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10. Mai 2019
Global
Nachhaltigkeit

Mit dem Massenbilanz-Ansatz zur Kreislaufwirtschaft: BASF schließt sich mit Mitgliedern des CE100-Netzwerk der Ellen MacArthur Stiftung zur Veröffentlichung eines Eckpunktepapiers zusammen

10.05.2019

 

BASF hat sich mit Organisationsmitgliedern des CE100-Netzwerks (zum Thema Kreislaufwirtschaft) der Ellen MacArthur Stiftung in einem gemeinsamen Projekt (co.project) zusammengeschlossen, um chemisches Recycling mithilfe des Massenbilanz-Ansatzes zu fördern. Das Eckpunktepaper mit dem Titel “Enabling a circular economy for chemicals with the mass balance approach” ist ein Ergebnis des co.project zum Thema „Massenbilanz“, zu dem BASF-Nachhaltigkeitsexperten und andere Unternehmen beigetragen haben. Diese Projekte sind eine Gelegenheit, Ideen in einem vor-wettbewerblichen Zusammenhang zu prüfen, um allgemeine Hindernisse zu überwinden und das Veränderungstempo zu erhöhen. Sie werden von Mitgliedsorganisationen des CE100-Netzwerks der Ellen MacArthur Foundation ins Leben gerufen und geleitet.

 

Das gemeinsame Dokument adressiert die spezifische Situation der chemischen Industrie und ihrer Kunden beim Übergang zur Kreislaufwirtschaft. Darin heißt es, dass die aktuellen Recyclingquoten bedeutender chemischer Produkte derzeit sehr gering sind, zum Beispiel weltweit 9% für Kunststoff. Die Rückgewinnung von chemischen Produkten ist keine leichte Aufgabe, da Chemikalien wie Additive, Farben und Klebstoffe oft in komplexen Kombinationen genutzt werden. Allerdings verlangen Kunden und Aufsichtsbehörden nach höheren Recyclingquoten. Für eine Reihe von Chemikalien existieren schon wirtschaftliche Lösungen. „Das Ziel dieses Eckdatenpapiers ist es, den Übergang von einer Wegwerfgesellschaft zu einer Kreislaufwirtschaft zu unterstützen. Dadurch kann das Wachstum vom fossilen Ressourcenverbrauch entkoppelt werden. Wir möchten weniger Plastikmüll auf den Abfalldeponien und Müllverbrennungsanlagen, eine geringere Nutzung fossiler Rohstoffe, und eine funktionsfähige Kreislaufwirtschaft in den Wertschöpfungsketten der Industrie“, erklärt Andreas Kicherer, Nachhaltigkeitsexperte der BASF.

Eine der Möglichkeiten besteht darin, die komplexen, vermischten und verunreinigten Produkte in einfachere Chemikalien zu brechen, welche als Ausgangsmaterial für neue Produkte verwendet werden können. Eine wirtschaftliche Lösung aus Investorensichtweise ist die Einbindung dieser Prozesse in die vorhandene Chemie-Infrastruktur, die weltweit über Investitionen im Wert von $2,5 Trilliarden verfügt. Allerdings wird das recycelte Ausgangsmaterial im chemischen Produktionsprozess nicht physisch von den anderen Rohmaterialien getrennt. 

Nach dem Massenbilanz-Prinzip werden fossile Ressourcen schon zu Beginn des Produktionsprozesses durch nachhaltige Biomasse ersetzt. Der zugeführte Anteil an erneuerbaren Rohstoffen wird dem neuen Produkt zugeordnet. Bildquelle: “Enabling a circular economy for chemicals with the mass balance approach”.

Dies unterscheidet sich nicht von anderen existierende Massenbilanz-Ansätzen, bei denen zum Beispiel Zertifizierungen von Holzfasern den nachhaltigen Ursprung belegen. Das Eckdatenpapier schlägt die Entwicklung eines Standards für den Massenbilanz-Ansatz in der chemischen Industrie vor. „Massenbilanz ist ein Ansatz, der uns dabei hilft, den Materialfluss durch unsere komplexe Wertschöpfungskette nachzuverfolgen. Vergleichen Sie es mit “grünem” Strom: Kunden können grünen Strom vom Netz kaufen, ohne ein Windrad in ihrem Garten stehen zu haben“, erklärt Kicherer.

Das Massenbilanz-Prinzip wird schon seit einigen Jahren von BASF für Biomassen-Rohmaterialien (Biomassenbilanz-Ansatz) angewandt. Bei diesem Ansatz werden die fossilen Ressourcen schon zu Beginn des Produktionsprozesses durch nachhaltige Biomasse ersetzt. Der zugeführte Anteil an erneuerbaren Rohstoffen wird dem neuen Produkt zugeordnet. Dieser Prozess ist von einer unabhängigen Institution zertifiziert.

Basierend auf diesen Berechnungen können bis zu 100% der fossilen Ressourcen durch erneuerbare Rohstoffe ersetzt werden. Die Nutzung von erneuerbaren Rohstoffen hilft beim Einsparen fossiler Ressourcen und kann zur Verringerung von Treibhausgasemissionen beitragen.

 

Video (auf Englisch): Der Biomassenbilanz-Ansatz der BASF

„Das neue Eckdatenpapier zur Massenbilanz wird die chemische Industrie ermutigen, den Massenbilanzansatz auch auf recycelte Rohstoffe anzuwenden“, sagt Kicherer. Das ChemCycling-Projekt der BASF, in dem recycelte Ausgangsstoffe aus Plastikmüll genutzt werden, ist derzeit in der Pilotphase. Beim chemischen Recycling werden die langen Molekülketten von Kunststoff durch verschiedene Technologien, wie zum Beispiel Pyrolyse, in ihre Grundbausteine aufgebrochen. Das aus dem thermochemischen Prozess gewonnene Öl kann für die Produktion neuer Kunststoffe genutzt werden und fossile Rohstoffe wie Naphtha ersetzen. Chemisches Recycling von Kunststoffen kann die Kunststoffmenge, die auf Mülldeponien landet oder thermisch verwertet wird, verringern.

Weitere Mitwirkende an dem Projekt sind die Experten und Mitglieder des CE100-Netzwerks der Ellen MacArthur Stiftung, Eastman, Michelin, Schneider Electric, Solvay, Tarkett, UL, and UPM-Raflatac.

BASF ist seit 2017 Mitglied der Programme „Circular Economy 100” und „New Plastics Economy” der Ellen MacArthur Stiftung. Damit sollen die Lösungen für die Kreislaufwirtschaft weiter vorangetrieben werden.  

Letzte Aktualisierung 5. September 2019