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3. Juni 2019
Global
Nachhaltigkeit

Klimaschutz: Interview mit Martin Brudermüller

03.06.2019

BASF hat sich im Rahmen der Unternehmensstrategie neue Klimaschutzziele gesetzt und im Januar ein „Carbon Management“-Forschungsprogramm bekannt gegeben. Lesen Sie hierzu ein Interview mit Martin Brudermüller, dem Vorstandsvorsitzenden und Chief Technology Officer der BASF.

Dr. Martin Brudermüller

Herr Brudermüller, Hand aufs Herz: Wie ernst ist es BASF mit dem Klimaschutz?

Das ist uns sehr ernst. Wir sehen die Folgen des Klimawandels doch schon heute beinahe jeden Tag. Es ist unsere unternehmerische Verantwortung, hier unseren Beitrag zu leisten. Und es gibt beim Klimaschutz auch Geschäftschancen für BASF.

Die Anforderungen an uns, CO2 weiter zu reduzieren, werden steigen. Das fordert die Gesellschaft und die Politik ein. Und übrigens auch immer mehr der Kapitalmarkt. Mit neuen emissions-ärmeren Technologien behalten wir dann auch unsere „License to Operate“. Darauf bereiten wir uns vor.

Dennoch hat BASF in der Strategie keine Senkung der Klimagasemissionen angepeilt, sondern nur, dass sie nicht weiter steigen…

…und das ist ein ausgesprochen ambitioniertes Ziel, für das wir uns richtig anstrengen müssen. Und zwar aus folgenden Gründen.

Erstens: BASF hat ihre gesamten weltweiten Klimagasemissionen von 1990 bis heute bereits halbiert und zugleich die Produktionsmenge verdoppelt. Die Kehrseite dieser tollen Leistung ist, dass wir unsere Anlagen bereits hochoptimiert haben und jede weitere Verbesserung immer aufwändiger wird.

Zweitens: Wir wollen bis 2030 ja noch einmal ordentlich wachsen. Das bedeutet: Die Produktionsmenge wird weiter steigen. Wenn wir die Klimagasemissionen konstant halten wollen, dann müssen wir die Emissionen pro Tonne Verkaufsprodukt noch einmal deutlich senken. 

Und das ist nicht einfach.

Wie schafft BASF das?

Um unser 2030-Ziel zu erreichen sehe ich zwei Ansatzpunkte:

Zum einen: Operational Excellence. Wir müssen in unseren Anlagen und Prozessen noch energieeffizienter werden. Um dies noch stärker zu fördern und unsere Betriebe zu unterstützen, werden wir in den nächsten Jahren noch einmal deutlich mehr Geld investieren.

Zum anderen werden wir den zugekauften Strom künftig verstärkt aus erneuerbaren Energiequellen beziehen. Hier liegt ein großes Potenzial, denn Chemie braucht Energie und die größten CO2-Quellen der chemischen Industrie sind bis jetzt fossile Brennstoffe.

Welche Rolle spielt das im Januar vorgestellte „Carbon Management“  Forschungsprogramm der BASF für den Klimaschutz?

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprogramm ist die dritte Säule unseres Carbon Managements neben den beiden genannten. Hier geht es darum: Wie kommen wir beim Klimaschutz nach 2030 weiter voran, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind? Dann brauchen wir Technologiesprünge, echte "Game Changer", um die Klimagasemissionen weiter zu verringern. 

Woran forscht BASF?

Wir entwickeln neue emissionsarme Verfahren für unsere größten CO2-Quellen. Dies sind in erster Linie unsere Basisprodukte, wie die Olefine aus unseren Steamcrackern, Wasserstoff oder Methanol. 

Gibt es schon erste konkrete Ergebnisse?

Ich freue mich sehr, hier tatsächlich schon Erfolge vermelden zu können: Wir haben – übrigens mit Hilfe unseres Supercomputers Quriosity – neue Katalysatorsysteme entwickelt, die CO2 zusammen mit Methan zu Syngas, also zu einem Wertprodukt umsetzen. Damit kann die Syngas-Anlage beispielsweise die CO2-Emission von Steamcrackern als Rohstoff wiederverwerten. 

Diese Systeme werden bereits in den Markt eingeführt. Wir vermarkten sie gemeinsam mit Linde. Außerdem haben wir jetzt ein Verfahren zur treibhausgasfreien Herstellung von Methanol zum Patent angemeldet. Das sind Beispiele dafür, was wir mit unserem Forschungsprogramm erreichen wollen: Es geht um grundlegend neue Technologien, die das Potenzial haben, die Chemieproduktion in Richtung Klimaschutz zu revolutionieren. Die BASF hat den Anspruch, Vorreiter der Branche beim Klimaschutz zu sein und genau darauf zielt unser Carbon Management ab.

Letzte Aktualisierung 5. September 2019