“ bis „Ein bisschen Frieden“, von „Du hast den Farbfilm vergessen“ bis „Über sieben Brücken musst du gehen“, der ist hier genau richtig.

Konzerte im Überblick

Karl Jenkins:
"The Armed Man: A Mass for Peace"
Ein Kooperationsprojekt von BASF Gesangverein, BASF Kulturfabrik, Cäcilienchor Ludwigshafen, Deutscher Rotary Chor, LUfoniker, Städtische Musikschule Ludwigshafen

So, 11. Okt 26
17:00 Uhr
BASF Feierabendhaus
Ida im Liederkasten
"Ein guter Tag"
So, 23. Mai 27, 15:00 Uhr (Familienkonzert)
Mo, 24.Mai 27, 10:00 Uhr (Schulkonzert)
BASF Feierabendhaus