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Nachhaltigkeit

FAQ

Die Ökoeffizienz-Analyse ist ein Instrument zur ganzheitlichen, vergleichenden Beurteilung von Produkten und Prozessen. Die Ökoeffizienz-Analyse überprüft den Lebensweg eines Produktes/ Prozesses von der Wiege bis zur Bahre, also von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung und Verwendung des Produkts bis zur Entsorgung.

Grafik: Lebenszyklus

In der Betrachtung werden sowohl ökonomische als auch ökologische Vor- und Nachteile von mehreren vergleichbaren Lösungen gegenübergestellt. Dabei geht es nicht um den abstrakten Vergleich von Produkten oder Prozessen, sondern um konkrete Anwendungen. So werden beispielsweise verschiedene Möglichkeiten für die „Lackierung eines Quadratmeters Möbelfront“ verglichen.

Die Ökoeffizienz-Analyse hilft, Nachhaltigkeit messbar zu machen: Bei der Methode handelt es sich um ein umfassendes, modernes, strategisches Werkzeug für Entscheidungsträger und Kunden. Sie betrachtet sowohl Umwelteffekte als auch ökonomische Faktoren und gewährleistet so eine Balance zwischen Ökologie und Ökonomie. So ist es möglich, wirklich nachhaltige Lösungen zu finden.

Im Fokus steht immer der konkrete Kundennutzen. Dieser wird am Anfang jeder Analyse definiert, zusammen mit den möglichen Produkten oder Prozessen (Alternativen), die diesen Kundennutzen erfüllen. Danach werden die Systemgrenzen (die Untersuchungsrahmen) der Studie definiert und für alle relevanten Stoffe und Prozesse innerhalb der Systemgrenzen werden Ökoprofile berechnet. Damit ist es möglich, die Umweltauswirkung jeder einzelnen Alternative unter Berücksichtigung einer Vielzahl von detaillierten Einzelkriterien zu berechnen (Ökobilanz).

Ein Beispiel: Bei einer Ökoeffizienz-Analyse zu Geschirrspültabletten mit Inhaltsstoffen der BASF wurde ein neues Produkt mit Produkt-Neuentwicklungen und weiteren Wettbewerbstechnologien verglichen. Die Frage lautete: Welche Alternative ist die nachhaltigere Lösung um 100 Geschirrspülgänge durchzuführen (Kundennutzen)? Mittels der Analyse kann man beispielsweise folgende Fragen beantworten: Welche Energie ist notwendig, welche Emissionen und Abfälle entstehen und wie sind die Spülergebnisse vergleichbar?

Ökoeffizient sind Problemlösungen, die diesen Kundennutzen aus Kosten- und Umweltsicht besser erfüllen als andere. Prozessstufen, die vor oder nach der eigenen Produktion liegen, werden gleichrangig mit den unternehmensinternen Prozessen untersucht. So wird untersucht, welche Belastungen für die Umwelt bei der Herstellung eines Produktes entstehen. Ebenfalls analysiert werden das Gebrauchsverhalten der Konsumenten sowie die verschiedenen Möglichkeiten der Wiederverwendung und Entsorgung.

Die Analyse zeigte, dass die neuen von der BASF entwickelten Aminocarboxylate als Inhaltsstoff eine niedrigere Umweltbelastung aufweisen, als die Alternativen, die Phosphate einsetzen. Die schlechtere Umweltbilanz von Phosphat resultiert aus dem höheren Rohstoffverbrauch und den größeren Emissionen (Wasseremissionen und fester Abfall).

Die Umwelteinwirkung wird anhand von folgenden Kategorien beschrieben, die den sogenannten "ökologischen Fingerabdruck" ergeben:

  • Abiotischer Rohstoffverbrauch
  • Konsumptiver Wasserverbrauch
  • Flächenbedarf
  • Humantoxizität
  • Eutrophierung (EP)
  • Versauerungspotenzial (AP)
  • Ozonzerstörungspotenzial (ODP)
  • Photochemisches Ozonbildungspotenzial (POCP)
  • Treibhausgaspotenzial (GWP)

Der "ökologischen Fingerabdruck" zeigt, an welcher Stelle welche Alternative (Produkt oder Prozess) Stärken und Schwächen hat. Auf diese Weise beschreibt die Ökoeffizienz-Analyse nicht nur den Ist-Zustand, sondern legt auch die entscheidenden Einflussfaktoren offen.

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Die Gesamtumweltbelastung der Alternativen berechnet sich anschließend aus dem "ökologischen Fingerabdruck" mittels Gewichtungsfaktoren. Diese wurden durch Umfragen erhoben, die TNS Infratest im Auftrag der BASF durchgeführt hat.

Parallel hierzu werden Daten zur Wirtschaftlichkeit eines Produkts oder Prozesses zusammengetragen: Zunächst erfolgt für die alternativ einsetzbaren Produkte eine Gesamtkostenrechnung. Kostentreibende Schwachstellen und Potentiale für Kostensenkungen lassen sich auf diese Weise leicht erkennen.

Die beiden Werte für die Gesamtumweltbelastung und die Gesamtkosten werden im Anschluss in einem einfach verständlichen Ökoeffizienz-Portfolio aufgeführt. Daraus lassen sich die ökoeffizientesten Produkte sowie Aussagen über die relative Kosten- und Umweltbelastung leicht ablesen. Außerdem können Szenarien erstellt werden.

chart-oekoeffizienz-portfolio.jpg

Grafik: Seebalance

Im Ökoprofil (Life Cycle Inventory) werden relevante Emissionen, Stoff- und Energieströme (Inputs und Outputs) entlang des Lebensweges der Produkte systematisch in einer Sachbilanz zusammengetragen (cradle-to-grave). Bei Einzelprodukten oder Prozessschritten können die Systemgrenzen auch enger gezogen werden, man erhält dann Aussagen zum Bilanzraum „Cradle-to-gate“.

Eine Ökobilanz (Life Cycle Assessment) erfasst im Anschluss die Wirkung auf die Umwelt mit Hilfe der durch das Ökoprofil ermittelten Sachbilanz. Damit werden die Umwelteinflüsse von Produkten über den gesamten Lebenszyklus (Herstellung, Nutzung und Entsorgung) berechnet.

Die Normenreihe DIN EN ISO 14040 und 14044 legt allgemeine Grundsätze für die Durchführung von Ökobilanzen fest.

Die CO2-Bilanz (oder Carbon Footprint) ist Teil der Ökobilanz eines Produktes und umfasst nur die Wirkungsabschätzung bezüglich des Treibhausgaspotenzials.

Ökoprofile und Ökobilanzen sind die Basis jeder Ökoeffizienz-Analyse. Die Ökobilanz analysiert den ökologischen Einfluss eines Produktes und liefert als Ergebnis eine Vielzahl von Einzeldaten. Die Ökoeffizienz-Analyse unterscheidet sich dadurch, dass die Vielzahl der Einzeldaten so verdichtet wird, dass daraus eine einfach verständliche Darstellung hervorgeht, deren Ergebnisse klar und eindeutig abzulesen sind.

Zudem bildet die Ökoeffizienz-Analyse neben ökologischen auch ökonomische Faktoren ab, sorgt damit also für eine ganzheitliche Bewertung.

Ökoprofile und Ökobilanzen können auch für einzelne Produkte oder Prozesse ermittelt werden. Die Ökoeffizienz-Analyse dagegen ist immer eine vergleichende Methode.

Die verschiedenen Kriterien werden in einem Normalisierungsprozess bewertet und mit einer anschließenden Zusammenfassung mit spezifischen Wichtungsfaktoren gewichtet. Diese Wichtungsfaktoren drücken aus, wie stark einzelne Kriterien in die Gesamtumweltbelastung eingehen - wie also beispielsweise der Rohstoffbedarf gegenüber den Klimagasemissionen die Gesamtumweltbelastung beeinflusst. Die Wichtungsfaktoren entstammen dem PEF (Product Environmental Footprint) Projekt und spiegeln die Relevanz wider, die Experten des Projektes den verschiedenen Kategorien der Umweltauswirkung beimessen.

Die Ökoeffizienz-Analyse kann nicht nur zum Vergleich unterschiedlicher Produktlösungen für den gleichen Kundennutzen herangezogen werden, sondern es können auch verschiedene Generationen von Produkten gegenübergestellt werden. Damit kann die nachhaltige Weiterentwicklung dieser Produkte und die daraus resultierenden Vorteile für den Konsumenten sichtbar gemacht werden.

Bislang wurden mehr als 600 Analysen durchgeführt. Es wurden unter anderem Verbraucherprodukte wie Fußbodenbeläge, Verpackungsarten, Dämmstoffe, Herrenoberhemden oder Geschirrspültabs untersucht.

  • So zeigte z.B. eine Verpackungsstudie, die BASF zusammen mit dem Land Rheinland-Pfalz, und den Partnerunternehmen Gerolsteiner Sprudel, Hochwald-Sprudel und dem Verpackungsunternehmen Schmalbach-Lubeca durchgeführt hat, dass bei Mineralwasserverpackungen PET-Mehrwegflaschen ökoeffizienter sind als Glasflaschen.
  • Außerdem konnte nachgewiesen werden: Die Dämmung eines Hauses lohnt sich sowohl für den Geldbeutel des Verbrauchers als auch für die Umwelt.
  • Es wurde berechnet, dass Autobauteile aus Polyamid (z.B. Saugrohre) helfen, Kraftstoff zu sparen. Sie sind ökoeffizienter als Aluminium-Teile.

Die Analysemethode wurde im Jahr 1996 von BASF und der Unternehmensberatung Roland Berger zusammen mit anderen Partnern entwickelt. Die BASF setzte das Verfahren zunächst nur intern ein und benutzte es bei einer Vielzahl von Produkten und Verfahren als Entscheidungshilfe, bevor es extern zugänglich gemacht wurde. Das Verfahren wurde 2017 erneuert, indem neue Entwicklungen und Standardmethoden des PEF-Projektes einbezogen wurden. Die Wirkungskategorien und Bewertungsmethoden wurden anhand der PEF-Methode harmonisiert.

Ja, das Gesamtverfahren der Ökoeffizienz-Analyse der BASF wurde zuerst in 2002 vom TÜV Rheinland validiert. Seitdem gab es nach methodischen Anpassungen mehrmals Validierungen seitens TÜV und der NSF International. 2015 wurde die BASF Ökoeffizienz-Analyse grundsätzlich überarbeitet und zuletzt 2019 durch NSF validiert. NSF hat gemeinsam mit unterschiedlichen Stakeholdern sowie Fachleuten der BASF Standard-Anforderungen für Ökoeffizienz-Analysen definiert. Ziel des so genannten NSF Protocol 352 ist es, Schlüssigkeit, Objektivität und Transparenz von Nachhaltigkeitsbewertungen sicherzustellen.

Die BASF wendet das Verfahren intern bereits seit 1996 an und benutzte es für eine Vielzahl von Produkten und Verfahren als Entscheidungshilfe, bevor sie damit an die Öffentlichkeit ging.

Nachhaltige Entwicklung ist wichtig für BASF. Das Unternehmen bekennt sich in seinen Leitlinien dazu, Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz ständig zu verbessern. Die Ökoeffizienz-Analyse liefert hierzu einen Beitrag. Die strategische und organisatorische Verankerung von Nachhaltigkeit hilft uns, Risiken frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig neue Geschäftsmöglichkeiten für BASF zu erschließen.

Typischerweise treten folgende Fälle auf:

  • Die Analyse bestätigt, dass ein Produkt oder Verfahren bereits eine hohe Ökoeffizienz aufweist. Das bedeutet, dass sowohl Kosten als auch Umweltbelastung sehr niedrig sind. In diesem Fall wird das Unternehmen beobachten, ob sich weitere Verbesserungsmöglichkeiten ergeben und versuchen, die Marktanteile weiter auszubauen. Außerdem prüft die BASF / der Auftrageber, ob die Analyse-Ergebnisse in Kundengesprächen sinnvoll als Verkaufsargument eingesetzt werden können.
  • Ein Produkt oder Verfahren besitzt eine ungünstige Ökoeffizienz, die sich optimieren lässt. Nun reagiert das Unternehmen: Aus dem Ökoeffizienz-Portfolio kann leicht abgelesen werden, ob und in welchem Maße die ökonomische oder die ökologische Komponente verbessert werden muss. Aufgabe ist es nun, das vorhandene Produkt oder Verfahren zu optimieren, um eine höhere Ökoeffizienz zu erzielen. Die Identifikation von relevanten Stellschrauben zur Verbesserung des betrachteten Prozesses / Produktes ist eine der Hauptaufgaben der Ökoeffizienz-Analyse. Hierbei werden die Details der Kostenzusammensetzung und die Beiträge einzelner Prozesschritte zur Umweltbelastung geprüft.
  • Ein Produkt oder Verfahren hat eine niedrige Ökoeffizienz und kann nicht optimiert werden, bzw. die damit verbundenen Aufwendungen wären zu hoch. In diesem Fall wird sich das Unternehmen möglicherweise von dem Produkt oder Verfahren trennen, bzw. es durch ein Alternativprodukt ersetzen.
  • Ein in der Forschung befindliches Produkt kann auf verschiedenen Wegen weiterentwickelt werden. Mit einer Ökoeffizienz-Analyse werden außer den standardmäßig abgeschätzten Kosten eines neuen Produktes oder Verfahrens Parameter zur Verbesserung des Umwelteinflusses ermittelt und so auf eine ganzheitliche Verbesserung hingewirkt.