TOP
Global
Ludwigshafen
Global
Ludwigshafen

Gut gekühlt? Von der Temperatur des Rheins

„Hier beißt der Barsch oft an“, weiß Patrick Moser, Sportangler und Mitarbeiter im Störungsmanagement (ESE/MW). Hier, das ist im Norden des BASF-Werksgeländes am Rhein, an der Einfahrt in den Hafen. In der Abenddämmerung ist die Rheinböschung ein beliebter Treffpunkt für Angler: Die Fische versprechen „Petri Heil“.

Doch warum ist das so? Biologe Dr. Sascha Pawlowski (FEP/PA) erklärt: „Rheinaufwärts sind mehrere Einlässe von unserem Kühlwasser in den Rhein. Durch den Einlauf wird Wärme eingetragen – im wärmeren Wasser wachsen die Fischnährtiere wie zum Beispiel Wirbellose oder auch Algen besser.“ Für die Fische sind hier also gute Futterplätze. Dabei macht es ihnen nichts aus, dass es leicht wärmer ist als in anderen Bereichen des Flusses, solange die Sauerstoffversorgung ausreichend ist.

„Wärmefahne“ nennen Naturwissenschaftler das: Wenn das Kühlwasser wieder in den Rhein eingeleitet wird, ist es normalerweise wärmer als die Flusstemperatur. Das Fließgewässer nimmt das Kühlwasser mit der Strömung mit. Misst man die Temperatur, erkennt man das Kühlwasser wie eine Fahne im Rhein. Nach einer guten Durchmischung mit dem Flusswasser hat sich dieser Temperaturunterschied ungefähr in der Höhe von Mainz wieder ausgeglichen.

 

Obergrenze für Temperatur des Rheinwassers liegt bei 28 Grad

Generell ist die Sauerstoffsättigung des Rheins im Jahresverlauf sehr gut – aber wenn die Wassertemperatur deutlich ansteigt, sinkt der Gehalt an Sauerstoff. Ab einer bestimmten Wassertemperatur könnte einigen Fischarten die „Luft knapp werden“. Zum Schutz der Natur hat daher der Gesetzgeber eine Obergrenze definiert, welche sich für diesen Fluss-
abschnitt am Karpfen orientiert und bei
28 Grad Celsius liegt. Deswegen darf BASF in den Sommermonaten das Kühlwasser nur mit einer Temperatur bis höchstens 33 Grad Celsius in den Rhein abgeben – sofern die 28 Grad noch nicht erreicht sind. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme. Untersuchungen seitens der Landesbehörde Rheinland-Pfalz zeigten, dass selbst in dem extrem warmen und langanhaltenden Sommer 2018 kein Fischsterben zu beobachten war.

500

Wirbellosenarten und 64 Fischarten leben im Rhein.
Zu den Tieren gehören auch Würmer, Muscheln, Schnecken, Krebse, Insekten, Vögel und Säugetiere.

In Mainz wurde im vergangenen Sommer im Rhein 28 Grad Celsius gemessen. Die SGD Süd forderte Rheinanlieger auf, ihre Wärmelast zu reduzieren. Das wird bei BASF standardmäßig gemacht: Im Sommer wird ein großer Teil der Kühlleistung durch fünf Schwerpunktrückkühlanlagen bereitgestellt. Diese gleichen die verringerte Kühlleistung durch das zu warme Rheinwasser aus. Die Wärmefracht in den Rhein sinkt dadurch auf die Hälfte des Winterwertes. Trotzdem kam es 2018 zu Einschränkungen in der Produktion. Die Rückkühlanlagen konnten die verringerte Kühlleistung des warmen Rheinwassers nicht vollständig kompensieren. Ein großer Kühlwasserverbraucher bei BASF wurde in der Spitze ganz herausgenommen, eine Vielzahl der Produktionsanlagen am Standort musste ihre Produktion leicht drosseln.

„Damit das dieses Jahr nicht wieder passiert, werden gerade verschiedene Maßnahmen zur Erhöhung der Kühlkapazitäten umgesetzt“, sagt Dr. Thomas Riede (ESI/E). „Beispielsweise werden in den Kühlzellen der Schwerpunktrückkühlanlagen effektivere Flüssigkeitsverteilungen eingebaut sowie Maßnahmen zur verbesserten Luftführung umgesetzt. Zusätzlich gewinnen wir Kühlleistung, wenn bestimmte Betriebe ihr Abwasser zu den Schwerpunktrückkühlanlagen mit deutlich höheren Temperaturen abgeben als bisher: Dadurch, dass das Abwasser mit höheren Temperaturen auf die Rückkühlwerke gelangt, sind diese in der Lage, dem Abwasser mehr Wärme zu entziehen und so effektiver zu arbeiten. Hierzu sind wir mit den Betrieben in engem Kontakt“, so Riede.

Und wie geht’s weiter – war letztes Jahr ein Jahrhundertsommer? Meteorologe Dr. Max Bangert (ESE/MU): „2018 war wirklich ein außergewöhnliches Jahr, außergewöhnlich trocken und außergewöhnlich heiß. Die Klimaforscher gehen davon aus, dass das Risiko für diese Wetterlage bei uns in den nächsten Jahrzehnten ansteigt.“