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Nachhaltigkeit
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Marikana

Verantwortung übernehmen

Unser genereller Ansatz gegenüber allen unseren Lieferanten ist es, dass wir verantwortungsbewusst handeln und uns darauf verlassen, dass unsere Partner ebenfalls verantwortungsbewusst handeln. Darüber hinaus bieten wir Partnern unsere Unterstützung bei ihren Bemühungen an, ihrer jeweiligen Verantwortung gerecht zu werden. Wir führen Überprüfungen auf der Grundlage von Nachhaltigkeitsrisikobewertungen durch. Wann immer uns Verstöße bekannt werden, drängen wir darauf, diesen abzuhelfen. Gegebenenfalls unterstützen wir unsere Partner, zivilgesellschaftliche Organisationen oder branchenübergreifende Initiativen, die damit verbundenen Herausforderungen auf einer breiteren Basis von Interessengruppen gemeinsam anzugehen. In anderen Fällen können wir Geschäftsalternativen prüfen und uns das Recht vorbehalten, die Geschäftsbeziehungen zu beenden.

 

Der Marikana-Zwischenfall

Im August 2012 kam es zu einem ausgedehnten Streik in den Platinbetrieben von Lonmin in Marikana (Südafrika). Eine Eskalation der Spannungen gipfelte in gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Minenarbeitern und bewaffneten südafrikanischen Polizisten. Die Auseinandersetzung führte innerhalb einer Woche zum Tod von 44 Menschen.

Rivalitäten und Gewalt zwischen konkurrierenden Gewerkschaften (Association of Mineworkers and Construction Union (AMCU), National Union of Mineworkers (NUM)), Spannungen mit der beschäftigenden Platinförderungsindustrie und Frustration über schlechte Lebensbedingungen sind seit dem Ende der Apartheid Realität im südafrikanischen Platingürtel. Gewerkschaften sind heute in Südafrika gut etabliert und durch die neue südafrikanische Verfassung und das Durchführungsgesetz dazu gut geschützt. Im Laufe der Jahre waren gewerkschaftliches Engagement, Verhandlungen und damit verbundene Spannungen zu einem regelmäßigen Bestandteil der Beziehungen geworden. Keine Partei war vorsichtig genug gewesen, vorherzusehen, dass diese Spannungen in derartige Gewalt eskalieren könnten. Der Vorfall, bei dem am 16. August 2012 streikende Minenarbeiter von überforderten Polizeikräften direkt erschossen wurden, wurde später als das "Marikana-Massaker" bezeichnet. 34 Minenarbeiter starben dabei und viele wurden verletzt, was bei den Menschen tiefe Bestürzung und Trauer hervorrief.     

Die südafrikanische Regierung leitete kurz nach dem Vorfall eine Untersuchung ein und beauftragte die sogenannte "Farlam-Untersuchungskommission" (auf engl. Farlam Commission of Inquiry) mit der Leitung eines Untersuchungsverfahrens. Im Juni 2015 veröffentlichte die Farlam-Kommission ihren Bericht (auf Englisch). Zwar wurde festgestellt, dass das Vorgehen der südafrikanischen Polizei und der streikenden Bergarbeiter die Hauptursachen für die Ausschreitungen waren, doch wurde auch festgestellt, dass seitens Lonmin nicht die besten deeskalierenden Bemühungen zur Verhinderung der Tragödie vorgenommen wurden.

Nachdem Lonmin die Ursachen des Vorfalls auf der eigenen Seite intensiv untersucht hatte, wurde das Führungsteam ausgewechselt, die gewonnenen Erkenntnisse umgesetzt und versucht, die Beseitigung der Ursachen anzugehen. Lonmin richtete sofort einen Fonds zur Unterstützung der Familien und Kinder der umgekommenen Minenarbeiter ein, deren Schulausbildung und Studium fortan von Lonmin übernommen wurde. Jedes Jahr organisiert das Unternehmen am 16. August einen Gedenktag, um der Opfer zu gedenken und die folgenschweren Konsequenzen dieses Tages nicht zu vergessen. Der neue Eigentümer, Sibanye-Stillwater, hat diese Tradition unmittelbar nach der Übernahme im Jahr 2019 fortgesetzt und Möglichkeiten geprüft, wie auf die Situation der Familien der Opfer und der Marikana-Gemeinschaften im weiteren Sinne eingegangen werden kann.     

 

Marikana: Die Beteiligung von BASF

Zur Zeit des Marikana-Vorfalls war BASF eine der wichtigsten Platinabnehmer Lonmins. Als Mitglied der „International Platinum Group Metals Association“ (IPA) haben wir eine langjährige Geschäftsbeziehung zur südafrikanischen Platinindustrie. Die  Vereinigung bringt Südafrikas Platinminen und -verarbeiter wie BASF zusammen, die Platingruppenmetall (PGM) für Technologien und Innovationen benötigen, z.B. im Bereich der Automobilindustrie, um Emissionen zu reduzieren. Über die IPA-Vereinigung, aber auch über enge Lieferantenbeziehungen mit südafrikanischen Bergbauunternehmen wie Lonmin hat sich BASF stets intensiv über Herausforderungen des Bergbaus, einschließlich Streiks, ausgetauscht.

BASF war über den Vorfall und die Gewaltausschreitungen in Marikana schockiert und sprach allen, die unter den Ereignissen litten und leiden, ihr tiefes Mitgefühl aus. Auf den Erkenntnissen der Farlam-Kommission aufbauend, prüfte BASF mögliche Mängel in den Verantwortlichkeiten des Managements. Der NGO-Zusammenschluss "Plough back the fruits“ (auf dt. Pflüg die Früchte zurück) sah BASF als mitschuldig am Massaker und warf die Verletzung ihrer Menschenrechtsverpflichtungen vor. BASF wurde von Menschenrechtsexperten beraten, von denen einige dem Team des UN-Sonderbeauftragten für Wirtschaft und Menschenrechte, John Ruggie, angehörten. Zu diesem Zeitpunkt waren die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte kurz zuvor veröffentlicht worden. Für BASF waren die Hauptfragen im Zusammenhang mit dem Marikana-Vorfall, ob BASF als Kunde von Lonmin gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen habe, welche Lehren daraus zu ziehen und welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Infolgedessen hat sich BASF stärker engagiert, um ihre Sorgfaltspflicht in Bezug auf Lonmin mit besonderer Rücksicht auf die folgenden Punkte zu beachten:

  • Sicherstellung der Einhaltung und der guten Vorgehensweise Lonmins in Bezug auf alle Gesetze und Verpflichtungen im Hinblick auf international etablierte Umwelt-, Sozial-/Menschenrechts- und Governance-Standards (ESG) und die damit verbundenen südafrikanischen Gesetzesanforderungen.
  • Feststellung, welche Rolle BASF als Kunde und Vertreter einer Branche spielen kann, um Fortschritte in Bezug auf lokale Bedingungen und Herausforderungen im Zusammenhang mit den Menschenrechten zu ermöglichen. 

Zu diesem Zweck hat BASF folgende Einrichtungen etabliert:

  • Ein kontinuierlicher Auditprozess, der 2015 auf der Grundlage des BASF-Prozesses für Nachhaltigkeit im Beschaffungsmanagement (Verhaltenskodex für Lieferanten und Sorgfaltspflicht) auf Basis des Nachhaltigkeitsaudits "Together for Sustainability" (TfS) der chemischen Industrie gestartet wurde [mehr Details zum Audit und den Ergebnissen unten]
  • Ein Stakeholder-Dialog, der Ratschläge von der Zivilgesellschaft und von Nichtregierungsorganisationen prüft und einholt, in dem bewertet wird, wie BASF Fortschritte in Bezug auf die lokalen Bedingungen und Herausforderungen im Zusammenhang mit den Menschenrechten fördern kann [weitere Einzelheiten zum Stakeholder-Dialog und den damit verbundenen Aktivitäten unten]
  • Eine Brancheninitiative im Rahmen des IPA-Nachhaltigkeitsausschusses zur Einrichtung eines gemeinsamen Ansatzes für Nachhaltigkeitsaudits, in dessen Rahmen sich die IPA-Platinminen zur Durchführung von Audits ihrer Betriebe und zu einem Austausch über Erfolgsfaktoren bei der Bewältigung von Herausforderungen verpflichtet haben [weitere Einzelheiten zu dieser Initiative unten]

Übernahme durch Sibanye-Stillwater im Jahr 2019

Die Fusion zwischen Sibanye und Lonmin wurde am 10. Juni 2019 abgeschlossen, nachdem die Aktionäre von Sibanye-Stillwater und Lonmin mit großer Mehrheit dafür gestimmt hatten. Mit der Fusion ist Sibanye-Stillwater zu einer der weltweit führenden Quellen für Platingruppenmetalle (PGM) geworden. Seitdem wurde die Fusion umgesetzt. Seit 2018 tauscht sich BASF mit Sibanye-Stillwater zu Nachhaltigkeitsthemen aus. Sibanye-Stillwater stimmte im Januar 2020 einer vollständigen bergbauspezifischen Re-Auditierung gemäß der Initiative "Together for Sustainability" (TfS) der chemischen Industrie zu. Sibanye-Stillwater ist Mitglied und Unterstützerin der IPA-Nachhaltigkeitsinitiative.

Anfang Juli 2019, kurz nach der Übernahme, lud Sibanye-Stillwater BASF ein, den Nachhaltigkeitsansatz des Unternehmens vorzustellen und suchte den Austausch und die Zusammenarbeit bei herausfordernden Nachhaltigkeitsthemen. Sibanye-Stillwater und BASF haben vereinbart, im Rahmen ihrer Stakeholder-Dialoge zusammenzuarbeiten und die Zusammenarbeit zwischen den Interessengruppen zum Wohle der Allgemeinheit zu fördern. Sibanye-Stillwater und BASF nahmen am „Courageous Conversations Dialogue 2019“ teil, zu dem der anglikanische Erzbischof von Kapstadt eingeladen hatte, um sich über Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bei Gemeinschaftsprojekten auszutauschen. Spannungen im Zusammenhang mit den Lohnverhandlungen und den Einschnitten aufgrund von Umstrukturierungsmaßnahmen wurden im Laufe des Jahres 2019 gelöst. Nach Ankündigungen im November 2018 mehr als 12.500 Arbeitsplätze abzubauen, hat Sibanye-Stillwater im Januar 2020 berichtet, dass zunächst nicht mehr als 1142 Arbeitsplatzverluste zu tragen sind. Sibanye-Stillwater hat Maßnahmen ergriffen, um die Zahl der Arbeitsplatzverluste durch Versetzungen, freiwillige Trennungen und Pensionierungen zu reduzieren. Den von den Entlassungen betroffenen Mitarbeitern wird die Möglichkeit geboten, neue Fähigkeiten wie Landwirtschaft, Klempnerei, Kfz-Mechanik, Malerei, Maurerei usw. zu erlernen.