Ludwigshafen

Porträt Daniel Ottensamer

Daniel Ottensamer ©Andrej Grilc

Porträt Daniel Ottensamer

Als Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker konzertiert Daniel Ottensamer in den wichtigsten Musikzentren der Welt. Als Solist und Kammermusiker arbeitete er mit Künstlerpersönlichkeiten wie Daniel Barenboim, Sir András Schiff oder Bobby McFerrin zusammen. Als Mitglied der Philharmonix begibt er sich erfolgreich auf Grenzgänge ins unterhaltsame Fach. Das Künstlerporträt der BASF Kulturfabrik stellt den Österreicher in seiner ganzen Bandbreite vor. Thomas Bufler hat mit ihm gesprochen.

Herr Ottensamer, in der kommenden Saison führt Sie Ihr Konzertkalender gleich vier Mal nach Ludwigshafen. Haben Sie eine Verbindung zur Metropolregion Rhein-Neckar?   

Tatsächlich fühle ich eine sehr enge Verbindung zu dieser Region, da meine ersten solistischen Auftritte hier stattfanden. Seither gastiere ich immer wieder in dieser Gegend und genieße sowohl die Herzlichkeit der Menschen, als auch das Interesse an der klassischen Musik.

Die Frage zielt natürlich auch auf die musikhistorische Bedeutung der Stadt Mannheim ab. Immerhin hat Mozart hier 1778 die Klarinette kennen und lieben gelernt. Mit dem Klarinettenkonzert und dem Klarinettenquintett stammen zwei der schönsten Werke klassischer Musik aus seiner Feder. Beide werden Sie im BASF Feierabendhaus zu Gehör bringen. Was bedeutet Ihnen Mozart?  

Wolfgang Amadeus Mozart ist auch für die Klarinette eine prägende Figur in der Musikgeschichte. Ohne Mozart wäre dieses Instrument weder im Orchester, noch solistisch so präsent. Die beiden angesprochenen Werke gehören für jeden Klarinettisten zum Kernrepertoire, nehmen aber auch im gesamten Kosmos der klassischen Musik einen großen Stellenwert ein. Ich genieße jede Aufführung dieser wunderbaren Stücke.

Sie sind in die Fußstapfen Ihres Vaters getreten, der ebenfalls Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker war. Ihr Bruder hatte dieselbe Position bei den Berliner Philharmonikern inne. Führte an der Klarinette bei Ihnen zuhause tatsächlich kein Weg vorbei oder wären Sie eigentlich viel lieber Schlagzeuger geworden?

Mein Vater hat den Beruf des Klarinettisten ungemein positiv vorgelebt. Ich hatte immer das Gefühl, Klarinettist zu sein, ist der schönste Beruf der Welt. Daher führte für mich tatsächlich kein Weg daran vorbei, dieses Instrument zu erlernen und diesen Weg zu gehen. Meine Eltern haben hier aber keinen Druck ausgeübt, sondern vielmehr versucht, uns auch andere Berufswege aufzuzeigen, um eine überlegte Entscheidung treffen zu können. Die Wahl für den Musikerberuf, fiel dann aufgrund meiner Begeisterung für das Musizieren.

Wie würden Sie reagieren, wenn eines Ihrer Kinder den Wunsch äußern sollte, ebenfalls Profimusiker werden zu wollen?

Es ist bereits so weit. Mein ältester Sohn hatte schon seit geraumer Zeit den Wunsch, Klarinette zu spielen. Er lernt nun bereits seit drei Jahren bei meinem ersten Lehrer und ich spüre seine große Begeisterung für das Instrument und die Welt der Musik. Ich versuche, ähnlich wie mein Vater, diese Leidenschaft zu fördern und ihm die Freiheit zu lassen, diese Welt für sich zu entdecken. Ob er dann tatsächlich Berufsmusiker wird, steht noch in den Sternen.

Die Rollen, und auch die Freiheiten, die man als Orchestermusiker, in der Kammermusik oder in einem Ensemble wie den „Philharmonix“ hat, unterscheiden sich stark. Wie schafft man es, da die Balance zu halten zwischen kollektiver Disziplin, individueller Ausdruckskraft und humoristischem Virtuosentum?

Die Klarinette ist ein enorm vielseitiges Instrument. Dies ermöglicht es einem, in verschiedene musikalische Bereiche vorzustoßen. Diese Variabilität ist für mich in meinem künstlerischen Wirken entscheidend. Ohne der Balance zwischen dem Spielen bei den Wiener Philharmonikern, in meinem Ensemble „Philharmonix“ oder als Solist, könnte ich mir ein Dasein als Künstler kaum vorstellen. Tatsächlich ist das „Springen“ zwischen diesen Genres für die verschiedenen Stile sehr befruchtend.

Klassik darf auch Spaß machen – und muss deswegen nicht oberflächlich sein. Mit den Philharmonix verbinden Sie das Beste aus zwei Welten, bauen Brücken zwischen Epochen, Stilen und Publikumsschichten. Ist das für Sie ein Weg, den Kern der klassischen Musik zu bewahren und sie gleichzeitig in die Zukunft zu führen?

Um ehrlich zu sein, wollen wir mit den Philharmonix primär Spaß haben und Grenzen ausloten. Wir sind mit Begeisterung klassische Musiker, lieben aber auch Musik aus anderen Bereichen – und mit diesem Ensemble haben wir die Möglichkeit, diese Musik zu schreiben und sie dann mit unserem Publikum zu teilen. Wenn dies bewirkt, dass mehr Menschen in unsere Konzerte kommen, die sich sonst vor einer langen Wagner-Oper oder einer Sinfonie von Gustav Mahler scheuen, dann freuen wir uns darüber und hoffen, dass wir alle gemeinsam eine gute Zeit haben.

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