A road through a lush green forest with a white line that appears three-dimensional. In the middle of the street, there are brown fiber bonds on a glass pane.
20. Mai 2026

Medien

Mit Hanf auf den Highway

Ob Hanf, Bambus oder recycelte Baumwolltextilien: Aus Naturfasern lässt sich ein überraschend stabiles Material herstellen – wenn der richtige Binder sie zusammenhält. In diesem Gespräch erklären die Faser-Experten von BASF, Dr. Thorsten Habeck und Shengzhong Zhou, PhD, wie eine BASF-Lösung robuste Faser-Werkstoffe ermöglicht und wo wir ihnen im Alltag begegnen. Hier können Sie das Interview als Podcast hören.    

Was ist an Fasern so spannend – warum investieren Unternehmen in sie? 

Thorsten Habeck: Fasern sind leicht, weit verbreitet – und im Fall von Naturfasern zudem nachwachsend. Richtig interessant wird es, wenn man sie „veredelt“ und zu einem technischen Werkstoff macht: nicht mehr weich wie ein Vliesstoff, sondern steif wie eine Platte – und trotzdem gut formbar.

Dr. Thorsten Habeck ist seit April 2021 Business Director, Fiber Bonding Europe, Middle East & Africa bei BASF.
Dr. Thorsten Habeck ist Business Director Fiber Bonding Europe, Middle East and Africa bei BASF.
ist Business Director für BASF’s Adhesives and Fiber Bonding Division in Asien-Pazifik.
Shengzhong Zhou, PhD, ist Business Director für BASF’s Adhesives and Fiber Bonding Division in Asien-Pazifik.

Wo begegnen uns Faserwerkstoffe im Alltag? 

Shengzhong Zhou: Zum Beispiel im Auto, etwa bei Türverkleidungen oder Armaturenbrettern. Ein weiteres interessantes Feld sind Möbel – insbesondere leichte Bauteile mit gebogenen Formen. Außerdem gibt es Anwendungen wie Aufbewahrungsbehälter, Kleiderbügel oder Koffer.

Welche Lösungen bietet BASF für Naturfasern?  

TH: Wir haben den wasserbasierten Binder Acrodur® entwickelt, der Naturfaser-Werkstoffe stark genug macht, um traditionelle Materialien wie Kunststoff zu ersetzen. Er funktioniert wie ein spezieller „Klebstoff“, der Fasern verbindet und sie in feste, langlebige Materialien verwandelt.

Welche Fasern eignen sich am besten für diesen Ansatz?

SZ: Wir arbeiten mit unterschiedlichen Fasern – zum Beispiel Hanf und Bambus, aber auch mit Fasern aus Textilresten, die Baumwolle enthalten. Je nach Anwendung können auch Recyclingfasern – zum Beispiel aus PET – eine Rolle spielen. Der Vorteil ist die Flexibilität: Das Konzept lässt sich an regionale Rohstoffströme anpassen.

Grafik zeigt Autoteile, die man mit Acrodur herstellen kann.
Mit Naturfasern lassen sich stabile, leichte Autoteile herstellen.
Matten aus Naturfasern und Acrodur.
Werkstoffe aus Naturfasern sind leicht und gleichzeitig robust. 

Welche Vorteile bietet Acrodur?

TH: Ein wichtiger Punkt ist, dass es wasserbasiert ist: Das verringert Geruch und flüchtige organische Verbindungen (VOCs) während der Verarbeitung und verbessert so die Luftqualität im Innenbereich. Zudem haben Acrodur-Naturfaserverbunde eine geringe Dichte, bieten aber dennoch gute Festigkeit und Steifigkeit: Für die gleiche Leistung kann man oft weniger Material einsetzen – und damit ein leichteres Bauteil realisieren.

Warum ist Acrodur eine nachhaltige Lösung?  

SZ: Acrodur dringt sehr gut in Faserstrukturen ein. Dadurch sind hohe Faseranteile möglich – häufig etwa 70 bis 90 Prozent. So werden weniger fossile Rohstoffe benötigt. Auch ihre Leichtigkeit ist ein Vorteil: Das ist zum Beispiel in der Automobilindustrie entscheidend, weil geringeres Gewicht die Gesamteffizienz verbessern kann – besonders bei Elektroautos, bei denen das Batteriesystem relativ viel wiegt. Ist das Auto leichter, verbraucht es weniger Treibstoff und emittiert somit auch weniger CO2.

Elektroauto beim Tanken. 
Für die Effizienz von Elektroautos sind leichte Bauteile entscheidend.  

Acrodur-Naturfaserverbunde können negative CO2-Emissionen aufweisen. Wie ist das möglich?

TH: Naturfasern speichern Kohlenstoff, während sie wachsen. Hanf kann zum Beispiel pro Kilogramm geernteter Faser rund 1,5 Kilogramm CO2 binden. Da die Verbundwerkstoffe typischerweise etwa 75 bis 90 Prozent Faser enthalten, macht das viel aus. Der Binder selbst ist natürlich nicht CO2-negativ, aber betrachtet man den gesamten Verbund, kann der hohe Faseranteil das Material insgesamt mindestens CO2-neutral machen – und in manchen Fällen sogar besser, abhängig vom vollständigen Lebenszyklus.

2025 gewann der Future Chair aus Bambusfasern und Acrodur den Preis "Golden Axe China" für Innovation und Design. Wird er in Serie gehen?

Das streben wir an – und es ist ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie dieses Material zu einem echten Konsumprodukt werden kann. Derzeit feilen wir noch an bestimmten Aspekten wie der Form oder Dicke. Unsere Zielmärkte sind Australien, Neuseeland und Japan. 

Bild des blauen Future Chairs.
Der Future Chair wurde mit dem chinesischen Design-Unterehmen XUE entwickelt. 

Dr. Thorsten Habeck ist seit April 2021 Business Director, Fiber Bonding Europe, Middle East & Africa bei BASF. Seine Laufbahn bei BASF umfasst Führungspositionen in strategischer Beschaffung, Marketing, globalem Key Account Management und Produktion. Habeck promovierte in Chemie an der Universität Kiel und begann seine Karriere 1995 in der Forschung bei BASF.

Shengzhong Zhou, PhD, ist Business Director für BASF’s Adhesives and Fiber Bonding Division in Asien-Pazifik. Er promovierte 2011 in Chemie am Institut für Chemieingenieurwesen des Imperial College London. Im selben Jahr begann Zhou seine Karriere bei BASF, und seit über einem Jahrzehnt hatte er verschiedene Führungspositionen in Forschung, Vertrieb und Marketing inne. Er hat einen Masterabschluss in Polymer Materials Processing Engineering von der Tongji University in Shanghai/China sowie einen Bachelorabschluss in Polymer Material Science and Engineering von der Nanjing University of Technology in China.