Ludwigshafen

Themenschwerpunkt "Beethoven_200"

Florian Heinisch ©Thomas Leidig

Beethoven_200

Ludwig van Beethoven, 1770 in Bonn als Sohn eines Sängers geboren, zählt ohne jeden Zweifel zu den herausragenden Persönlichkeiten der Musikgeschichte. Er war ein Revolutionär, der an die Macht des Individuums glaubte und sich als einer der ersten seiner Zunft als unabhängiger Künstler verstand. Ein Mensch, der sich weder gesellschaftlichen Konventionen noch aristokratischer Bevormundung unterordnete. Ein kompromissloser Freigeist, ein Kind der Aufklärung, ein überzeugter Humanist, der kämpfte, wenn es nötig war: gegen überholte Normen und Schranken, gegen die Regeln der Musik, gegen seine eigenen Leiden und Krankheiten.

Der Mensch Ludwig van Beethoven hatte, wenn man den Überlieferungen glauben darf, so seine Marotten. Als leidenschaftlicher Kaffeetrinker war er wenig flexibel – die Tasse musste exakt 60 Bohnen enthalten, die er stets selbst abzuzählen pflegte. Als Mieter war er nicht besonders wohlgelitten – insgesamt 68 Mal wechselte er allein in Wien die Wohnung. Sein Charakter dürfte mit exzentrisch noch wohlwollend umschrieben sein. Andere Quellen sprechen von einem ausgeprägten und weithin gefürchteten Jähzorn. Das musste auch Jospeh Haydn, Ende des 18. Jahrhunderts immerhin der angesehenste Komponist seiner Zeit und für einige Jahre auch Lehrer Beethovens, am eigenen Leib erfahren. Nach einer von Haydn geäußerten Kritik an einer seiner Kompositionen, soll Beethoven gesagt haben, dass er von diesem Lehrer ohnehin „nie etwas gelernt habe“ und heimlich bei einem anderen Tonsetzer Unterricht genommen haben.

Als ein Adliger ihn einmal entrüstet fragte: „Wissen Sie nicht, mit wem Sie sprechen? Ich bin ein Fürst!“, entgegnete er nur schlicht: „Und ich bin Beethoven!“ Hinter dessen Namenszusatz, dem niederländischem „van“, verbirgt sich dagegen mitnichten ein Adelsprädikat, es verweist lediglich auf den Herkunftsort des Trägers, was Beethoven jedoch nicht daran hinderte, sich selbst für blaublütig zu halten.

Musikhistorisch betrachtet markiert sein Werk einen Wendepunkt. Beethoven sprengte die Grenzen der klassischen Form und öffnete die Tür zur Romantik. Vor allem aber ist Beethovens Musik – obwohl ihm selbst persönliches Glück zeitlebens weitgehend versagt geblieben ist – zutiefst menschlich. Vermutlich liegt genau darin der Grund, weshalb sie uns auch 200 Jahre nach seinem Tod so unmittelbar berührt.

In insgesamt neun Veranstaltungen, die teilweise von Einführungsvorträgen und Konzertmoderationen begleitet werden, beleuchten wir mit unserem Themenschwerpunkt das „Phänomen Beethoven“.

Natürlich darf da die neunte Sinfonie mit der berühmten „Ode an die Freude“ nicht fehlen, jenes Manifest für Freiheit, Brüderlichkeit und musikalisches Symbol für Einheit und Frieden, das nicht von ungefähr zur Europa-Hymne ernannt wurde. Aber auch Musik, die man vielleicht nicht unmittelbar im Ohr hat, wie die Sinfonie Nr. 4 in B-Dur, gilt es (neu) zu entdecken. Die „unbekannte Schöne“ steht immer ein wenig und völlig zu Unrecht im Schatten der sie umrahmenden, ungleich bekannteren Sinfonien, der „Eroica“ sowie der „Schicksalssinfonie“. Liebhaber der Kammermusik freuen sich auf ausgewählte Meisterwerke wie das „Gassenhauer-Trio“, die „Kreutzer-Sonate“ oder das Septett für Streicher und Bläser. Und Klavierenthusiasten kommen bei Repertoireklassikern wie der „Mondscheinsonate“, der „Waldstein-Sonate“ oder der „Pathétique“ auf ihre Kosten.

Für die Nachwelt war Beethoven weniger Maßstab, als vielmehr Herausforderung und scheinbar unüberwindbares Vorbild. Im 19. Jahrhundert entstand ein regelrechter Geniekult um den Komponisten, der zu einer der am intensivsten mythologisierten Persönlichkeiten der Musikgeschichte zählen dürfte. Karikaturen, Biografien und Feuilletons stilisierten ihn als einsamen Prometheus-Helden. In der Bildhauerei wurde er als Titan dargestellt. Franz Schubert, der bei der Beerdigung Beethovens zu den Fackelträgern gehörte, trug angeblich ein Manuskript von Beethovens Streichquartetten bei sich, als er starb. Legendär ist die „Last des Erbes“, die Beethovens Musik für Johannes Brahms bedeutete. Erst mit 46 Jahren und nach über zwanzig Jahren selbstkritischer Arbeit daran, traute sich dieser endlich, seine erste Sinfonie zu veröffentlichen. Zu groß war zuvor „der Schatten des Riesen“, den er hinter sich zu spüren glaubte.

Und was kann uns Ludwig van Beethoven heute noch sagen? Wie gehen Musikerinnen und Musiker unserer Zeit mit dem „Erbe des Titanen“ um? Dies ausgerechnet eine Schlagzeugerin zu fragen, ist vielleicht nicht unbedingt naheliegend, birgt aber spannende Möglichkeiten. Im Auftrag der BASF Kulturfabrik hat Leonie Klein das „BeethovenExotikum“ entwickelt, ein interaktives Hörspiel-Konzert, das im Januar 2027 im Gesellschaftshaus seine Uraufführung erlebt. Kritiker attestieren der Schlagzeugerin, die sich ganz bewusst Konzertgestalterin nennt, „technische Perfektion“ und eine „fesselnde Performance“. Das Publikum zu überraschen, ist eines ihrer großen Ziele, es aufzuschließen für die Neue Musik und zum Mitmachen zu bewegen, ein weiteres. „Die Zukunft der Klassik entscheidet sich dort, wo Unsicherheit zugelassen wird. Wenn es darum geht, den Klassikbetrieb zukunftsfähig zu machen, heißt meine Devise: Raus aus der Komfortzone! Rein ins Spannungsfeld von Tradition und Experiment – getrieben von dem Wunsch und mit der Überzeugung, nicht zu konservieren, sondern zu konfrontieren – mit der Welt von heute.“

Konzerte im Überblick

"BeethovenExotikum"
Interaktives Hörspiel-Konzert - Uraufführung
Leonie Klein, Schlagzeug

Do, 28. Jan 27
19:30 Uhr
BASF Gesellschaftshaus
"Konzert ohne Orchester"
"Kreutzer-Sonate" Nr. 9 A-Dur op.47
Clarissa Bevilacqua, Violine
Martina Consonni, Klavier

So, 07. Feb 27
11:00 Uhr
BASF Gesellschaftshaus
"Sieben auf einem Streich"
Septett Es-Dur op. 20
Franziska Hölscher & Friends

So, 14. Mär 27
11:00 Uhr
BASF Gesellschaftshaus